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13.02.1998 - 

ERP-Pakete im Mittelstand Teil 1

Vorinstallierte Software ist nur die halbe Miete

Insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen (KMUs) bieten Baan, J.D. Edwards, Oracle, Peoplesoft, SAP und SSA vorkonfigurierte Versionen ihrer Pakete an. Die Bemühungen um kurze Einführungszeiten spiegeln sich bereits in deren klangvollen Namen wider: Die SAP in Walldorf hat sich für "Ready to Run R/3" sowie für "R/3 zum Festpreis" entschieden, Baan bietet in den USA unter dem Logo "Baan IV Ready to go" ein Bündel für KMUs an. Bis zur diesjährigen CeBIT soll dieses auch hier verfügbar sein und in "Baan on Board" umbenannt werden, teilt Presales Manager Karl-Heinz Plünneke mit.

Die Oracle Corp. verspricht mit "Fast Forward" kürzeste Einführungszeiten, und die Peoplesoft Inc. hat mit "Select" ebenfalls ein speziell für den Mittelstand zugeschnittenes Paket im Portfolio. Da die Systems Software Association (SSA) und J.D. Edwards aus der AS/400-Welt kommen, sind sie eigenen Aussagen zufolge von jeher stark im Mittelstand vertreten und sehen sich für dessen Belange ohnehin schon gut gerüstet. Die deutsche SSA-Niederlassung läßt es sich dennoch nicht nehmen, unter der neuen Führung von Ex-Informix-Manager Walter Königseder bis zur CeBIT '98 vorkonfigurierte Lösungen auf Basis von "BPCS 6" auf den Markt zu bringen. Einen eigenen Namen will man dem Baby allerdings nicht geben.

So unterschiedlich die Bezeichnungen der Pakete sind, so ähnlich ist die Idee, die ihnen zugrunde liegt: Kunden sollen sich um die Installation nicht sorgen müssen, die wichtigsten Geschäftsprozesse werden voreingestellt, und auch für Schulung sowie erste Live-Checks und Support wird gesorgt. Baan, SAP, Oracle und Peoplesoft bündeln ihre Software-Suiten zudem mit entsprechender Server-Hardware, Betriebssystemen, Datenbanken und System-Management-Produkten. Auch an Infrastruktur, Netzwerk und die Arbeitsplatzgeräte ist gedacht.

Der Clou an den Angeboten ist, so die Anbieter, daß durch ein striktes Projekt-Management und DV-gestützte Einführungsmethoden die Implementierungszeiten unter sechs Monaten liegen sollen. Der verbindliche Preis des einzuführenden Paketes richtet sich letztendlich nach dem Projektumfang, der in einer rund zwei- bis fünftägigen Kurzanalyse festgelegt wird.

Er beginnt bei einigen hundertausend Mark für Bündel mit Lizenzen bis 20 Benutzern, kann aber auch die Millionen-Mark-Grenze bei kompletten ERP-Installationen übersteigen.

Die klar umrissene Projektdauer und der Fixpreis sind nach Einschätzungen von Andreas Pestinger, Research Director der Meta Group in Wiesbaden, der Vorteil dieser Angebote: "Die Unternehmen wissen genau, woran sie sind." Jedoch besteht ein Risiko: Immer dann, wenn Anforderungen und Projektleistungen nicht ausreichend definiert werden, entstehen im Nachhinein Kosten.

Damit Anwender schnell zum Ziel kommen, unterstützen die Hersteller den Einführungsprozeß mit Werkzeugen. Methoden wie "Accelerated SAP" (ASAP) oder der "Dynamic Enterprise Modeller" (DEM) von Baan dienen als Leitfaden und geben die einzelnen Projektschritte streng vor. Jede Abweichung davon bedeutet zusätzlichen Aufwand. Innerhalb weniger Tage werden mit Agenten oder Wizzards (Frage und Antwortverfahren) Softwarefunktionen ein- und ausgeschaltet, komplette Organisationen aufgebaut und Benutzerberechtigungen vergeben - eine Arbeit, die sonst Monate oder Jahre dauerte. Hinzu kommen Anwenderschulungen, Fein-Tuning, Integration und Altdatenübernahme und Live-Checks, so daß Projektlaufzeiten von unter sechs Monaten erreichbar sein sollen.

