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20.05.1994

Vorteile durch systematische Organisation ISO 9001 setzt sich langsam bei deutschen Softwaregroessen durch

MUENCHEN (CW) - Bis jetzt haben sich erst wenige deutsche Softwarehaeuser dazu durchgerungen, sich nach der ISO-9001-Norm zertifizieren zu lassen. Gerade in dieser Branche kann aber dieser Schritt zu besseren, umfassenderen Dokumentationen und zu einheitlichen Verfahren fuehren.

Von den 25 groessten deutschen Software- und Beratungshaeusern haben drei ein Zertifikat nach ISO 9001 erhalten, die Ikoss GmbH, die SAP AG und die Softlab GmbH. Dies ist eines der Ergebnisse aus der Studie, die Jan Koprowski und Dirk Stelzer am Lehrstuhl fuer Wirtschaftsinformatik von Professor Werner Mellis an der Universitaet in Koeln durchgefuehrt haben. Als Grundlage zur Auswahl der befragten Unternehmen diente die Liste des Redaktionsbueros Luenendonk, die jaehrlich die 25 umsatzstaerksten Software- und Beratungshaeuser in Deutschland auffuehrt.

Das Verhaeltnis zwischen den zertifizierten Softwarehaeusern und denen, die sich noch nicht fuer die ISO-Norm entschieden haben, koennte sich allerdings bald umkehren. Denn nach der Koelner Untersuchung befinden sich von den befragten Software-Unternehmen weitere sechs im Zertifizierungsprozess. Zu ihnen gehoert beispielsweise die Cap debis Software und Systeme GmbH, bei der die Abnahme der ISO-Norm in zwei Geschaeftsbereichen schon abgeschlossen ist und die Erteilung des Zertifikats in kurzer Zeit erfolgen soll. Acht der Software- und Beratungshaeuser planen eine Zertifizierung oder haben schon konkrete Vorbereitungen dazu getroffen. Acht Unternehmen interessieren sich nicht fuer die ISO 9001.

Ein Grund fuer die bisherige Zurueckhaltung gegenueber der ISO- Zertifizierung ist die Hoehe der anfallenden Kosten. So entstehen laut Stelzer fuer die Vorarbeiten wie die organisatorische Umstrukturierung, die hierfuer erforderliche Freistellung von Mitarbeitern und die Dokumentation durchschnittlich Kosten in Hoehe von einer halben Million Mark. Die Kosten fuer die reine Zertifizierung seien mit 20 000 bis 40 000 Mark zu veranschlagen.

Organisationsanalyse bringt Vorteile

Warum aber investieren Unternehmen so hohe Summen fuer ein ISO- Zertifikat? Den Verfassern der Studie zufolge sind die werblichen Effekte nur nebensaechlich. Zwar lege ein Teil der Kunden bei der Partnerauswahl Wert auf die Zertifizierung, doch seien hiermit die hohen Kosten nicht zu rechtfertigen. "Mit ISO 9001 zu werben ist nur ein nettes Add-on", meint hierzu Stelzer.

Die Vorteile ergeben sich seiner Erfahrung nach in erster Linie aus der Organisationsanalyse, die die Unternehmen im Vorfeld der ISO-Aktivitaeten durchfuehren. Dies mache vor allem bei Betrieben Sinn, "die sehr schnell gewachsen sind und in denen demzufolge eine Art organisatorischer Wildwuchs herrscht". Das treffe sicher auf manche der Softwarehaeuser zu, die in den letzten Jahren auf sehr beachtliche Wachstumsraten zurueckblicken koennen.

Bei den internen Vorbereitungen werde systematisch untersucht, wie sich die Softwarequalitaet garantieren laesst, welche Mitarbeiter ueber welche Teilbereiche kommunizieren muessen, wer wessen Dokumente zu pruefen hat und welche Verfahrensweisen festgeschrieben werden. Dadurch werde die Software-Entwicklung transparenter, was auch Einsparpotentiale besser sichtbar mache. Vorteile ergeben sich laut Stelzer auch fuer die Zusammenarbeit mit den Auftraggebern.

"Die Entwicklungsprozesse und die entsprechende Abrechnung lassen sich durch die genaue Dokumentation besser nachvollziehen." Eigentlich hatten sich die drei Softwarehersteller, die die ISO- Einfuehrung bereits vollzogen haben, davon einen Rueckgang der Fehlerhaeufigkeit erhofft. Da sie aber das ISO-Zertifikat erst im letzten Jahr erhalten haben, koennen sie dazu noch keine genauen Angaben machen.

Erstaunlich ist, dass sich der Kostenaufwand fuer die ISO- Zertifizierung fuer kleine und groessere Unternehmen kaum unterscheidet. Stelzer geht davon aus, dass groessere Betriebe bereits Massnahmen zur Qualitaetssicherung getroffen haben, die sie nur noch an die ISO-Normen anzupassen haben, waehrend kleinere Unternehmen ganz von vorne anfangen muessen.