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29.03.1996

Voruebergehende Verwirrung

Christoph Witte

Grosse Veraenderungen stiften zunaechst Verwirrung. Je einschneidender die Eingriffe und je schneller sie aufeinander folgen, desto chaotischer gestalten sich die Uebergangsphasen. Da in der Informationsverarbeitung bereits blosse Software-Release- Wechsel zu mannigfaltigen Problemen fuehren, erzeugt ein tiefergehender Wandel, wie er sich zur Zeit ankuendigt, erhebliche Unsicherheit.

Dabei ist es gleichgueltig, wie die neue Vorstellung von IT bezeichnet wird, ob als "Network Centric Computing" (IBM), mit dem Leitsatz "The Network is the Computer" (Sun) oder schlicht als Internet-Computing (kein Urheber). Verschiedene Phaenomene - wir reden hier ueber professionellen IT-Einsatz in Unternehmen - fuehren zu einem Paradigmenwechsel in der IT-Welt. So setzt mit den jetzt propagierten Components, Objects, Applets und Internet- Programmiersprachen der Abgesang auf multifunktionale Softwarepakete e la SAP und Microsoft ein. Und anders als beispielsweise bei der Einfuehrung des PCs oder der Geburtsstunde von Client-Server soll sich damit nicht nur der technologische Aspekt der Unternehmens-DV, sondern die komplette "Beziehung" eines Unternehmens zur Informationsverarbeitung veraendern.

Da gezielter auf Informationen zugegriffen und so Software- Overhead abgebaut werden kann, laesst sich moeglicherweise die IT- Wachstumsspirale verlangsamen. Ausserdem - und hier liegt der eigentliche Wandel - entsteht durch die extreme Zunahme der Kommunikation eine neue Qualitaet von Informationen.

Der Arbeitsplatzrechner ist dann nicht mehr als PC oder Terminal zu verstehen, sondern als Kommunikationskonsole mit eingebauter Erinnerungs- und Analysefaehigkeit. Dabei ist gleichgueltig, wo die Erinnerungen entstehen, wo sie gespeichert und von wem sie analysiert und weiterverarbeitet werden. Zuallererst muss das IT- Equipment neuer Praegung universellen Zugriff auf Daten und daraus entstehende Informationen bieten. Und dafuer sind weltumspannende Netze, intelligente Suchmaschinen sowie Speichermechanismen notwendig.

Spinnerei? Bis zu einem gewissen Grad sicher. Aber die heutige Verwirrung in der IT-Szene resultiert nicht aus dem von Anbietern propagierten Paradigmenwechsel, sondern vor allem aus den noch fehlenden technischen Mitteln, die ihn fuer Anwender nachvollziehbar machen wuerden. Angesichts dieser Luecken und aufgrund frueherer Erfahrungen fragen sich Nutzer generell, ob die im Vergleich zu Intel und Microsoft machtlos erscheinenden Hersteller nicht einfach ein neues Marketing-Schlachtfeld suchen, auf dem sie gewinnen koennen.

Noch sind die Versprechen des Internet-Computing nicht eingeloest. Doch die Ideen sind da. Wenn entsprechende Produkte zur Verfuegung stehen, koennen sie Unternehmen helfen, mit der Eskalation des Wandels in allen wirtschaftlichen Bereichen besser fertig zu werden. Bei der Wahl der Mittel sollte allerdings nicht vergessen werden, dass sich der eigentliche Zweck von IT nicht veraendert hat: Es geht nach wie vor um die optimale Unterstuetzung beim Erreichen der Unternehmensziele.