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28.04.1989 - 

Spektakuläre Insolvenzfälle im DV-Leasing wären vermeidbar

Wachstum um jeden Preis kann für Leaser tödlich sein

MÜNCHEN - Vor Jahren waren es Itel oder ICC, in letzter Zeit ICS oder CIS: Pleiten von Computerleasing-Firmen werfen von Zeit zu Zeit ein Schlaglicht auf eine Branche, in der mit IBM-Rechnern gehandelt und mit harten Bandagen gekämpft wird. Meist ist es ein Duell der Anbieter untereinander, und allzuoft steht der gemeinsame Kontrahent als lachender Dritter daneben.

"Mittelgroße Computer-Leasing-Gesellschaften müssen entweder wachsen oder sterben." Diese dem Redaktionsarchiv entnommene Erkenntnis des Topmanagers Harry E. Goetzmann jr. war es der "Computerworld" Anfang des Jahres wert, sie als Prolog über einen Artikel zu stellen, an dem Goetzmann wahrlich keine Freude haben konnte. Denn der Beitrag handelte vom Niedergang der Continental Information Systems Corp. (CIS), der Computerleasingfirma, deren Chairman Goetzmann ist. Und diese CIS kann man, beim besten Willen, längst nicht mehr zu den mittelgroßen Gesellschaften zählen: In der aktuellen US-Branchenstatistik steht sie auf Platz 2 hinter Weltmarktführer Comdisco.

Daß sich die Äußerung des CIS-Präsidenten so trefflich für hämische Bemerkungen eignete, kommt nicht von ungefähr, denn gerade der unbändige Wachstumswille wurde der CIS zum Verhängnis: Der Leasingkonzern hatte sich bei der Übernahme des Konkurrenten CMI im Jahre 1987 einfach verschluckt. Goetzmanns ehrgeiziges Ziel war es gewesen, mit einem Streich zur Spitze aufzuschließen, an der einsam Comdisco und natürlich die Armonker IBM Credit Corp. standen. Doch diese 160-Millionen-Dollar-Transaktion führte zur einer tendenziellen Überschuldung des Unternehmens aus Syracuse im US-Bundesstaat New York, einer Überschuldung, die einem Hardwarehersteller höchstwahrscheinlich weniger wehgetan hätte, für ein Leasingunternehmen indes lebensgefährlich war.

Vorsichtige Aktionäre sahen zu, daß sie aus ihrem CIS-Engagement herauskamen. Und weil sinkende Aktienkurse nicht geeignet sind, bei Kreditgebern und Kunden das Vertrauen in eine solche Elefantenehe zu fördern, zogen auch sie sich nach Möglichkeit zurück, was wiederum nicht ohne Folgen blieb für den Wert der Aktie. Die Abwärtsspirale kam in Fahrt. Im November 1988 brachten Wall-Street-Gerüchte über ein mögliches "Bankruptcy Filing" nach Chapter eleven die CIS-Aktie ins Taumeln. Sie stürzte an einem einzigen Börsentag von drei auf zwei Dollar. Und im Januar trat tatsächlich ein, was die Auguren der Finanzwelt schon zwei Monate eher erwartet hatten: CIS mußte Konkursantrag stellen.

Inzwischen sieht Goetzmann juniors Firma wieder Land. Die New Yorker Finanzberater der First Boston Corp. haben sich auf die Suche nach finanzkräftigen Konzernen gemacht, die sich bereit erklären, mit der CIS auch ein gewisses Risiko zu übernehmen. Und weil es in Amerika etliche ertragsstarke Industrie- und Finanzriesen gibt, denen Abschreibungen in mehrstelliger Millionenhöhe gar nicht ungelegen kämen, ist First-Boston-Managerin Alison Overseth recht zuversichtlich, noch im April die Wiederauferstehung der CIS bekanntgeben zu können. So bleibt wohl der Frankfurter CIS Leasing GmbH, vormals CMI Deutschland, ein Verkauf an einen hiesigen Mitbewerber erspart. Diese Variante war nämlich zeitweise im Gespräch: Abstoßen der vom Konkurs nicht direkt betroffenen Europa-Töchter, um mit dem Erlös die Muttergesellschaft zu sanieren.

