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Vorwärtsstrategie auch im Systemgeschäft:


27.07.1984 - 

VW nimmt Führung bei TA selbst in die Hand

NÜRNBERG (CW) - Der Stuhl des Vorstandsvorsitzenden bei der

Triumph-Adler AG ist neu besetzt: Dr. Peter Niedner schied aus dem Unternehmen nach der jüngsten Hauptversammlung aus. Seine Nachfolge tritt der 45jährige Wolfram Nadebusch an, zuletzt Managing Director der Volkswagen of Nigeria.

Die Trennung erfolgte "im gegenseitigen Einvernehmen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Schwerpunkte der künftigen Geschäftspolitik" zwischen Niedner und dem Mehrheitsaktionär Volkswagen AG, Wolfsburg, sagte Aufsichtsratsvorsitzender und VW-Vorstandsmitglied Horst Münzner.

In diesem Ereignis eskalierte das Verhältnis zwischen Niedner und Münzner, das von wachsenden Meinungsverschiedenheiten geprägt gewesen sein soll, wie Branchenkenner berichten. Den Inhalt der Differenzen konkret zu benennen, war und ist keiner der Beteiligten bereit. Die Gründe müssen jedoch handfestes Format aufweisen. Immerhin favorisierte Münzner 1981 Niedner für die TA-Führung. Nun nimmt er auch eine schwankende Führungskontinuität mit dem Weggang des Managers, dessen Vertrag noch bis 1987 läuft, in Kauf. Wie Münzner feststellte, solle aber "keine schmutzige Wäsche gewaschen" werden.

Die Gründe für die gespannte Lage sind zum einen sicher in dem Geschäftsverlauf der letzten Zeit zu suchen. Die TA-Gruppe war als einziges Unternehmen der Computerbranche von dem siebenwöchigen Arbeitskampf in der hessischen Metallindustrie betroffen. Der Verlust im Bereich Büromaschinen soll rund 100 Millionen betragen. Laut einer früheren Angabe von Münzner sei infolge dieser Entwicklung die Gesundung der VW-Tochter gefährdet. Ungünstig wirke sich außerdem die Verknappung und Verteuerung elektronischer Bauelemente und die hohen Anlaufkosten für eine neue Computergeneration in den USA aus. Weitere Verluste könne man für das Geschäftsjahr 1984 nicht ausschließen.

Der Beginn des Geschäftsjahres sei, wie Niedner dagegen betonte, erfolgreich gewesen, die Zuwachsrate habe 13 Prozent betragen. Er unterstrich, daß durch die Sanierungsmaßnahmen von VW (in Höhe von 600 Millionen Mark) eine gute Basis geschaffen worden sei, die Ertragskraft des Unternehmens für Büro- und Informationstechnik wiederherzustellen. Demgemäß habe er mit Engagement den Weg beschritten, die Zukunftssicherung zu betonen, ein hohes Innovationspotential zu schaffen, die Fertigung und das Materialwesen neu zu strukturieren sowie die Vertriebswege auszubauen.

In diesem Zusammenhang sind die Bemühungen Niedners zu sehen, Fuß in der DV-Branche zu fassen. Er beabsichtigte, bei dem unter Chapter 11 stehenden US-Computerhersteller Victor einzusteigen. Dies, wie ein geplantes Computerzentrum in Frankfurt, scheiterte jedoch an dem Veto der Wolfsburger. Es scheint, als ob sich Niedner mit den Anstrengungen, im verlustreichen Systemgeschäft alle Kräfte des Unternehmens zu konzentrieren und so langfristig einen Durchbruch - zu erreichen, nicht durchsetzen konnte.

So liegen wahrscheinlich die Differenzen zusätzlich in einem anderen Bereich, wie in der Computerbranche vermutet wird. Die "unterschiedlichen Auffassungen" über "die

Schwerpunkte der künftigen Geschäftspolitik" betreffen demnach die Führung des Unternehmens. Der Aktionärssprecher Wilhelm Erdmann, Büromaschinenhändler in Düsseldorf, wies während der Hauptversammlung auf den statischen Charakter der Autoindustrie gegenüber dem ständigen Wechsel in der Sparte Bürokommunikation hin und betonte, der Vorstand müsse bei Einführung neuer Produkte unterstützt werden.

Niedners Vorhaben, das Unternehmens umzustrukturieren, sei durch den "Behördenapparat" des Wolfsburgers Unternehmens behindert worden, vermuten zudem Branchenkenner und schließen auf Auseinandersetzungen im Vorstand des VW-Konzerns selbst.

Der Nachfolger Niedners, Wolfram Nadebusch, der 1965 bei den Kölner Fordwerken begann und dort zum Leiter für die Zukunftsplanung aufstieg, trat 1969 in den VW-Konzern ein. 1981 wurde er zum Bereichsleiter für Beteiligungen und Unternehmensplanung ernannt und führte ab Juni 1982 die nigerianische 40prozentige VW-Tochter erfolgreich bis zu dem aktuellen Wechsel.

Dieser Berufsweg, so Stimmen aus der Branche, prädestiniert Wolfram Nadebusch nicht unbedingt für den neuen Aufgabenbereich, in dem er das schlaffe Systemgeschäft zu forcieren und mit baldigen Erfolgen im In- und Ausland aufzuwarten habe. Niedners Vorarbeit bei dem in der Entwicklung befindlichen "System M" kommt ihm dabei zwar sicherlich zustatten. Es basiert auf Unix und soll die Bürocomputer von TA ablösen.

Die Vorzeichen stehen jedoch nicht günstig für Münzners Konzept den Systembereich zu straffen. Das Mehrplatzsystem Unix von AT&T erobert sich bereits über die italienische Olivetti einen Platz am europäischen Markt.