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20.12.1991 - 

AS400 doch als strategische Plattform vorgesehen?

Vorwurf an SAP: R/3-Politik blockiert den Softwaremarkt

MÜNCHEN (hv) - SAP-Anwender vertrauen ihrem Lieferanten. Die neue R/3-Software, so ergab eine Befragung, planen die meisten Großkunden der Walldorfer modulweise einzuführen - und zwar parallel zu den bestehenden R/2-Modulen. Daß dazu neue Hardware nötig sein wird, ist bekannt und verdrießt die Anwender wenig. Unruhe verursacht dagegen die eher nebulöse AS/400-Strategie.

Wird die R/3-Software auf der proprietären AS/400-Plattform von IBM laufen? Vorstandsmitglied Hasso Plattner hatte in einem Vortrag in Berlin keinen Zweifel daran gelassen, daß die Software für grafische Bildschirme in einer offenen Systemumgebung konzipiert sei - die AS/400 werde sich als Plattform "schwertun" (siehe CW Nr. 49 vom 6. Dezember 1991, Seite 1: "SAP: R/3 als Migrationspfad für R/2-Anwender eine Utopie"). Allerdings werde SAP eine R/3-Version für die AS/400 anbieten, sobald IBM eine leistungsfähigere und "offenere" Version des Midrange-Rechners auf den Markt gebracht habe.

Anwender, vor allem aber Softwarehäuser, die ebenfalls für den IBM-Midrange-Markt anbieten, sind empört. Der Grund: Mittelständische Kunden aus dem AS/400-Umfeld entscheiden sich gegenwärtig für Produkte der von SAP akquirierten Softwarehäuser Steeb und CAS, weil ihnen die Migration auf die moderne SAP-Software R/3 versprochen wurde. Die eher durchschnittliche Steeb-CAS-Software wird durch die Aussicht auf eine SAP-R/3-Zukunft geadelt", ärgert sich Hannes Merten, Geschäftsführer der Münchner SoftM GmbH.

Der Softwarehaus-Chef vergleicht das Vorgehen der Walldorfer mit Praktiken, die man sonst nur von der IBM kenne: "Mit einer Ankündigung wird der Markt blockiert, und von Jahr zu Jahr werden dann die Termine verschoben." Weil die SAP AG mit der gegenwärtig existierenden AS/400-Maschine nicht zurechtkomme, werde nun der IBM der Schwarze Peter zugeschoben, die erst eine leistungsfähigere Maschine anbieten müsse. "SAP kann gerne sagen, daß die AS/400 keine Zukunft hat.

"Dann aber soll bitte die Ankündigung offiziell zurückgezogen werden, damit der Markt nicht länger blockiert ist", ereifert sich Merten.

Eher gelassen gibt sich dagegen Anwender Lothar von Trepka, zuständig für die Entwicklung von Informations- und Produktionssystemen bei der Leverkusener Bayer AG. Daß die R/3-Software nicht auf der heute verfügbaren AS/400 laufen. Tonne, sei nicht neu. "Da kursiert seit einiger Zeit ein Briefchen von Herrn Plattner, in dem zwar verklausuliert, aber doch sehr deutlich zu lesen ist, daß P/3 auf dem heutigen AS/400-System nicht zum Laufen kommt." Gemeinsam mit der SAP AG wartet also auch Bayer auf die neue AS/400-Generation.

"Die AS/400 bleibt eine strategische Plattform für R/3", beeilt sich dagegen SAP-Marketier Paul Wahl zu betonen. Für die AS/400-Softwarekunden von Steeb und CAS werde es eine Migrationsstrategie geben. Dabei plane SAP, die Datenstruktur der Steeb-CAS-Software in die neue R/3-Datenstruktur umzusetzen. Auf die Frage, wann SAP mit der AS/400-Software auf den Markt komme, antwortet Wahl diplomatisch: "Wir denken, daß solche Aktivitäten Ende 1993, Anfang 1994 stattfinden werden." Die SAP sei darüber informiert, wann IBM mit ihrer neuen AS/400-Generation herauskomme: "Wir sind aber nicht autorisiert, darüber zu sprechen."

