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27.03.1998 - 

Thema der Woche

Vorläufige CeBIT-Bilanz fällt positiv aus

Wie immer konnte Hubert Lange, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG Hannover, auch dieses Jahr zur CeBIT-Halbzeit eine fast fleckenlose Bilanz präsentieren: An den ersten drei Tagen sei gegenüber 1997 eine Steigerung des Besucherandrangs um 7,5 Prozent auf 285000 zu verzeichnen gewesen.

Insbesondere der Anteil ausländischer Besucher wachse, sagte Lange weiter. Mittlerweile stamme jeder fünfte CeBIT-Gast aus dem Ausland.Allein am Samstag hätten sich insgesamt etwa 195000 Menschen auf dem Messegelände bewegt, 121000 davon Besucher, der Rest Aussteller, Journalisten und Servicepersonal.

Die Gäste seien zudem höher qualifiziert gewesen als im Vorjahr, freute sich Lange, der sich bei dieser Aussage auf die Rückmeldung der Aussteller verließ. Die schärfste Kritik, die sich der Messechef gefallen lassen mußte, galt denn auch einem Nebenschauplatz: dem offenbar gescheiterten Verkehrskonzept. Unzählige Messetermine konnten nicht wahrgenommen werden, weil die Beteiligten im Stau steckten.

Die CeBIT war dennoch ein Erfolg.Justus Jung, als Director Central Europe für die Computer Systems Group von NCR zuständig, bestätigte im Gespräch mit der CW, die Besucher seien "deutlich besser qualifiziert" gewesen als früher.Schon auf der CeBIT ´97 habe sich dieser Trend gezeigt: "Aber in diesem Jahr ist es noch spürbarer."

Unternehmen hätten ihm erklärt, sie würden nicht wie früher mehr oder weniger ungeprüft einen Schwung Mitarbeiter auf die CeBIT schicken, sondern nur noch solche, die mit einer bestimmten Problematik betraut seien und sich dazu auf der Messe weiter informieren sollten.

Auch bei Sun Microsystems sieht die vorläufige CeBIT-Bilanz gut aus. Firmensprecherin Heike Friedrich bestätigte die Erfahrungen von NCR, daß sich bereits vergangenes Jahr Besucher mit einem vergleichsweise hohen Wissensstand in Hannover eingefunden hätten.

Wolfgang Kroy, bei Sun für Enterprise-Server zuständig, stellte zudem ein gesteigertes Investitionsinteresse fest.Insbesondere die Jahr-2000- und die Euro-Umstellungs-Problematik würden Unternehmen veranlassen, gleich reinen Tisch zu machen und über neue Konzepte für die gesamte DV nachzudenken.

Zufrieden zeigt man sich auch bei der Fujitsu-Tochter Amdahl.Bernd Tillack, Marketing Director Europe, lobt vor allem die Qualität der Kontakte: "Für uns ist die Messe so verlaufen, wie wir uns das gewünscht haben."Zwar seien insgesamt etwas weniger Interessenten am Stand erschienen als im Vorjahr. Insbesondere mit den entscheidenden Großkunden habe es aber etliche günstig verlaufene Gespräche gegeben."Für uns war es wichtig, daß wir uns hier mit drei verschiedenen Plattformen (S/390, Unix, NT) positionieren", so Tillack. "Wir sind wieder da im CMOS-Markt; wir haben die Verbindung zu NT, und wir präsentieren uns auch als Lösungsanbieter."

Mit der Messestruktur ist Tillack dennoch schon seit drei Jahren nicht einverstanden.Während am Donnerstag und Freitag der Andrang kaum zu bewältigen sei, gehe die Anzahl der Fachbesucher am Wochenende stark zurück.Eine Streckung der Messe in der ersten Woche, etwa auf Montag bis Donnerstag oder Dienstag bis Freitag, hielte der Manager deshalb für sinnvoll.Das CeBIT-Wochenende könnte dafür entfallen.

Paul Santner, Chef der deutschen Digital-Equipment-Dependance, stößt ins gleiche Horn.Wie schon in den vergangenen Jahren seien am Wochenende sehr viele private Kunden gekommen, wenngleich auch zum Teil mit professionellen Interessen.Eine komplette Verlagerung der Messe auf die Werktage wäre sinnvoll: "An Laufkundschaft sind wir nicht interessiert."

Ansonsten gibt sich der DEC-Geschäftsführer zufrieden."Wir haben sehr viele professionelle Kunden hier gehabt."Ein Teil der Besucher habe sich über den neuesten Stand bei der bevorstehenden Übernahme von DEC durch Compaq erkundigen wollen.Auf starkes Interesse seien Themen wie Decision-Management, Data-Warehousing, Clustering und Internet gestoßen.

