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28.06.1985 - 

Tutzinger Journalisten-Kolloquium verdeutlicht:

Vorerst nur Annäherungen an ISDN und IBFN

TUTZING (bi) - Verbindliche Aussagen zur Gebührensituation im künftigen ISDN (Integrated Services Digital Network) der Bundespost, speziell am Basisanschluß, erwartet Jürgen Bohm, Ministerialrat im Postministerium, von seinem Minister noch in diesem Herbst.

Dieser Hoffnung gab der in Bonn für die Datenübertragungsdienste verantwortliche Ministeriale auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing und der Akademie für politische Bildung, ebenfalls Tutzing, Ausdruck. Gegenstände des Kolloquiums für Journalisten waren in erster Linie ordnungspolitische Voraussetzungen und sozioökonomische Folgen der Einführung des ISDN sowie darauf folgend des IBFN (Breitbandfernmeldenetz).

Tutzing gab sowohl mehr oder weniger gemäßigten Befürwortern einer Liberalisierung des bisherigen Postmonopols (Professor Carl Christian von Weizsäcker, Bern, und Franz Arnold, Bonn), als auch den Kritikern und "Suchern" nach Alternativen zu dem geplanten Dienste integrierenden Schmal-, sowie später auch Breitbandnetz ein Diskussionsforum (Professor Herbert Kubicek, Trier, und Emil Bock, Postgewerkschaft, Bonn). Als ein wesentliches Ziel der Liberalisierung kristallisierte sich die Öffnung der Post-Netze für "Value Added Networks" (VANs), zu deutsch Mehrwertdienste, auch für private Anbieter heraus. VANs könnten für die Bundespost zum einen ein Zusatzgeschäft bedeuten, auf der anderen Seite dennoch eine offenbar erstrebenswerte Konkurrenz speziell im Sektor der Textübertragung zu den bereits existierenden und auch geplanten Postdiensten darstellen. Helmut Röder, Referent der IBM Deutschland, konnte sich hier das IBM-interne Message-System als ein Angebot des DV-Marktführers an bisherige Postkunden "sehr gut vorstellen".

Der Wissenschaftler Carl Christian von Weizsäcker und der Praktiker Franz Arnold, früher Postministerium, heute in der Geschäftsführung von SCS, fanden sich in der Befürwortung einer weiteren Privatisierung des Endgerätemarktes unter Einbeziehung der Bundespost selbst als Mitbewerber.

Arnold ging in der Konkretisierung von Entwicklungs- und Finanzierungsplänen zur künftigen Infrastruktur speziell in Glasfasertechnik am weitesten: Unter dem Motto "nationale beziehungsweise europäische Anstrengung" forderte er ein phasenweise angebotsorientiertes -Investitionsprogramm der Post für den Übergang vom heutigen analogen Fernsprechnetz über das ISDN zum integrierten Breitbandnetz auf Glasfaserbasis.

Voraussetzung dafür sei eine Trennung des Investitionshaushaltes der Post in einen normalen Investitionshaushalt, der im wesentlichen rein nachfrageorientiert sei und einen Innovationshaushalt, bei dem infrastrukturelle und volkswirtschaftliche Gesichtspunkte im Vordergrund stehen, und der in der Hauptsache angebotsorientiert sei. Arnold untermauerte seinen Vorschlag, teilweise angebotsorientiert vorzugehen, mit Erfahrungen aus der Zeit der Verlegung des jetzigen Fernsprechnetzes. Das Vorhandensein dieser Infrastruktur sei die wesentliche Voraussetzung für die dann rasch steigenden Telefon-Anschlußzahlen gewesen. Auf die Glasfaser übertragen bedeute dies: "Erst wenn Kabel tatsächlich über Jahre hinweg ausgelegt werden, entsteht Anreiz für die Industrie, die entsprechenden Systemkomponenten zu entwickeln, weil erst danach reelle Absatzchancen entstehen." Dies wiederum bedeute: "Ohne Vorausinvestitionen im Kabelnetz keine Glasfasersysteme, ohne Systeme keine Endgeräte etc. "Im übrigen sei das heutige Glasfaserkabel für das Ortsnetz (!) ähnlich zukunftssicher wie die zweiadrigen Kupferadern vor 40 Jahren.

Für den Ausbau des ISDN schlägt Arnold zu den normalen Auswechslungsinvestitionen ab 1986 ein Zusatzprogramm in Höhe von zwei Milliarden Mark jährlich vor, und zwar von 1986 bis 1988 für die forderte Digitalisierung der Übertragungstechnik und ab 88 auch für den forcierten Ausbau der digitalen Vermittlungstechnik (ISDN-fähig).

Weiter befürwortet der Post-Insider zunächst einmal den Aufbau einer ISDN-Kapazität von fünf Prozent der analogen Fernsprechteilnehmer in jedem EG-Land von 88 bis 93. Wichtig seien zusätzliche entsprechende EG-Aktivitäten zur Entwicklung von in der EG einheitlichen und kompatiblen Terminals.

Finanzielle Probleme, seien, nachdem die deutsche Bundespost unter anderem über ein hohes Eigenkapitalpolster verfüge, zu bewältigen.

Wasser in den Wein dieser weitgereiften Konzepte schüttete der SCSMann selbst. In zehn EG-Ländern gäbe es zur Zeit so unterschiedliche ISDN-Philosophien, daß kein einziger einheitlicher Dienst entstehen könne. Andere Aussagen dieser Art, so zum Beispiel von seiten der IBM, daß der Kampf um die einheitliche Schnittstelle So noch keineswegs gewonnen sei etc., machten auf den schwankenden Boden, auf dem der Arnoldvorschlag aufsetzt, aufmerksam.

Breiten Raum nahmen in der Tagung mit dem Leitthema: "Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft: Gestaltungsspielräume in der Telekommunikation" eben diese Gestaltungsspielräume ein. Gleichwohl hat das oben skizzierte Konzept, nach Meinung der meisten Tagungsteilnehmer, wohl die höchsten Realisierungschancen und einige politische Rückendeckung.