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16.06.1978 - 

Anwenderbericht Stadtwerke Gießen:

Vorstellungen von "Online" revidiert

GIESSEN - Bereits seit Mitte der 50er Jahre arbeiten die Stadtwerke Gießen mit EDV. Damals waren sie - neben den dort stationierten amerikanischen Einheiten - weit und breit die ersten in diesem Raum, die einen Computer hatten. Der heute 530 Mitarbeiter beschäftigende Eigenbetrieb der Stadt Gießen entschloß sich 1972, die seit Anfang 1969 eingesetzte IBM 360/20 gegen eine HCR Century 100 mit 32 KB auszutauschen. 1974 folgte das größere System 200. Heute rechnet die hauseigene EDV-Abteilung alle Bereiche, die Energieversorgung beanspruchen, sowie die stadtwerksinternen EDV-Anwendungen über das Nachfolge-Modell Century 251 mit 256 K ab.

Insgesamt werden von den Stadtwerken Gießen heute 140 000 Einwohner mit Strom, 70 000 mit Gas und 80 000 mit Wasser versorgt. Als Basis für die EDV halten über 85 000 Zähler in der Stadt Gießen und den umliegenden 48 Gemeinden fest, was an Energie und Wasser verbraucht wird. RZ-Leiter Ernst Jahn: "Die Programme für die Verbrauchsabrechnung haben wir zusammen mit NCR-Mitarbeitern geschrieben. Der Rechner liest heute ohne Schwierigkeiten den Stand jedes Zählers, überwacht die Zählerbewegungen und meldet Störungen. Einmal im Jahr erhalten die Kleinverbraucher eine aufgeschlüsselte Endabrechnung unter Berücksichtigung der monatlich eingezogenen Pauschalbeträge."

400 Programme selber geschrieben

Allein für die hausinternen Anwendungen wurden von Jahns Mitarbeitern über 400 Programme selbst geschrieben. Neben der Gehaltsabrechnung und Auszahlung von Betriebsrenten wird auch das gesamte Materialwesen der Stadtwerke über EDV

abgewickelt. Da 6000 unterschiedliche Posten gelagert werden, fallen monatlich mindestens ebenso viele Bewegungen an. Der SWG-eigene Fuhrpark wird ebenfalls "EDV-gesteuert". Die Kfz-Werkstatt der Stadtwerke betreut 44 Omnibusse der Verkehrsbetriebe sowie rund je 30 Pkw und Lkw. Um den Benzin- und Ölverbrauch zu erfassen, wird der Verbrauch bereits an der Zapfsäule über eine fahrzeugeigene Scheckkarte erfaßt. Fahrzeugnummer und getankte Menge plus Datum werden so registriert und später zur Abrechnung über Lochkarte in den Rechner eingegeben. Das Ziel, diese Daten als Basis für ein automatisches Wartungsinformationssystem zu verwendenden, hat Jahn nach kurzer Zeit wieder aufgegeben: "Um einigermaßen brauchbare Daten zu erhalten, muß so ein Programmieraufwand investiert werden, der letztlich in keinem Verhältnis zum Wert der Informationen steht. " Vor kurzem wurde das erste Standard-Software-Paket von NCR eingesetzt: Die Online-Finanzbuchhaltung. Geplant ist jetzt auch die Umstellung der Betriebsabrechnung. Von den insgesamt vier Multiprogramming-Partitions verbleiben dann nur noch zwei im Batch-Betrieb.

Es ist nicht alles "Standard", was so bezeichnet wird

Dazu Jahn: "Unsere heutige Hardware gibt uns viele Möglichkeiten, die wir nutzen wollen. Dadurch bleibt uns jedoch keine Zeit mehr, Software selbst zu schreiben, da ja auch die Pflege der vorhandenen Programme Zeit kostet." Das EDV-Personal - zwei Programmierer, ein Arbeitsvorbereiter und ein Operator - ist trotz des schnellen Wachstums der EDV-Anwendungen bei den Stadtwerken nicht erweitert worden. Hauptaufgabe des Programmier-Teams wird künftig sein, die Standard-Programme zu individualisieren, da durch den Online-Betrieb mehr denn je auf die Wünsche der Fachabteilungen eingegangen werden muß. Die Implementierung des ersten Standard-Paketes für die Finanzbuchhaltung hat Jahn zudem gezeigt, daß "nicht alles Standard ist, was als Standard bezeichnet wird": "Wir mußten hierbei einen enormen Lernprozeß durchmachen und unsere Vorstellungen von einer Online-Verarbeitung grundlegend revidieren." Er glaubt aber, daß ihm diese Erfahrungen beim Einsatz des zweiten Online-Paketes für die Betriebsabrechnung sehr zugute kommen. Selbstentwickelt werden künftig Programme für technische Aufgaben wie Netzberechnungen, Prozeßsteuerung und Trafodateien.