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06.10.1989 - 

PCM-Anwender warten mit dem Betriebssystem- Wechsel

Vorteile des ESA-Einstiegs sind noch nicht klar erkennbar

MÜNCHEN (CW) - "Die anfängliche ESA-Euphorie der Anwender hat sich inzwischen gelegt", so Alfred Simmet, Leiter für Marketing und Vertriebsunterstützung bei National Advanced Systems (NAS), Frankfurt. Die Besitzer von steckerkompatiblen Mainframes warten noch mit dem Umstieg auf das MVS/ESA-Betriebssystem von IBM, bis die Vorteile klarer zu erkennen sind.

NAS stellte im Juli MVS/ESA für seine Großrechner vor, doch die Kunden wollen noch nicht zugreifen. Mit ersten Implementationen rechnet Simmet nicht vor Mitte des nächsten Jahres. Der Nutzen des Betriebssystems beschränke sich momentan auf minimale Performance-Erhöhungen und bessere Speicherverwaltung, daher schreckten viele Anwender noch vor dem erheblichen Aufwand eines Betriebssystemwechsels zurück.

NAS-Kunden haben mehr Spielraum

Auch unterscheide sich die PCM-Hardware in einem hier entscheidenden Punkt von IBM-3090-Großrechnern. Besitzer von NAS-Systemen hätten es nicht so nötig auf ESA umzusteigen wie IBM-3090-Kunden, da Mainframes von NAS und die baugleichen Comparex-Modelle Herstellerangaben zufolge über einen Hauptspeicher von bis zu 2 Gigabyte verfügen und damit die XA-Software voll ausnutzen. Die 3090-Mainframes besitzen dagegen nur 512 Megabyte Zentralspeicher, daher sei auf diesem Großrechner der durch ESA verbesserte Zugriff auf den Erweiterungsspeicher wichtiger.

PCM-Marktführer Amdahl, bei dessen Mainframes der

Hauptspeicher ebenfalls auf 512 Megabyte begrenzt ist, hält das Argument "der Hitachi-Brüder" NAS und Comparex für nicht zugkräftig. Die Hauptspeichergröße wäre nicht so wichtig, da nur wenige Kunden solche Mengen Main-Storage benötigten, so das Unternehmen.

Doch auch bei Amdahl Deutschland stehen die Kunden nicht Schlange, obwohl ESA-Implementationen zum nächsten Quartal angeboten werden. Bei einem neuen Betriebssystem sei

es häufig klüger zu warten, bis es durch Pilotanwender den letzten Schliff erhalten habe. Im Moment gebe es auch noch kaum Software, die das neue Betriebsystem ausnutzen könne. "Es ist, als ob Reifen produziert werden, die mit 300 km/h fahren, obwohl der Wagen nur 150 km/h schafft", formuliert Hartmut Balke, Produktspezialist für Front-End-Prozessoren und CPUs bei Amdahl.

Günter Wolf, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Comparex, sieht ebenfalls keinen dringenden Bedarf für ESA: "Am Anfang war die Begeisterung groß, denn zeigt man einem Kind ein neues Spielzeug, dann will es das auch haben." Doch schon die Gewißheit, jederzeit umsteigen zu können, beruhigt auch solche Anwender. Die deutschen Kunden überlegten sich sehr genau, was ihnen nütze, so Wolf weiter, und "springen heute nicht mehr gedankenlos auf jeden Zug auf".

Auch die Kosten spielen eine Rolle. "ESA ist ein System der Zukunft, aber bis dahin werden die Preise sinken", meint Dick Goodspeed, Vice President of Information Services bei North American Van Lines Inc., Fort Wayne/Indiana.

"Wir warten, bis IBM etwas offener spielt", erklärt Jim Hall, General Manager für Computer-Services bei der Unocal Corp., Schaumburg/Illinois, seine abwartende Haltung.

Die Stadtverwaltung von Milwaukee würde hingegen gerne ihren NAS EX/30 auf ESA umstellen. Randy Gunther, Technical Services Manager der Kommune, beklagt sich jedoch, daß es keinen vernünftigen Weg gäbe, Schritt für Schritt vom alten VM/VSE-Betriebssystem zu ESA zu wechseln. "Wir versuchen uns seit 1960 vorwärts zu bewegen und wollen nicht noch einmal von vorne anfangen."

Die Marktforschungsinstitute Annex Research und Gartner Group Inc. behaupten, daß ESA unter Mainframe-Besitzern großen Anklang findet. Bis 1990 sollen 50 Prozent aller Großrechner unter ESA arbeiten. Doch obwohl Verkäufer und Analytiker gewaltigen Bedarf für das Betriebssystem verkünden, wartet doch mindestens die Hälfte der Anwender erst einmal ab.