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12.12.2003 - 

Entwicklungspartnerschaft mit SAP

VW-Produktion organisiert Stücklisten neu

MÜNCHEN (qua) - Seit kurzem lässt die Volkswagen AG einen Teil ihrer Konstrukteure mit neu organisierten Stücklisten arbeiten. Sie sind das Ergebnis einer Entwicklungspartnerschaft mit der SAP AG und bilden, so Projektleiter Otto Joormann, den Nervenstrang der Automobilproduktion bei den betroffenen Fahrzeugmodellen.

Nein, es sei nicht mehr darum gegangen, die Daten konzernweit zu vereinheitlichen, beteuert Joormann; vielmehr hätten die - bereits einheitlich strukturierten, aber auf mehr als zehn Systeme verteilten - Stücklisten neu organisiert werden müssen. Eigenen Angaben zufolge produziert die Volkswagen-Gruppe 60 Modelle an 45 Standorten, wozu sie insgesamt etwa 1,5 Millionen Einzelteile verwendet. Das aus den 70er Jahren stammende Stücklistensystem konnte diese Variantenvielfalt und die damit einhergehende Komplexität kaum abbilden. Als es entworfen wurde, waren Entwicklungs- und Fertigungsmethoden, die auf der Wiederverwendung ganzer Baugruppen basieren (Stichwort: "Modulstrategie"), weitgehend unbekannt.

Transparente Konsequenzen

Das neue System organisiert die Teiledaten in Baumstruktur, so dass es nicht mehr notwendig ist, die Stückliste für jede Modellvariante komplett neu zu erstellen und getrennt zu verwalten. Die mit SAP entwickelte "Produktvariantenstruktur" (PVS) soll unter anderem die Wechselbeziehungen in den Fertigungsprozessen transparent machen und die Folgen von Produktänderungen aufzeigen; beispielsweise gilt es zu berücksichtigen, dass aus dem Einbau einer Klimaanlage die Notwendigkeit einer leistungsfähigeren Autobatterie folgt. Davon profitiere auch die Entwicklung neuer Modellvarianten, ergänzt Joormann. Allgemein gesprochen, lassen sich auf diese Weise Fehler vermeiden, die Dateneingabe und -suche beschleunigen, Bearbeitungszeiten verringern sowie Verbesserungspotenziale aufspüren.

Letztendlich hofft der Volkswagen-Konzern, mit dem neuen Stücklistensystem Zeit und Geld zu sparen. Wie viel genau, das will der Projektleiter genauso wenig verraten wie die Höhe der in das Projekt geflossenen Investitionen. Auf die Frage nach dem Return on Investment (RoI) schmunzelt er: "Es gibt einen."

Die Anfänge des "TI Synchro" (kurz für Technical Information - Synchronized) genannten Projekts reichen bis in die Mitte der 90er Jahre zurück. Doch erst nach einer mehrjährigen Konzeptionsphase traf der Wolfsburger Automobilkonzern die Produktentscheidung zugunsten der SAP. Der in Walldorf beheimatete Softwareriese beabsichtigte, eine auf die Bedürfnisse der Automobilfertigung abgestimmte Branchensoftware ("SAP Automotive") zu entwickeln, und suchte dafür das fachliche Know-how seiner Kunden. Aus dieser Notwendigkeit wurde zum Beispiel das "Secam"-Projekt mit Daimler-Chysler geboren (www.computerwoche.de/go/80106796). Die Entwicklungspartnerschaft mit VW, die sich auf den Aspekt des Product-Lifecycle-Management (PLM) konzentriert, ist mittlerweile knapp zweieinhalb Jahre alt.

Aus anderen Projekten gelernt

Die Ergebnisse des TI-Synchro-Projekts werden folglich in die Standardsoftware "SAP PLM" einfließen. Wie Joormann versichert, setzt VW jedoch eine auf die eigenen Ansprüche zugeschnittene Version der Software ein: "Im Gegensatz zum Finanzbereich, wo es gesetzliche Vorgaben gibt, lässt sich in produktionstechnischer Hinsicht nur schwer ein Standard definieren", erläutert der Projektleiter das Problem.

Auf die neue Stücklistenstruktur wird VW sukzessive umsteigen. "Hier haben wir aus anderen SAP-Projekten gelernt", sagt Joormann. Als richtig habe sich auch die Entscheidung erwiesen, die Einführung des Systems mit einem ganz bestimmten Entwicklungsprojekt zu verknüpfen: "Das erhöht den Leidensdruck." Den Anfang machen die Konstrukteure eines brandneuen Modells, über das VW aus Marketing-Gründen noch Stillschweigen bewahrt. Gleichzeitig bildet die überarbeitete Stücklistenstruktur aber auch das Rückgrat für die künftige Ausführung des Audi-Flaggschiffs "A8".

Direkter Zugriff auf Entwickler

Wenn er das Projekt heute noch einmal starten könnte, würde er die Konzeptionsphase verkürzen, räumt Joormann ein, und stattdessen mit der Rapid-Prototyping-Methode möglichst schnell vorzeigbare Ergebnisse präsentieren. Ansonsten sei er mit dem Verlauf des Projekts und der Kooperation mit der SAP zufrieden - zumal er ohne die Einmischung externer Berater direkten Zugriff auf die SAP-Entwickler habe.

In fünf bis acht Jahren hofft VW, die alte Stückliste endgültig abschalten zu können. Zudem will der Automobilkonzern das neue System mit seinen anderen SAP-Instanzen, namentlich für die Finanzen und die Logistik, vernetzen und es auf die frühen Phasen der Automobilentwicklung ausdehnen, also Schnittstellen zur CAD-Welt ("Catia" und "Pro-Engineer") schaffen. Außerdem liegt eine Entscheidung darüber an, auf welche Weise eigentlich die Zulieferer auf die überarbeiteten Daten zugreifen sollen. Bislang ist sie noch nicht gefallen. Laut Joormann haben jedoch bereits einige große Zulieferunternehmen Interesse an einer Entwicklungskooperation angemeldet.

Das Projekt

Ziel: Neuorganisation der Stücklisten im Hinblick auf moderne Fertigungsmethoden.

Unternehmen: Automobilhersteller mit 45 Standorten.

Herausforderung: Rund 1,5 Millionen Einzelteile aus mehr als zehn Systemen sind neu zu organisieren und zu verwalten.

Zeitrahmen: Konzeption Mitte der 90er Jahre, vollständige Ablösung der alten Stuktur frühestens in fünf Jahren.

Stand heute: wird seit einigen Monaten für die Konstruktion zweier Modellreihen genutzt.

Ergebnis: Wechselbeziehungen in den Fertigungsprozessen werden transparent, wovon auch die Entwicklung neuer Modellvarianten profitiert.

Basis: Standardsoftware von der SAP AG.

Realisierung: Entwicklungspartnerschaft mit dem Softwareanbieter.

Nächster Schritt: Vernetzung mit den SAP-Instanzen für Finanzen und Logistik, Ausdehnung auf frühe Phasen der Automobilentwicklung (CAD).