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14.06.1996 - 

Anwenderschulung/Das Schulungsangebot stillt jeden Wissensdurst:

Vor der ersten Stunde ist eine Qualitätsprüfung vonnöten

Bildungsveranstaltungen vor Ort sind der große Renner: Kostspielige Reisen entfallen, und die Schulungsteilnehmer sind für ihr Unternehmen jederzeit erreichbar. Denn eine schulungsbedingte Ausfallzeit leisten sich heute vor allem Mittelständler nur noch selten.

Um diesem Bedarf gerecht zu werden, läßt sich fast jedes kleinere Ausbildungsunternehmen auf externe Schulungen und sogar auf stundenweise Termine ein, um den Produktivitätsausfall beim Auftraggeber so gering wie möglich zu halten. Ein hartumkämpfter Markt erfordert halt aktive Dienstleistung - und macht flexibel. Das Training on-the-Job ist nach wie vor beliebt, wird jedoch zum Training beside-the-Job erweitert.

Neben der freien Wahl von Zeit und Raum ist mittlerweile auch die Qualifikation der Trainer ein wichtiges Kriterium. Kaum ein Anbieter kann es sich noch leisten, Ausbilder einzusetzen, die für das jeweilige Programm nicht hochqualifiziert sind. Die pädagogische Seite ist hier mit entscheidend. Ein DV-Spezialist, der es lediglich gewohnt ist, mit seinesgleichen zu reden, wird ohne Zusatzqualifikation als Ausbilder meist ungeeignet sein.

Das Angebot ist breit gefächert. Von der Textverarbeitung bis hin zu CAD und Multimedia reicht die Palette, die selbst überregional präsentiert wird. So bietet etwa die Schweizer Aha EDV Support AG auch hierzulande Seminare zu Standardthemen wie Betriebssystemen und Office-Produkten oder zu speziellen Fragestellungen wie "Migration von Windows 3.1 nach Win 95 für Entscheidungsträger" an.

Neben rein technischem Grund- und Anwendungswissen orientieren sich die Ausbilder inzwischen zunehmend an Themen aus dem Umfeld der DV. Die Josef Schmidt Colleg GmbH aus Bayreuth entwickelte beispielsweise ein spezielles Seminarprogramm, das universitäres Wissen mit praxisorientierter Unternehmensführung in Einklang bringt: So werden Veranstaltungen zum Thema Zeit-Management ebenso angeboten wie Informationen für Mittelständler und Kleinunternehmer über den Sinn und Zweck des Internet, die Effizienz im Sekretariat oder neuere Techniken des Verkaufs.

Der Vertrieb ist alles, und so lassen sich auch Schulungsunternehmen in puncto Werbung einiges einfallen: beispielsweise Computerkurse ausschließlich für Frauen (und auch von Frauen). Die Anbieter versichern, daß Frauen, die nur unter ihresgleichen am Computer gelernt haben, diesen danach besser beherrschen als ihre Kolleginnen aus gemischten Klassen.

PCA Service Wolfgang H. Arndt aus Köln wiederum hat sich nicht nur den rein deutschen Sprachgebrauch fernab jeglichen DV- Kauderwelschs auf die Fahnen geschrieben. Das Unternehmen hält für firmeninterne Kleingruppen zusätzlich zu Beratungsvorgespräch und Schulung einen im Preis enthaltenen Workshop rund vier Wochen nach der Bildungsmaßnahme ab, um zwischenzeitlich aufgetauchte Fragen abzuklären. Auch telefonische Hilfe gehört zum Service.

Neben einer solchen Flexibilität - die in der Regel zu akzeptablen Preisen angeboten wird - stehen große Hersteller wie Siemens oder IBM mit ihren umfassenden Schulungsprogrammen zwar nicht gerade im Abseits, aber auch nicht mehr an erster Stelle.

Das Weiterbildungsangebot beinhaltet klassische Themen, die sich seit Jahren guten Zuspruchs erfreuen, beispielsweise Unix- Einführungen. Doch hinsichtlich neuer Themen wandelt es sich sehr schnell. Momentan beliebt sind Inhalte wie Internet-Gebrauch und - Möglichkeiten, Multimedia sowie neue Programmiersprachen. Solche Themen wählen Kunden, wenn sie darin einen "Trend mit großem Nutzen" zu erkennen glauben. Entsprechend orientieren sich die DV- Schulen in ihren Angebotsunterlagen.

Problematisch allerdings sieht die Weiterbildungssituation für all jene aus, die durch Arbeitslosigkeit ins Abseits geraten sind und über eine Umschulung versuchen, wieder in der Arbeitswelt Fuß zu fassen.

Diese Umschulungen werden vor allem von spezialisierten Schulungsunternehmen angeboten, die dem Arbeitsamt Kursvorschläge und -unterlagen einreichen. Hält das Arbeitsamt die Schulungsinhalte für geeignet, um die Arbeitslosen nach der entsprechenden Ausbildung besser vermitteln zu können, werden die Kurse in aller Regel genehmigt.

Doch es wird gemunkelt, daß nicht nur die Weiterbildung der Arbeitslosen das hohe Ziel ist. Insider, die lieber ungenannt bleiben wollen, vermuten andere Hintergründe: Man will mit einer solchen Maßnahme möglichst viele Menschen von der Straße holen. Denn jeder Arbeitslose, der in einer Umschulung steckt, erscheint nicht in der Arbeitslosenstatistik.

Andererseits sehen sich die Arbeitsämter gezwungen, an allen Ecken und Enden zu sparen. Solange er sich nicht völlig disqualifiziert hat, wird der jeweils preisgünstigste Schulungsanbieter den Zuschlag erhalten. Die Ausbildung wird darunter garantiert leiden.