Auch Anwendern der R/2 Großrechnersoftware stellt Wahl einen "sanften Übergang" auf die neue R/3-Software in Aussicht. Diese Bestätigung warnötig geworden, nachdem Vorstandsmitglied Hasso Plattner auf der Berliner Workstation-Konferenz sichtlich darauf aus gewesen war, seine Großrechner-orientierten Kunden auf eine neue DV-Zukunft einzustimmen. Die derzeit entwickelte R/3-Software sei mit dem Vorgängersystem R/2 vom Aufbau her in keiner Weise zu vergleichen, hatte der Vorstandssprecher betont.

Mit R/3 entwickele SAP eine in C geschriebene Software, die sich an Client-Server-Architekturen orientiere, mit einer grafischen Benutzeroberfläche ausgestattet sei und grundsätzlich andere Hardwarevoraussetzungen benötige als die derzeit gegebenen. Ein Bruch mit der /370-Architektur stehe unweigerlich bevor. Auch hier, so schwächt Wahl das Statement seines Brötchengebers ab, wird es Migrationsmöglichkeiten geben: R/2-Anwendungen sollen mit Hilfe von Werkzeugen auf R/3 abgebildet werden können.

Plattners Ankündigung kam für einige Konferenzteilnehmer überraschend. Als "Konzept für den Mittelstand" hatte Wolfgang Beitz, Berater bei der OR-Partner-Unternehmensberatung in Peine, das R/3-Engagement von SAP bislang betrachtet. Heute wisse er: "Das ist die Ablösung von R/2 generell. "SAP realisiere ein Konzept der verteilten Datenverarbeitung bei zentraler Datenhaltung. Um diese Pläne zu verwirklichen, müsse der Walldorfer Konzern mit leistungsstarken Mehrprozessor-Maschinen kalkulieren, die es heute noch gar nicht gebe. "Die Kanalübertragungs-Geschwindigkeiten müssen um den Faktor 1000 steigen, wenn das Konzept Oberhaupt funktionieren soll."

Bayer-Mitarbeiter von Trepka riskiert beim Gedanken an eine R/3-Einführung ebenfalls den Blick in die Glaskugel: "Wenn wir heute auf einem IBM-Host R/2 fahren, dann kann man noch lange nicht davon ausgehen, daß diese Landschaft in fünf Jahren noch genauso aussieht." Die Hardwareszene werde sich in nächster Zeit grundlegend verändern. Ihm sei klar, daß die nach und nach verfügbaren R/3-Module eine gewisse Zeit parallel zur installierten R/2-Umgebung gefahren werden müßten.

"Wir haben noch kein Ablösekonzept", so von Trepka zur bevorstehenden Einführung der neuen SAP-Software, "R/3 liegt ja noch in weiter Ferne. Wir haben aber ein Einführungskonzept für neue R/3-Module". Der Bayer-Mitarbeiter geht fest davon aus, daß ihn die Walldorfer SAP AG beim Umstieg von R/2 auf R/3 nicht im Stich lassen wird.

"Das Gespenst einer völligen Umstellung"

Das Unix-Workstation-Engagement der Walldorfer sieht Rüdiger Stegen, DV/Org.-Leiter bei der Braunschweigischen Kohlenbergwerke AG in Helmstedt, zunächst als Mittelstandsstrategie der SAP. Ab 1994/95 werde R/3 dann im Rahmen einer Client-Server-Architektur auch auf den proprietären IBM-Systemen MVS und VSE, unterstützt von der Datenbank DB2, laufen.

Die Stellungnahme Stegens zeigt, daß sich auch kompromißlose IBM-Kunden in der R/3-Politik der SAP AG wiederfinden können, sofern die Wahl-Versprechungen eingehalten werden. Eine Client-Server-Umgebung mit OS/2-PCs und einer Server-Umgebung mit MVS, CICS und DB2 sei durchaus vorstellbar, so der Anwender. Bis sein Unternehmen die neue Architektur einfuhren könne, würden auch hier parallel zu den existierenden R/2-Modulen die neuen R/3-Bestandteile eingeführt. Mittels Programm-zu-Programm-Kommunikation sei eine Integration möglich, die dem Anwender eine transparente Nutzung der neuen Module gestatte.

Daß die Anwender den Software-Generationswechsel der SAP mitvollziehen werden ist wahrscheinlich. Dazu Unternehmensberater Beitz: "Man kann über SAP sagen, was man will der Markt bietet keine Alternative zu der integrierten Software." Derzeit beschäftige sich noch niemand so recht mit dem Umstieg von R/2 auf R/3: "Das Gespenst einer völligen Umstellung - darüber zerbricht sich niemand den Kopf."