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19.01.1979 - 

Anwenderbericht des Versicherungsunternehmens ÖVA:

Vorschußlorbeeren für das Reiseterminal

MANNHEIM (bi) - Premiere in Deutschland: Die ÖVA "Öffentliche Versicherungsanstalt der Badischen Sparkassen in Baden", setzt als erste Versicherung der Welt das neue Reiseterminal mit Bubble-Memory von Texas Instruments in großem Stil ein. Amerikanische Anwender, wie Coca-Cola, das Versandhaus Sears, die Zeitung Houston Chronicle oder das Gegenstück zur Fleurop, Florafax, haben TI-Reiseterminals - technisch als ASR-Drucker mit Akkustikkoppler und Massenspeicher anzusprechen - zwar jeweils zu 500 oder mehr Exemplaren in Betrieb, aber bislang war noch keine Versicherung dabei. Gerade in dieser Branche leuchten die Rationalisierungsmöglichkeiten jedoch "auf Anhieb" ein. Generaldirektor Dr. Tröbliger, der es sich nicht nehmen ließ, die Neu-Organisation selbst der Presse vorzustellen, bezeichnet sie als "Schritt in die Zukunft" und sieht seinen Außendienst damit "Raum und Zeit überwinden".

Angeschafft hat die ÖVA gleich 200 der neuen, mit 20 bis 80 KB Bubble-Memory und internen, das heißt computer- und leitungsunabhängigen Editing-, Datei- und Formularprogrammen ausgerüsteten Vor-Ort-Terminals, deren Eigenintelligenz von Mikroprozessoren produziert wird.

Jeder hauptamtliche Vertreter bekommt eines. Der mit FTZ-Nummer versehene Akkustikkoppler ersetzt das teuere Modem. Wolfgang Jahn, Product Marketing Manager für Terminals in Freising, gibt "rund 6500 Mark pro Stück bei mittleren Abnahmemengen und 8000 für das Einzelstück" an. Bei 100 Mark, die man monatlich am Modem spart, amortisieren sich die Geräte entsprechend schnell. Einen allerdings noch wichtigeren Rationalisierungsaspekt sieht Generaldirektor Tröbliger in der Tatsache, daß sein Außendienst jetzt "die Zahl der Besuche, die er bislang bewältigt hat, ganz wesentlich steigern kann - und seine Abschlüsse entsprechend auch". Denn die 7 kg schwere "Reiseschreibmaschine" nimmt der Außendienstmann mit zum Kunden.

Hostdaten - im Wohnzimmer präsent

Jede individuelle Teilinformation ist dann über das Kundentelefon von 7 Uhr morgens bis nachts um 24 Uhr verfügbar. Rückkaufwert und Dividenden bestehender Verträge, Prämien berechnet auf alle individuellen Daten wie Eintrittsalter, Laufzeit, Anpassung etc., oder umgekehrt Versicherungssumme bei gegebener Monatsprämie stehen bei Verhandlungen über Lebensversicherungsabschlüsse zur Verfügung. Die Beispiele ließen sich lange fortfahren Alles, was die Dateien des Zentralrechners für Abfragen von außen bereithalten, ist auch im Wohnzimmer des Kunden präsent. Am Ende gibt das Terminal noch dazu die vertelefonierten Einheiten an - damit der Vertreter nichts schuldig zu bleiben braucht. Die Telefonkosten für das Unternehmen werden, so viel weisen die Versuche schon aus, sinken: Anrufe und mündlicher Dialog mit den Sachbearbeiterkollegen dauerten länger und waren auch nur zur Dienstzeit möglich, wenn die Gebühren hoch sind. Während die meistens mehrfachen Terminalanfragen im Laufe eines Kundengesprächs einschließlich Ausdruck des kompletten Textes zum Dalassen (30 Zeichen pro Sekunde, fast lautloser Thermodruck) laut ÖVA im Schnitt 6 bis 7 Minuten dauern, kam man im mündlichen Gespräch auf 12 bis 15 Minuten.

Computerreifes Kundengespräch

Laut Dr. Tröbliger werden Korrespondenz und telefonischer Verkehr zwischen Außen- und Innendienst wesentlich beschleunigt, aktualisiert und billiger gemacht. Die Datenerfassung für Neuverträge entfällt, weil der Vertreter alle Daten beim Kundengespräch direkt computerreif eingibt - vollständig zudem, denn Fehlanzeigen mahnt der Zentralcomputer an.

Wer schon einmal auf die Mitteilung des Rückkaufs- oder Beleihungswertes Tage oder seiner Lebensversicherung Kredit länger warten mußte, wenn der Kredit für den Ersatz des zuschanden gefahrenen Autos unter den Nägeln brannte, der wird den neuen Blitzservice auch als Kunde zu schätzen wissen. Denn natürlich kann der Außendienst auch Sofortauskunft geben, wenn der Kunde ihn im Büro anruft und den Computerausdruck zur Vorlage bei der Bank mit der nächsten Post abgehen lassen. Bewähren wird sich diese Methode, soviel steht schon fest, auch bei eiligen Deckungszusagen für Kaskoversicherungen bei Auslandsfahrten etc.

EDV-Leiter Direktor Steffan, der beim Diplom-Mathematiker Dr. Tröbliger mit EDV-Neuerungen, bei denen Soll und Haben stimmen, nach eigenem Bekunden immer offene Türen findet, schätzt den Aufwand für das Programmieren immerhin auf 1,5 bis 2 Jahre für zwei Mann: "Aber das lohnt sich, denn dann haben wir im Feld alles verfügbar, was sich nur irgendwie als nützlich für den Versicherungsnehmer und als verkaufsfördernd für uns erweisen kann."

Soll und Haben

An den Funktionen für das Terminal selbst gibt es übrigens gar nichts zu programmieren. Die verschiedenen Abruf-, Eingabe- und Formularestaltungsroutinen (Ausgabeformatierung und Eingabemasken) oder die Abrufroutinen für die im Bubble gespeicherten Daten sind in der Terminal-Firmware enthalten.

Für Datenschutz muß natürlich bei solch einer Arbeitsweise gesorgt wer Das TI-Terminal identifiziert sich zunächst selbst dem Computer gegenüber (Rückantwort-Speicher). Dann gibt der Vertreter seinen Namen ein. Er wird vom Zentralcomputer auf Berechtigung geprüft und die Anfrage ist dokumentiert. Schließlich muß er noch ein sogenanntes "Paß-Wort" eingeben, das, wie Dr. Tröbliger betont, "in unregelmäßigen Abständen" gewechselt wird. Dann erst ist der Computer zu Aussagen bereit - glücklicherweise dauert auch diese ganze Prozedur nur Sekunden.

Was Post-geplagte EDV-Anwender besonders interessiert, ist, wie sich der Gebühren-sparende Modem-Ersatz Ackustikkoppler hinsichtlich Datensicherheit macht. Steffan: "Wir hatten in der ganzen Testphase keine einzige gravierende Datenverstümmelung." Wer mit 300 Baud Übertragungsgeschwindigkeit auskommt, kann mit Ackustikkoppler sparen - und mit dem zukünftigen Zeittakt.