Doch auch teurere DV-Schulungsunternehmen setzen die Arbeitsamtsgelder sehr unterschiedlich ein. Es ist in der Branche leider ganz und gar nicht selbstverständlich, daß jeder Kursteilnehmer einen eigenen adäquat ausgestatteten PC gestellt bekommt.

Manchmal müssen sich zwei Schüler einen Rechner teilen - und so manches Mal teilen sich sogar zwei gleichzeitig stattfindende Kurse einen einzigen Trainer. Während dieser in einer Klasse unterrichtet, haben die andern Schüler Zeit zum Üben - und umgekehrt. Die Möglichkeit, zwischendurch Fragen zu stellen, besteht bei dieser Form der "Ausbildung" natürlich nicht. Das Übelste daran ist allerdings, daß solche Zustände vom Arbeitsamt geduldet werden.

Arbeitsamt zahlt keine Ausbildung ad infinitum

Dabei ist nach Meinung der CT Computer Training aus München eine gute Ausbildung auch mit den vom Arbeitsamt bereitgestellten Mitteln möglich. Pentium-PCs mit 16 MB RAM beziehungsweise Power- PCs sind hier ein Muß, damit die aktuellen, immer ressourcenhungrigeren Programme vernünftig laufen. Laut Angaben des Unternehmens, das sich vor allem auf Multimedia spezialisiert hat, sollen fast 70 Prozent der dort ausgebildeten Arbeitslosen bereits drei Monate nach der Schulung eine neue Anstellung haben. Einige Schüler werden sogar schon während der Ausbildung abgeworben. "Von einem frühzeitigen Ausstieg raten wir unseren Kursteilnehmern aber dringend ab", so der Geschäftsführer Thomas Rausch, "denn oft stellt sich dann beim neuen Arbeitgeber heraus, daß langfristig das Wissen über die später im Kurs durchgenommenen Themen fehlt." Ein erneuter Einstieg in den Kurs wird vom Arbeitsamt dann jedoch nicht mehr genehmigt.

Das Arbeitsamt zahlt generell nur einen einzigen Kurs - ob dieser nun einen oder zwölf Monate dauert. Zwei Kurse mit insgesamt kürzerer Laufzeit werden beispielsweise nicht gefördert, obwohl sie oft erheblich weniger kosten würden als ein Jahreskurs.

Ein weiteres Problem liegt darin, daß es den Schulungsunternehmen nahezu unmöglich gemacht wird, auf den raschen Wandel in der DV- Welt mit entsprechenden Kursen - etwa zum Thema Internet - zu reagieren. Für deren Finanzierung muß erst ein Bedarf an Arbeitskräften auf dem Markt deutlich erkennbar sein. Da sich aber in den letzten Jahren nicht gerade Hunderte von Unternehmen beim Arbeitsamt nach Internet-Spezialisten erkundigt haben, besteht laut der Arbeitsamtstatistik diesbezüglich auch kein Bedarf. Im Moment kocht jedes Arbeitsamt auch noch sein eigenes Süppchen. Eine Kommunikation über Landesgrenzen hinweg existiert eigentlich nicht. Da bleibt nur zu hoffen, daß die Politiker die oftzitierte Datenautobahn auch in ihren eigenen Behörden einsetzen. Vielleicht bekommt dann das Arbeitsamt in Frankfurt oder Berlin auch mit, was in München passiert.

Kurz & bündig

Sorge um den Arbeitsplatz läßt auch den Wunsch nach Weiterbildung aufkommen. Ein fast unüberschaubarer Markt verschiedenster Unternehmen und einiger Branchenriesen bietet neben DV-Schulen an, didaktisch klug zu vermitteln, was es an Neuem und Wissenswertem in der Datenverarbeitung gibt. Aber die Teilnehmer sind "erwachsen" geworden und nutzen das breitgefächerte Angebot zu sorgfältiger Auswahl. Schlagworte auf den Themenlisten sind heute keine Garantie mehr für volle K(l)assen.

Schulung - ein Milliardenmarkt

Fast ein Viertel aller Angebote in der weltweit wohl größten Online-Datenbank für Ausbildungen "Kurs Direkt" der Bundesanstalt für Arbeit entfallen auf den DV-Bereich. Insgesamt waren im Mai 1995 mehr als 265000 Aus- und Weiterbildungsangebote inklusive der Hochschulausbildung gespeichert. Die reine berufliche Weiterbildung umfaßt etwas über 200000 Angebote. Daraus entstammen rund 60000 Nennungen aus dem Bereich der Datenverarbeitung.

Wie aus dem CW-Jahrbuch zur DV-Schulung und Weiterbildung zu entnehmen ist, finden die meisten Seminare (über 5700) zu den Themen "Kommunikationssysteme und Datenfernübertragung" statt. Aber auch Betriebssysteme, Datenbanken und Programmiersprachen werden ausführlich geschult. Das Client-Server-Training umfaßt nach dieser Statistik ein Sachgebiet, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Die größten Anbieter in Deutschland sind Siemens (mit mehr als 3500 Angeboten), Digital Equipment, Hewlett-Packard und Integrata. Aber auch die Bildungszentren der Industrie- und Handelskammern lassen sich nicht lumpen: Sie bieten ebenfalls über 3200 verschiedene Kurse an. Insgesamt wird der Markt für IT-Aus- und - Weiterbildung laut Analyse des Marktforschungsunternehmens Input in Europa auf jährlich 3,6 Milliarden Mark geschätzt. Mit steigender Tendenz: Bereits 1999 soll die Vier-Milliarden-Grenze weit überschritten sein.

*Christian Schreiber ist freier Fachjournalist in München.