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28.08.1981 - 

Institut der deutschen Wirtschaft diagnostiziert Einstellungswandel der Bevölkerung:

Vorurteil weicht kritischer Technikakzeptanz

KÖLN/MÜNCHEN/BERLIN (nw) - Auf dem besten Weg zu einer "informationsintensiven Wirtschaft" befindet sich nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, die Wirtschaft der Bundesrepublik. Offensichtlich hat sich nun auch die Bevölkerung darauf eingestellt. Die Mehrheit bejaht Infratest-Marktforschern zufolge zwar Technik und technischen Fortschritt, doch befürchtet knapp die Hälfte, daß Mikroelektronik unterm Strich Arbeitsplätze vernichtet.

In ihrer Mikroelektronik-Studie betonen die Kölner Wirtschaftsforscher, daß der Einsatz modernster Technik und insbesondere die Mikroelektronik zunehmend unumgänglich wird. Die Mikroelektronik bietet die Chance, Arbeitsvorgänge zu dezentralisieren. Nach Ansicht des Kölner Instituts führe dies nicht zu einer Polarisierung der Anforderungen an viele wenig Qualifizierte und wenige Spitzenqualifizierte. Vielmehr würden die Leistungsansprüche an Arbeiter und Angestellte gleichermaßen ansteigen.

Von den knapp 27 Millionen Erwerbstätigen in der Bundesrepublik hätten 1980 rund zehn Millionen in Berufen gearbeitet, in denen Informationen auszuwerten waren. Während im Durchschnitt aller Erwerbstätigen damit rund 38 Prozent mit Informationstätigkeiten beschäftigt waren, liegen der Studie zufolge die Quoten in Kreditinstituten und im Versicherungsgewerbe beispielsweise mit rund 85 Prozent wesentlich höher. Aber auch im Handel (71 Prozent) komme man ohne intensiven Umgang mit Informationen offensichtlich kaum noch aus.

Auf rund 2000 Universalrechner der Mittelklasse und Großrechner pro eine Million Erwerbstätige schätzen die Kölner Statistiker die Zahl der installierten Anlagen (Computerdichte) im Jahr 1980. Seit 1969 habe sich damit die Computerdichte verzehnfacht: Damals habe sie noch 189 betragen (1974: 612, 1999: 1604). Bemerkenswert ist nach Ansicht des Instituts auch das Wachstum des Marktes für integrierte Schaltung: Lag der Welt-Produktionswert im Jahre 1980 schon bei 20,6 Milliarde Mark, so prognostizieren die Kölner Forscher für 1982 bereits eine Produktion von integrierten Schaltungen im Wert von 31,5 Milliarde Mark.

Damit würde sich in diesem Marktbereich ein Wachstum von rund 53 Prozent ergeben, wobei die Expansion wegen der drastischen Verbilligung ausschließlich auf einen erhöhten Mengenabsatz zurückzuführen sei. An der Weltproduktion seien momentan die USA mit 74 Prozent, Japan mit 15 und Westeuropa nur zu fünf Prozent beteiligt.

Insgesamt wird das Vordringen der Mikroelektronik jedoch von einer gewissen Skepsis begleitet: Sahen laut IW 1966 noch 72 Prozent der Bevölkerung in der Technik "eher einen Segen", so sind es mittlerweile nur noch 34 Prozent. 48 Prozent der Befragten glaubten zudem, daß in den nächsten Jahren die Mikroelektronik viele Arbeitsplätze ersetzen werde. Dennoch schließt das Kölner Institut daraus nicht auf eine allgemeine Technikfeindlichkeit.

Schützenhilfe erhalten die Kölner Forscher hier durch eine Repräsentativ-Umfrage, die das Münchner Markt- und Meinungsforschungs-Institut Infratest im Auftrag von Siemens durchgeführt hat. Danach ist Technik-Skepsis besonders stark ausgeprägt bei denjenigen, die ihrer eigenen Einschätzung nach wenig oder nichts von Technik verstehen. Technik-Ängste beruhten nicht so sehr auf konkreten Erfahrungen, sondern auf Meinungen, die weitgehend auf Unkenntnis basierten.

Im Vergleich zu anderen Industriezweigen werde die Elektroindustrie insgesamt günstig beurteilt. Datentechnik und Mikroelektronik dagegen stießen auf Vorbehalte: Von beiden befürchte man Arbeitslosigkeit und Datenmißbrauch. Mehr als 70 Prozent glaubten aber auch, daß diese neuen Technologien die Arbeit vereinfachen und zur Sicherung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit notwendig seien.

Bei den Marktauswirkungen für Produkte mit Mikroelektronik-Komponenten führen daher auch, einer Untersuchung des Instituts für Markt

und Verbrauchsforschung der Freien Universität Berlin zufolge, zwei Drittel der Befragten zuerst den technischen Vorsprung vor den Mitbewerbern an. Vorteile für den Anwender seien, wie die Süddeutsche Zeitung weiter berichtet, vor allem die Möglichkeit, integrierte Systeme verwirklichen und rationalisieren zu können.

Diejenigen Betriebe, die Mikroelektronik bereits in der eigenen Fertigung einsetzten, seien besonders Großunternehmen und Gesellschaften mit einem überdurchschnittlichen Exportanteil. Als größten Vorteil der Mikroelektronik werten laut der Münchner Zeitung dabei 75 Prozent der befragten Marketing-Leiter verschiedener Investitionsgüter-Branchen die verbesserten Produkteigenschaften. Danach folgten die bessere Anwendung beim Abnehmer (61 Prozent), Kostensenkung in der Produktion (25 Prozent) sowie Erleichterung des Service- und Ersatzteildienstes (26 Prozent). Unter den Nachteilen ihrer Nutzung rangiere der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern (58 Prozent) vor dem hohen Aufwand für Entwicklung und Konstruktion - (53 Prozent). Die Höhe der Umstellungskosten in der Fertigung scheine eine relativ geringe Rolle (21 Prozent) zu spielen.