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25.01.1985 - 

Trotz Umsatz- und Gewinnplus nicht der erhoffte Erfolg:

Wachstum der IBM Corp. hat sich verlangsamt

MÜNCHEN (ru) - Der blaue Riese IBM mußte im Geschäftsjahr 1984 seinen Gürtel wiederum weiter schnallen. Gleichwohl: Rundherum zufrieden ist der Gigant nicht. Die Zuwachsraten zeigten abnehmende Tendenz. Umstrukturierungen auf Top-Ebene kennzeichnen die deutsche IBM. An der Spitze steht jetzt neben Lothar F. W. Sparberg ein zweiter Mann: Alfred E. Esslinger.

Der US-Börsenmarkt reagierte auf die jüngst bekanntgewordenen Geschäftszahlen der IBM Corp. nüchtern, wenn nicht gar kühl: Die Kurse gaben leicht nach. Big Blues Wachstumsraten blieben hinter denen des Vorjahres zurück. Für den zum 1. Februar als Chief Executive ausscheidenden John Opel ist des Übels Wurzel der feste Dollar. Nüchtern rechnete er vor, daß der Reingewinn bei einer günstigeren Entwicklung der US-Währung um mehr als 30 Prozent gestiegen wäre.

Die IBM-Bilanz weist für 1984 ein 20prozentiges Plus des Reingewinns von 5,485 auf 6,582 Milliarden DoIlar aus. 1983 hatte IBM noch mit einer Zunahme von 24 Prozent gegenüber dem Korrespondenzjahr geglänzt. Eine ähnliche Entwicklung hat der Umsatz genommen. Er kletterte um etwa 14 Prozent auf 45,940 (40,180) Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatte der Branchenjumbo ein Umsakwachstum von knapp 17 Prozent verkündet.

Die Begründung für weitere mögliche Erlöseinbußen liefert IBM bereits jetzt: Sollte die Dollarstärke auch im Verlauf der kommenden Monate andauern, verlautet aus dem Unternehmen, dürfte es im ersten Halbjahr 1985 zu einem starken Einschnitt bei den Umsätzen außerhalb der USA kommen.

Während der Umsatz im ersten Quartal 1984 ein Plus von 15,7 Prozent erreichte, kletterte er in den anschließenden drei Monaten um 17 Prozent im Vergleich zur entsprechenden Zeitspanne des Vorjahres. Das zweite Halbjahr ist durch einen Knick in der Einnahmenkurve gekennzeichnet: Im dritten Quartal wuchs der Umsatz lediglich um 13 Prozent, im letzten gar nur noch um 12 Prozent.

Die Umsatzsteigerung von April bis Juni 1984 ist laut Wall Street Journal durch die starke Zunahme des Direktverkaufs gegenüber den Leasinggeschäften zu sehen.

Die Gewinnsituation korrespondiert nahezu mit der des Umsatzes. So lauten die Gewinnzuwächse der einzelnen Quartale gegenüber 1983: 23,1 Prozent, 20 Prozent, 22 Prozent und 17 Prozent. Die letzten drei Monate, so Analysten, repräsentieren die Dollar-Sensibilität am stärksten.

Stark rückläufig waren in den letzten Monaten des Geschäftsjahres auch die Mietumsätze. Sie gingen von Oktober bis November um 33,4 Prozent zurück. Demgegenüber stiegen die Serviceumsätze um 22,5 Prozent.

Marktkenner glauben allerdings, daß nicht nur der Dollarhöhenflug das Geschäft der IBM bremst. Ergänzend kommen hohe Investitionen beispielsweise für Entwicklung und Vermarktung des PC hinzu, der in Europa trotz steigender Verkaufszahlen nicht den erhofften Durchbruch erzielte. Spekuliert wird zudem, ob IBM in 1984 an die Verkaufserfolge bei den Plattenspeichern der vergangenen beiden Jahre anknüpfen kannte. Von 1982 bis 1983 drückte der Marktführer große Mengen von 3380-Einheiten in den Markt und brachte über seine Preispolitik die Konkurrenten ins Wanken. Nach dem Boom könnte jetzt, so munkelt man, eine gewisse Marktsättigung eingetreten sein.

Die IBM Deutschland GmbH in Stuttgart wird ihre Geschäftszahlen am 25. April bekanntgeben. Vorläufige Ergebnisse waren nicht zu erfahren. Gutinformierte Kreise wollen wissen, daß die Hauptverwaltung in Armonk mit ihrer deutschen Tochter derzeit nicht sehr glücklich ist. Gemeint ist hier offensichtlich auch das Geschäftsgebaren, wie etwa die Rabattaffäre.

Interne personelle Umstrukturierungen geben breiten Raum für Spekulationen. So rückte Alfred E. Esslinger zum General Assistent Manager oder stellvertretenden Geschäftsführer auf. Finanzchef Eberhard Bihler, der als Protegé Lothar F. W. Sparbergs gilt, berichtet seit einiger Zeit nicht mehr direkt an den IBM-Boß. Dies könnte als ein Zeichen für eine nicht mehr so ganz gefestigte Stellung Sparbergs hindeuten. "Eine alte IBM-Regel lautet", so ein Insider, "wer in Armonk in Ungnade gefallen ist, dem werden die Vertrauten weggenommen. "