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05.11.1993

Vorschusslorbeeren von US-Anwendern Kabelstruktur ist das groesste Hindernis auf dem Weg zu ATM

ROSEMONT (IDG) - Amerikanische Netzwerkveteranen, die bisher mit der Angst lebten, dass die von ihnen favorisierte ATM-Technologie ebenso Schiffbruch erleide wie ISDN oder OSI, koennen aufatmen. Im Gegenteil: Immer mehr Anwender in den Staaten zeigen fuer das neue Uebertragungsverfahren - als paket- und vermittlungsorientiertes Netz - ein Interesse, das weit ueber die uebliche akademische Neugierde hinausgeht.

ATM ist im Brennpunkt des Anwenderinteresses - diese Auf-fassung vertrat eine Gruppe von DV-Verantwortlichen auf einer Konferenz der "Corporate Asso-ciation for Microcomputer Pro-fessionals" (Camp) im amerikanischen Rosemont. So berichteten dort Konferenzteilnehmer, dass sie bereits dabei seien, ATM-Appli- kationen zu entwickeln, waehrend die Hersteller und Carrier immer noch krampfhaft versuchen, sich auf einen Standard zu einigen, um endgueltig mit Diensten und Produkten auf den Markt zu kommen.

Die Anwender ihrerseits hatten dagegen auf einem die Konferenz begleitenden Forum bereits eine klare Vorstellung ueber die kuenftigen Einsatzbereiche von ATM als Hochgeschwindigkeits- Technologie im LAN-WAN-Bereich entwickelt - optimiert fuer die gleichzeitige Uebertragung von Daten, Video und Sprache.

Melissa Faun-Bull, Netzwerkplanerin an der Northwestern University in Evanston, Illinois, schwebt beispielsweise ein Hoch- geschwindigkeits-Netz vor, mit dem Studenten, die ausserhalb des Campus wohnen, "Live-Papers" mit eingebundenen Texten, Images sowie integrierten Videoverbindungen zu den Professoren online bearbeiten koennten. Um diese Dienste einzurichten, wird die Hochschule der IT-Expertin zufolge direkt auf ATM migrieren und auf Interimsloesungen wie Switched Ethernet verzichten.

Ueberhaupt stellt die bereits vorhandene Kabelstruktur fuer viele Anwender ein Hindernis auf dem Weg zu ATM dar, da die zellbasierte Uebertragungstechno-logie Glasfaserkabel als Uebertra-gungsmedium erfordert, waehrend in den meisten Corporate Networks noch Kupfer verlegt ist. Aehnlich wie Bill Wolfe, Netztechniker beim Chicago Board of Trade, rechnen viele Netz-Mana-ger damit, dass ATM zuerst im Backbone-Bereich Einzug haelt und vorhandene Kapazitaetseng-paesse loest. Zudem, so Wolf, "sind hier bereits Glasfaserkabel vorhanden, so dass dort am schnellsten mit einer Amortisation der Investitionen zu rechnen ist".

Offenheit und LAN-Ueber-gaenge sind die Knackpunkte

Auch wenn bereits einige Firmen wie Synoptics oder Fore Systems entsprechende Produkte fuer den Backbone-Bereich anbieten, hapert es nach Meinung der User immer noch an der Inter-operabilitaet der einzelnen Produkte untereinander sowie beim Uebergang zum LAN, wie Ken-neth Zoline, President des in Chicago ansaessigen Netzwerk- Consul-ting-Unternehmens Kenneth O. Zoline and Associates berichtet.

Trotz aller Technologie- und Zukunftsbegeisterung sieht mancher DV-Manager in ATM einfach nur eine Technik, die Bandbreiten billiger zur Verfuegung stellt. Entsprechend werden auch die bereits reisserisch angepriesenen interaktiven Dienste der Joint- ventures zwischen Kabel- und Telefongesellschaften die ATM- Technologie verwenden, um kostenguenstig die notwendige Uebertragungskapazitaet bereitzustellen, gewertet.

Damit unterscheide sich die derzeitige ATM-Diskussion, so ein Resuemee der Kongressteilnehmer, bereits deutlich von der Geschichte von ISDN, FDDI und OSI. Hatte es bei ISDN zumin-dest in den USA Jahre gedauert, bis erste Applikationen den Investitionsaufwand rechtfertigten und Killerapplikationen wie Telecommuter oder remote User erst jetzt in Sicht sind, wissen die ATM-Anwender in spe bereits heute, fuer welche Dienste sie das kuenftige Bandbreitenspektrum benoetigen. Auch OSI, so Skeptiker, wird laenger brauchen wie erwartet, um einen Level zu erreichen, der fuer viele Unternehmen als Netzstandard von Nutzen ist. FDDI hingegen hat, so die Meinung der Konferenzteilnehmer, aufgrund des langwierigen Stan-dardisierungsprozesses und nach wie vor hoher Installationskosten bereits viel an Kredit verspielt.

ATM dagegen, so hoffen die Anwender, wird die Klippen der Standardisierung mit Hilfe der im ATM-Forum vereinten Pres-sure Group aus Usern und Herstellern unbeschadet umschiffen. So hatte das Forum im Vorfeld der Debatte um die Standards eigene Entwuerfe unter Dach und Fach gebracht und schliesslich dem unter der Schutzherrschaft der CCITT agierenden T1/S1-Gremium unterbreitet.

Eine Vorgehensweise uebrigens, aus der die Kongressteilnehmer ihr Zutrauen ableiteten, dass die Networking-Gemeinschaft endlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und mit ATM nun ein Netzkonzept entwickelt, das den Anspruechen der User gerecht wird.