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06.09.1985 - 

DV-Sonderrolle im deutschen Wirtschaftsgefüge ist zu Ende:

Wachstumsautomatismus außer Kraft gesetzt

Auf rund vier Milliarden Mark soll der Markt für individuelle Software- und Beratungsleistungen in der BRD bis zum Ende des Jahrzehnts anwachsen. Bei Standardpaketen wird gar mit einer Steigerung auf über elf Milliarden Mark gerechnet. Gerd Rother, Leiter der Marktforschung bei der IDC Deutschland GmbH, Eschborn, nimmt die Prognosen genauer unter die Lupe.

Die Größe eines Softwaremarktes ist nicht nur abhängig vom Durchdringungsgrad einer Volkswirtschaft mit Informationstechnologie und der Nutzung rechnergestützter Anwendungen, sondern auch von der Art, wie die Anwender die anfallenden Aufgaben bewältigen.

Betrachtet man die Summe aller DV-Ausgaben, steht die Bundesrepublik 1983 an erster Stelle in Westeuropa mit fast 36 Milliarden Mark. Fast die Hälfte dieser Kosten fielen bei den Anwendern intern an. Hierbei handelt es sich im wesentlichen um Personalkosten für hardware- und softwareorientierte Tätigkeiten der Bedienung und Programmierung von Computern sowie DV-organisatorische Aufwendungen und einen administrativen Überbau.

SW vom Anwender spielt eine wesentliche Rolle

Der Anteil der internen DV-Kosten ist - gemessen am europäischen Durchschnitt - überproportional hoch. Damit wird nicht zuletzt dokumentiert, daß die vom Anwender erstellte Software eine überdurchschnittlich große Rolle spielt. Dies beeinflußt ganz wesentlich den freien Markt für Software und DV-Dienstleistungen.

Betrachtet man den Markt für extern bezogene Anwendungslösungen, dann zeigt sich, daß die Bundesrepublik über ein geringeres Volumen verfügt als Frankreich. 1983 hatte dieser Markt eine Größenordnung von etwa 5,7 Milliarden Mark.

Ein beträchtlicher Teil dieser Leistungen entfiel jedoch auf Rechenzentrumsdienstleistungen, die insbesondere in Frankreich eine große Bedeutung haben. Der eigentliche Markt für Softwareprodukte, individuelle Programmierleistungen und die dazugehörige DV-Beratung lag in der Bundesrepublik 1983 bei über 3,5 Milliarden Mark und betrug damit knapp zehn Prozent der gesamten Ausgaben der Anwender. Bis 1989 wird sich dieses Volumen schätzungsweise mehr als vervierfachen auf über 15 Milliarden Mark.

Der Anteil an individueller Softwareentwicklung inklusive DV-orientierter Beratung ist in der Bundesrepublik höher als im westeuropäischen Durchschnitt. Die Eigenarten des deutschen Anwenders im Verhältnis zu seinen europäischen und außereuropäischen Nachbarn sind viel diskutiert worden und sollen hier nicht noch einmal aufgegriffen werden.

Tatsache ist, daß 1983 der Anteil der (auf dem freien Markt verkauften) individuellen Software inklusive Beratung noch über 40 Prozent des gesamten Marktes für Softwareprodukte und -dienstleistungen ausmachte. Dieser Anteil wird sich bei absolut steigendem Umsatz jedoch deutlich verringern und 1989 nur noch etwa ein Viertel des Softwaremarktes ausmachen.

Die Märkte für individuelle Software und DV-Beratung sind sehr stark miteinander verwoben. Nur wenn von einem Anbieter gegenüber einem Anwender ausschließlich DV-strategische und DV-organisatorische Beratung geleistet wird - ohne die Lieferung von Softwareprodukten oder Erbringung von Programmierungsleistung - ist eine exakte Trennung vom Softwaregeschäft möglich.

Es sollte beachtet werden, daß Überschneidungen beziehungsweise Doppelzählungen im Softwaremarkt nicht ganz auszuschließen sind. Hervorstechendes Beispiel hierfür ist die kundenspezifische Entwicklung eines Standardpaketes für einen Hardwarehersteller durch ein Softwarehaus. Für das Softwarehaus ist dies eine individuelle Softwareentwicklung, der Hardwarehersteller wird das gleiche Produkt als Standardpaket unter seinem Namen vermarkten. Da es sich jedoch in beiden Fällen um einen Teil des freien Marktvolumens handelt, sind derartige Überschneidungen gerechtfertigt.

