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26.06.1987

VTAM bleibt VTAM

Daß der Mainframe-Monopolist IBM das Ziel hat, auch den Markt der verteilten Systeme zu beherrschen, braucht man nicht zu betonen. So ist es müßig, darüber zu streiten, ob IBMs Commitment für OSI auf Halbherzigkeit beruht oder lediglich dazu dienen soll, die Workstation-Anbieter (DEC & Co.) zu verunsichern.

Welchen Vorteil könnte Big Blue haben, SNA kompatibel zu OSI zu machen? So stellt sich die Frage nicht mehr. Angesichts des Connectivity-Gebots, das die Unterstützung vieler Anwender-Organisationen findet, wäre es ein Marktnachteil für die IBM, im Netzwerkbereich nicht OSI-kompatibel zu sein.

Falsch ist, daraus zuschließen, der Alleinstellungsanspruch von SNA werde aufgegeben. Mother Blue verhält sich nach innen - gegenüber ihren Großkunden - und nach außen dem Wettbewerb gegenüber - einfach flexibler als früher. Stichworte zur neuen Strategie: Integration und Vereinheitlichung auf Anwendungsebene (SAA!).

Wer indes meint, die ganze Diskussion um den "bösen Monopolisten IBM" sei überholt, der sollte bedenken, daß die ISO (International Standards Organization) ein Ausschuß ist, dessen Normungsmühlen langsam mahlen. Daß die IBM selber in der ISO stark vertreten ist, sei nur am Rande erwähnt.

Ein Vorpreschen des Marktführers scheint freilich nicht so sehr wegen des Drucks der Anwender wahrscheinlich ("Wir wollen endlich Integrationstaten seh'n!"), sondern wegen der Struktur der Normungsgremien. Solange die IBM sich für einen besseren Standardsetter hält als die ISO, so lange steht Marketing-Krieg ins Haus, Kampf bis aufs Messer - um De-facto-Standards und den Installationspark bei Large Accounts.

War nicht Anfang der siebziger Jahre die HDLC-prozedur als Norm schon verabschiedet; als Big Blue das Eigengewächs SDLC brachte? Ist VTAM akzeptiert worden, weil es das beste aller Betriebssysteme für Rechnernetze war? Die "Virtual Telecommunications Access Method" bleibt die Basis für das "neue", entbündelte SNA (Seite 1), das einen besseren Installations- und Benutzersupport bieten soll.

Man kann es auch so sehen: Die IBM strebt konsequent zurück in die siebziger Jahre, begründet dies mit dem vermeintlichen Wunsch der DV-Manager beim Anwender, die PCs und Workstations unter einen Hut zu bringen. Vielleicht noch wirkungsvoller als die SNA-Waffe erscheint die System-Anwendungs-Architektur SAA, deren Reichweite über die OSI-Zone der Hardware-Connectivity hinausgeht.

Welche Maschinen werden künftig in einer SAA-Umgebung lauffähig sein? Für Netzbetreiber ist dies - unter strategischen Gesichtspunkten - eine enorm wichtige Frage. Konkret: Wie sieht der künftige PC-Standard aus? Das neue System PS/2 mit dem Betriebssystem OS/2 ist nicht mehr offen. Gerade ihm aber soll im SAA-Konzept der IBM eine Schlüsselrolle zukommen. Der Markt wird verunsichert. Schwacher Trost: Wer sich nicht entscheidet, kann auch nichts falsch machen. Das OSI-Paradies mit einer braven IBM haben wir uns allerdings anders vorgestellt.