Daß es bei expansionswilligen Leasingfirmen auch anders geht, beweist ein Schweizer Unternehmen, die COS Computer Systems AG, die ihre Zentrale in Baden nordwestlich von Zürich hat. Heinz Häberli, Direktor der mit 500 Millionen Franken Jahresumsatz auch nicht kleinen Aktiengesellschaft, gibt sich konservativ. Er werde nicht nein sagen, "wenn uns Rosinen auf den Weg fallen". Aber: "Man soll nicht nur durch Akquisition wachsen. Das bringt Integrationsprobleme mit sich." Eine von diesen Rosinen hat Häberli kürzlich aufgepickt: Die HM Leasing GmbH des renommierten Heidelberger DV-Leasing-Einzelkämpfers Hans-Martin Rehbein gehört seit dem 1. April hundertprozentig den Schweizern. Und um die Kontinuität zu wahren, hat Häberli gleich "HM" Rehbein als Geschäftsführer mitgekauft.

Weniger reibungslos und harmonisch ging es 1987 zu, als die britische IBL Plc. auf Brautschau ging. Denn in der Branche war bekannt, daß Phil Coussens' Leasingkonzern in einer Firmenheirat die einzige Chance sah, den Haushalt wieder in Ordnung zu bringen. Ein Flirt mit der deutschen CSC-Gruppe schien in den Hafen der Ehe zu münden, doch schließlich wurden sich die Briten mit dem streitbaren CSC-Gründer Garbis Ingiliz und seinem Compagnon Heinz-Jörg Reuter nicht handelseinig: Als die Briten ihren Geschäftsbericht für 1986 vorlegten, entschlossen sich die Deutschen, lieber solo zu bleiben. Der harte Kern der IBL landete nach dem Verkauf von Abteilungen schließlich unter dem Dach der Inspectorate-Gruppe, die von der Omni Holding AG des Schweizers Werner K. Rey kontrolliert wird.

Heute bildet IBL mit den Firmen United Leasing, CRE-Leasing, Hansa Computer und Leasco die Meridian-Gruppe, die über die englische Meridian Group von Inspectorate gehalten wird. Als Reys Omni AG kürzlich (im Zuge eines Aktientauschs mit den Mehrheitseignern der Zeitarbeitsfirma ADIA AG) ihren Anteil an Inspectorate von 66 auf 45 Prozent reduzierte, kamen Gerüchte in Umlauf, Rey wolle sich von Meridian wieder trennen, weil er sich vor allem von IBL mehr versprochen habe.

Gerüchte über Verkauf sind nichts Ungewöhnliches

Meridians deutscher Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Lichtenauer relativiert die Nachricht: Omni verfüge nach wie vor über die Majorität der Stimmrechte. Und Gerüchte über einen Ausstieg des Werner Rey seien bei Firmen aus seinem Einflußbereich nichts Ungewöhnliches.

Mit potentiell geschäftsschädigenden Gerüchten hat auch die CSC in München zu kämpfen. Der deutsche DV-Leasing-Marktführer hatte im Herbst 1988 nach dem Konkurs der Integrated Computer Systems GmbH (ICS) einen Teil der Kundenverträge übernommen; heute hat der Düsseldorfer CSC-Geschäftsführer Heinz Reuter den Ärger. Denn obwohl die Verträge ausdrücklich unter dem Vorbehalt "frei von den Rechten Dritter" erworben wurden, wie Reuter versichert, tauchte plötzlich die Steuerfahndung auf, um in den ICS-Unterlagen zu stöbern.

Damit nicht genug: Der Steuerberater der CSC, Rolf Giesecke, wurde wegen Verdachts der Steuerhinterziehung festgenommen. Als Einwohner des Fürstentums Monaco mußte sich der gewiefte Finanzexperte von der Münchner Justiz sogar Fluchtgefahr unterstellen lassen. Giesecke, mit 10 Prozent am Kapital der Holdingfirma CSC Europe BV beteiligt, verlor daraufhin seinen Posten im Board. Obwohl gegen die CSC Leasing und Finanzierung GmbH selbst und ihre Gesellschafter weder ein Verdacht geäußert wurde noch Ermittlungen laufen, können sich viele Konkurrenten nicht verkneifen, ihre Versionen der Geschichte unters Volk zu bringen - darunter die, daß der reisefreudige Reuter-Partner Ingiliz "auf Tauchstation gegangen" sei, was dieser im Telefongespräch mit der CW-Redaktion fürs erste zu entkräften vermochte.

Was ist denn nun dran an der immer und immer wieder kolportierten Behauptung, die Computer-Leasing-Branche gehe einer Welle von Firmenübernahmen entgegen? Mike Schorfield, Direktor des Leasing Planning Service der Marktforschungsgesellschaft IDC Europa in London, gehört zu den Verfechtern dieser These: "Die Großen werden noch größer", prophezeit er sinngemäß, "spezialisierte Kleine werden überleben, die Mitte verschwindet." Ganz die Philosophie von Harry E. Goetzmann jr., könnte man denken.