Der Markt für individuelle Software und DV-Beratung betrug 1983 in der Bundesrepublik etwa 1,5 Milliarden Mark. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird mit einem Wachstum bis auf fast vier Milliarden Mark gerechnet.

Die individuelle Software- und Beratungsleistungen werden im Gegensatz zur Standardsoftware im wesentlichen von System- und Softwarehäusern und anderen unabhängigen Anbietern erbracht. Gründe hierfür sind die größere Flexibilität, die Unabhängigkeit von Hardwareverpflichtungen und die ausgeprägte fachliche Kompetenz dieser Anbietergruppen.

Hardwarehersteller sind im allgemeinen nur mit Einschränkungen für die Lösung individueller Probleme geeignet. Sie konzentrieren sich mehr auf die Vermarktung von Standardlösungen inklusive deren Anpassung an Kundenwünsche.

1983 entfiel in der Bundesrepublik nur wenig mehr als ein Fünftel des Umsatzes mit individueller Software und DV-Beratungsleistungen auf die Hardwarehersteller. Bis 1989 wird dieser bescheidene Anteil sogar noch leicht zurückgehen.

Gute Aussichten für die Lösung aus einer Hand

Das stärkste Wachstum wird in diesem Marktsegment von den Systemhäusern erwartet, die dem steigenden Bedarf an individuell zugeschnittenen Branchenlösungen am ehesten gerecht werden können und dem Anwender alles aus einer Hand anbieten: Hardware, Software, Wartung und Beratung.

Beherrscht wird der Markt für individuelle Software und DV-Beratung von den wenigen großen System- und Softwarehäusern wie SCS, ADV/Orga, mbp und Ploenzke, die teilweise erhebliche Umsätze im Beratungsbereich tätigen (vor allem SCS). Daneben besteht eine Anzahl mehr beratungsorientierter Unternehmen.

Der Rest des Marktes ist auf eine Vielzahl kleiner und kleinster System- und Softwarehäuser, Programmierbüros, Einzelprogrammierer, Beratungsfirmen, Einzelberater, Rechenzentren, Mikrocomputerhändler und Dienstleister auf Genossenschafts- und Verbandsebene verteilt.

Der Markt für Standard-Software betrug 1983 in der Bundesrepublik über zwei Milliarden Mark. Bis Ende des Jahrzehnts wird sich dieses Volumen auf über elf Milliarden Mark erhöhen. Dann wird dieser Bereich nahezu drei Viertel des gesamten Marktes für Softwareprodukte und -dienstleistungen ausmachen. Hierbei umfaßt der Begriff Standard-Software die gesamte Bandbreite vom Betriebssystem bis zur Branchenlösung.

Getragen wird dieses Wachstum zum einen von einer generell stärkeren Orientierung an Standardlösungen aus Kostengründen und zum anderen von einer stärkeren Verbreitung kleinerer Systeme, auf denen zu einem erheblichen Teil Standard-Software implementiert wird. Insbesondere ist hier auf Personal Computer hinzuweisen, die sowohl stand-alone als auch verknüpft in immer höheren Stückzahlen zum Einsatz kommen und eine entsprechende Softwarenachfrage erzeugen. Betrug das Marktvolumen für PC-Software 1983 noch etwa 250 Millionen Mark, wird sich dieser Wert bis 1989 auf knapp 2,6 Milliarden Mark mehr als verzehnfachen. Der Anteil am gesamten Standard-Software-Markt wird in diesem Zeitraum von 12 auf 23 Prozent ansteigen.

Wachstumsschub für kleine Mehrplatzsysteme

Der größte Wachstumsschub ist allerdings von kleinen Mehrplatzsystemen zu erwarten. Das Wachstum wird hier zwar prozentual gesehen geringer ausfallen als bei den PC, jedoch ist die Ausgangsbasis wesentlich höher. Der Markt für Standardsoftware wird sich von 1983 über 600 Millionen Mark auf über 3,6 Milliarden Mark zum Ende des Jahrzehnts versechsfachen. Damit wird der Anteil dieser Softwarekategorie am gesamten Standard-Softwaremarkt der Bundesrepublik von 30 auf 32 Prozent ansteigen.

Als Basis für diese Entwicklung werden auf der einen Seite traditionelle Anbieter von Small-Business-Systemen fungieren, wie etwa Nixdorf und Philips, die in der Hardware-Technologie und den Hardwarepreisen dem Mikro Boom Rechnung tragen werden müssen. Hier ist bereits eine große Bandbreite an horizontaler und Branchensoftware vorhanden.