"In den Einführungswerkzeugen sind der Projektablauf und branchenspezifische Referenzmodelle mit vordefinierten Prozessen bereits hinterlegt. Die Tools sind übersichtlich aufgebaut, und die Anwender können sich führen lassen", sagt SAP- und Baan-Spezialistin Beate Arnold, Geschäftsführerin der Pico Con- sultant mit Sitz in Schwarzenbruck. "Aber sie reichen nur, um analog zur Vorgabe festzulegen, wie es im eigenen Unternehmen abläuft." Benutzen Anwender diese vorbereiteten Referenzabläufe, so erfolge zwischen Software und Unternehmen eine Eins-zu-eins-Abbildung. Dies sei von den Anbietern auch bezweckt, um im Wettlauf für kürzere Einführungszeiten zu gewinnen. Für Re-Engineering oder ein Umdenken der Mitarbeiter ist in diesem Wettlauf jedoch kein Platz, erklärt sie.

Matthias Uhrig, Geschäftsführer bei der Beratungsgesellschaft Dr. Böhmer, Uhrig & Partner, Dreieich, hält die Idee, Einführungszeiten zu verkürzen, grundsätzlich für gut, sieht aber in dem bestehenden Angebot deutliche Schwächen. Die Pakete zielen viel zu sehr auf die technischen Aspekte der Software-Einführung ab: "Die meisten Unternehmen haben doch Probleme damit, ihre Produkt- und Marktstrategien festzulegen. Da ist der Ansatz falsch, eine neue Software und Hardware einzusetzen und zu glauben, daß die Probleme damit gelöst sind."

Die Mittelstandspakete fördern nach seiner Einschätzung einen Bumerang-Effekt: "Die Anwender werden sich vor der Implementierung noch weniger als bisher auf die Analyse ihrer Gesamtsituation konzentrieren", befürchtet er. Das müßten sie später nachholen, was um ein vielfaches teurer sei. "Gibt sich ein Unternehmen allein mit Standard zufrieden, dann hat es meistens wenig Wettbewerbsvorteile gegenüber seinen Konkurrenten", folgert er.

Einig sind sich die Experten, daß sich die Festpreispakete für Unternehmen eignen, deren bestehende DV-Systeme den Jahrtausendwechsel nicht überleben werden und den Euro nicht unterstützen.

Kunden müssen massiv mitarbeiten

Eine völlig veraltete Hardware oder auch der Einsatz von Paketen wie "Comet" oder Lösungen von Strässle, deren Wartung über das Jahr-2000 hinweg unklar ist, sei ebenfalls ein Grund, schnell zu handeln und auf Paketangebote zurückzugreifen. Diese böten eine gute Möglichkeit, um in sicheres Fahrwasser zu gelangen. Ob allerdings ein Nutzen für das Kerngeschäft entsteht, ist fraglich.

"Anwendern muß klar sein, daß diese Festpreispakete keine Sonderwünsche beinhalten. Kunden sind zudem massiv zur Mitwirkung gezwungen", sagt Roland Noll, Management-Berater bei CSC Ploenzke in Walldorf. Entsprechend komplex seien die Verträge, in denen der Umfang der Kundenleistungen definiert wird. Ein Problem bei Festpreisprojekten seien die vielen Änderungswünsche (Change Requests), die meistens extra vergütet werden müssen: "Es kommt immer wieder zu Abstimmungsproblemen und Verzögerungen, weil man sich häufig über den definierten Leistungsumfang und etwaige Erweiterungen erst einmal einigen muß."

Für eine erste Einschätzung der Anwender, ob die Mittelstandsbündel sich hierzulande in der Praxis bewährt haben, ist es noch zu früh. Oracle, Peoplesoft und Baan haben ihre Programme zunächst in den USA gestartet. Zur CeBIT sollen entsprechende Angebote in Deutschland verfügbar sein. Auch der SAP, deren erste Paket-Kunden das System bereits produktiv nutzen sollen, liegen noch keine Ergebnisse zur Veröffentlichung vor.