Unisono bestätigen die großen Software-Anbieter den Erfolg des CeBIT-Themas Electronic Business.Das Vorurteil, das Internet eigne sich in erster Linie nur für Business-to-Consumer-Lösungen, habe sich zerstreut, statt dessen stehe das Interesse an Geschäftslösungen im Vordergrund, heißt es bei IBM.Statt nach einzelnen Produkten hätten viele Besucher nach der Bedeutung von auf dem Web basierenden Anwendungen für die jeweils speziellen Geschäftsprozesse gefragt. 70 Prozent der Besucher hätten konkrete Investitionsabsichten geäußert, im vergangenen Jahr seien es nur 20 Prozent gewesen.Der Anteil der ausländischen Besucher habe über 20 Prozent gelegen, was die internationale Bedeutung der CeBIT demonstriere.

Einen ähnlichen Eindruck gewannen die Messevertreter von Siemens-Nixdorf, Microsoft, Oracle und Filenet von der CeBIT.Von allen war zu hören, daß nicht nur mehr, sondern auch deutlich besser vorbereitetes und zielstrebigeres Publikum die Stände frequentierte.Wie DEC-Spitzenmann Santner sprachen sich auch Vertreter von Oracle und Filenet dafür aus, die Messe in Zukunft nur noch werktags anzusetzen.

Besonders euphorisch zeigten sich die Verantwortlichen der Deutschen Telekom angesichts wachsender Besucherzahlen."Wir sind sehr zufrieden", resümierte Walter Genz, Pressesprecher des Bonner Unternehmens.Nach seiner Schätzung besuchten dieses Jahr 6000 bis 10000 mehr Menschen als im vergangenen Jahr den Telekom-Stand, der fast eine ganze Halle belegte.Außer vom allgemeinen Besucherzuwachs habe die Telekom vom regen Interesse am Thema Telekommunikation infolge der Liberalisierung des Telecom-Marktes profitiert. Auch die Datenübertragung via Kupferkabel über Asymmetrical Digital Subscriber Line (ADSL) sei ein Publikumsmagnet gewesen.Andere Hersteller sprachen eher von einer gleichbleibenden Zahl der Kontakte.Die Telekom zog besonders am Wochenende viele private Besucher an.

Isaac Beeri, Technical Support Engineer bei der israelischen Firma Radguard, lobte die Kaufbereitschaft der Besucher.Noch im vergangenen Jahr hatte der Anbieter von Virtual-Private-Network-(VPN-)Lösungen aktiv auf potentielle Kunden zugehen müssen - "jetzt kommen sie von selbst", so Beeri.Das hänge wohl mit der wachsenden Popularität des Themas zusammen.

Einige Hersteller äußerten sich besorgt.Die ständig wachsenden Investitionen in den Messeauftritt würden durch die nur mäßig zunehmenden Geschäftsabschlüsse kaum noch gerechtfertigt.Insofern stelle sich die Frage, ob man das Budget für den Messeauftritt weiter aufstocken oder besser in andere Veranstaltungen investieren solle - gemeint ist dabei vor allem die Münchner Konkurrenzveranstaltung Systems.

Wie die Messeleitung berichtete, kamen die Besucher mehrheitlich aus dem Mittelstand und weniger aus Großunternehmen.CeBIT-Reisende 1998 seien, so Lange, zu 46 Prozent (1997: 40 Prozent) auf der Messe, um Investitionsentscheidungen zu treffen.Unabhängig vom Geschehen in Hannover hatten Marktforscher und Branchenexperten wie beispielsweise SNI-Vorstandsvorsitzender Gerhard Schulmeyer in letzter Zeit oft von einer sinkenden Investitionsbereitschaft gesprochen.Anwenderunternehmen schieben demnach wegen der Jahr-2000-Problematik und der Euro-Umstellung sämtliche anderen Käufe um zwei bis drei Jahre hinaus.Messechef Lange konterte eine diesbezügliche Frage mit der Aussage, auch Ausgaben im Zusammenhang mit den beiden aktuellen Problemen seien ja Investitionen.

Etwas überraschend kam ein weiteres Resümee von Lange: Befragungen seitens der Messeleitung hätten ergeben, daß die CeBIT durchaus auch eine Veranstaltung der Innovationen sei.Immerhin 38 Prozent der Aussteller hätten echte Neuheiten präsentiert.Nur neun Prozent der Anbieter sagten demnach, sie zeigten lediglich ihr Standardrepertoire und keine Novitäten.

Die Messeveranstalter befragten die Besucher auch nach ihrer Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. 71 Prozent der Aussteller sehen danach mit Optimismus in die Zukunft - vor einem Jahr waren es zwei Drittel.Hohe Erwartungen werden an den deutschen Markt gestellt.Er sei für die IT-Branche noch vor dem gesamteuropäischen und dem asiatischen der mit Abstand interessanteste.