Aber Schorfield meint keine Zusammenschlüsse von europäischen Leasing-Größen, die allesamt mit ähnlichen Problemen kämpfen und einander deshalb keine große Hilfe sein können. Er geht davon aus, daß amerikanische Konzerne noch vor 1992 einen Fuß auf den europäischen Markt bekommen wollen, und da kommen neben den "Baby Bells" und Bankhäusern wie Chemical Bank wieder die Namen abschreibungswilliger Fortune-100-Companies ins Spiel: Wenn Schorfield Autohersteller nennt, denkt man an Chryslers Einstieg in den US-Leasingmarkt und General Motors' Aktivitäten im DV-Business. Und wie die Amerikaner sind auch fernöstliche. Anleger sehr an Europa interessiert. So bekam jüngst die Hongkong and Shanghai Bank den Zuschlag, als die Hamburger Info AG ihr deutsches Leasing-Portfolio zum Verkauf ausgeschrieben hatte.

Große Banken oder Industriekonzerne als Mehrheitsgesellschafter zu haben, ist nicht zuletzt dann von Vorteil, wenn es um die preiswerte Beschaffung von Neumaschinen geht. So kann beispielsweise die Wiesbadener Leasingfirma UCL bei IBM mit besonderen Rabatten einkaufen, weil sie als 51prozentige Tochter der American Express Bank vom Konzernrabatt (Volume Purchase Agreement) der Mutter profitiert. Und Amexco als einer der größten IBM-Kunden weltweit genießt das Privileg, auf den Listen-(Mond-)Preis die höchste Rabattstaffel angerechnet zu bekommen.

Nicht allein die Risiken, auch die Chancen sind groß

Übrigens: Daß sich immer wieder neue Mitspieler finden, die auf dieses bekanntermaßen heikle Terrain "Computerleasing" drängen, beweist wohl, daß nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen zum Geldverdienen hoch eingeschätzt werden. Allen Wehklagen über den Verdrängungswettbewerb seitens des marktbeherrschenden Hardwarekonzerns zum Trotz ist offenbar auch Gewinn zu erzielen. Allerdings entsteht der Profit heute in den seltensten Fällen während der Laufzeit des Leasingvertrags, sondern beim Weitervermarkten der gebrauchten Geräte, deren Wert ja gar nicht so sehr vom Alter abhängt als von Angebot und Nachfrage für einen bestimmten Typ. Extremes Beispiel: In einer Liste der niederländischen "VLD Consultancy Computer Price Line" vom September 1987 stand eine IBM 3090-400 mit 20,16 Millionen Mark oder 113 (!) Prozent des damaligen IBM-Listenpreises, eine veraltete 3083 CX1 hingegen mit 95 000 Mark oder 6 Prozent des einstigen Eckpreises.

Über ähnliche Dienste informieren sich die Altgeräte-Makler, wann in welchem Land zu welchem Preis eine soundso konfigurierte Maschine frei wird; für große IBM-Rechner besteht de facto schon ein europäischer Binnenmarkt. Sogar die IBM bietet gelegentlich den Brokern zurückgenommene Geräte aus Leasingverträgen an, denn nicht immer hat der Konzern selbst die erforderlichen "Entsorgungsmöglichkeiten". Zwar stellt Big Blue schon mal zur "Überbrückung" einen Oldie ins Kunden-RZ - Broker wissen zu berichten, daß solche Überbrückungen durchaus mal 18 Monate dauern können -, aber der Abverkauf ins europäische Ausland funktioniert am ehesten über unabhängige Makler.

IBM läßt deutschen Leasern wieder mehr Luft zum Atmen

Leasing-Altmeister Horst Gruhlke, Geschäftsführer der UCL in Wiesbaden, macht sich denn auch keine Sorgen um den Fortbestand der unabhängigen Leasingfirmen. Er hat eine Wende in Big Blues Vertriebspolitik ausgemacht, die seiner Branche wieder mehr Luft zum Atmen laßt: Der lBM-VB habe kein festes Soll mehr zu erfüllen, bei wievielen Aufträgen er ein Term Lease Agreement (TLA) mit dem Anwender abschließen müsse, um seine Provision zu sichern. Das heißt, der Kunde kann sich wieder für die preisgünstigste Variante entscheiden und trotzdem den Rechner von der IBM installieren lassen, mit "kunden-individueller Vertragsgestaltung" und dem Finanzierungsangebot eines freien Leasinggebers.