Auf der anderen Seite spielen mehrplatzfähige Mikrocomputer eine zunehmend wichtige Rolle in diesem Markt und werden in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts außerordentlich hohe Zuwächse erzielen. Der Softwarebestand hier ist noch relativ gering, in den kommenden Jahren ist jedoch mit einem rapide ansteigenden Angebot an horizontaler und Branchensoftware für diese Rechnerkategorie zu rechnen.

Dabei wird es auch deutliche Substitutionseffekte zu den traditionellen Small-Business-Systemen geben, soweit die entsprechenden Hersteller dem nicht durch veränderte Produkt- und Marketingstrategien begegnen können. Der Wettbewerbsvorteil dieser Hersteller durch die große Bandbreite an Anwendungssoftware wird zumindest kleiner werden durch die zunehmende Verfügbarkeit entsprechender Mikrosoftware. Das Wachstum der Softwareumsätze für mittlere (16 bis 95 Arbeitsplätze) und große Systeme (über 95 Arbeitsplätze) wird geringer ausfallen als bei den PC und kleinen Mehrplatzsystemen. Insbesondere bei Großrechnern wird auch in Zukunft der Anteil individueller Software sehr hoch sein, da komplexe Organisationen und Anwendungen nur sehr schwierig mit Standardsoftware unterstützt werden können. In vielen Fällen wären Anpassungen von Standardpaketen aufwendiger als eine vollständige Neuprogrammierung.

Standardbausteine auch bei großen Rechnern im Kommen

Aber auch bei größeren Rechnern werden die Anwender versuchen, mehr zu Standardbausteinen zu greifen. Hierbei spielen sowohl Kostengründe als auch Entwicklungsbausteine eine gewichtige Rolle. Bei großen Systemen ist zudem das Volumen an System- und systemnaher Software besonders hoch und wird sich im Zuge des Einsatzes neuerer Entwicklungsmethoden und -tools noch ausweiten.

Nicht zuletzt die starke Verbreitung der PC und ihre Vernetzung in größeren Organisationen sowie die zunehmende Nutzung der öffentlichen Übertragungsmedien wird einen erhöhten Bedarf an Kommunikationssoftware zur Folge haben. Das Marktvolumen für Großrechner-Standard-Software wird sich von etwa 600 Millionen Mark in 1983 auf über 2,6 Milliarden Mark in 1989 steigern.

Bei Standardsoftware für mittlere Systeme weist diese Entwicklung eine ähnliche Dimension auf. Hier wird das Volumen von knapp 600 Millionen Mark in 1983 auf knapp 2,5 Milliarden Mark zum Ende des Jahrzehnts ansteigen. In dieser Rechnerkategorie wird sich vor allem die Ausweitung der technischen Applikationen auswirken, sowohl im dispositiven als auch im Steuerungsbereich.

Mittlere Systeme knöpfen Mikros Marktanteile ab

Dieses Feld erfordert spezifische Charakteristika der Hardware und der Betriebssysteme sowie hohe Prozessorleistungen und Speicherkapazitäten, die den immer leistungsfähigeren Mikrocomputern mittelfristig diesen Markt noch verschließen oder zumindest erschweren. Aber auch im kommerziellen Bereich, vor allem in der Bürokommunikation werden mittlere Systeme auf einer zweiten hierarchischen Ebene eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Das Wachstum des Marktes für Standardsoftware wird vor allem von den Hardwareherstellern getragen. Bereits 1983 betrug deren Anteil an diesem Markt mit fast 1,2 Milliarden Mark über 56 Prozent. 1989 wird mit knapp 6,5 Milliarden Mark gerechnet. Das sind dann über 57 Prozent des gesamten Umsatzvolumens mit Standardsoftware .

Hardwarehersteller haben softwareseitig ihre Stärke in Standardpaketen, von Betriebssystemen bis zur Branchenlösung. Auch im Mikrocomputerbereich besteht teilweise eine Tendenz der Gerätehersteller, Softwareprodukte selbst zu vermarkten. Die eigentlichen Softwareproduzenten erbringen dann gegenüber dem Hersteller nur noch individuelle Entwicklungsleistungen .

Für die unabhängigen Softwarehäuser wird der PC-Markt jedoch eine wesentlich wichtigere Rolle spielen. Dieser Markt ist stark geprägt von amerikanischen Unternehmen mit einer relativ geringen Anzahl von anwendungsneutralen Produkten, die in hohen Stückzahlen verkauft werden. Nur wenige deutsche Produkte können in diese Spitzengruppe vorstoßen, im allgemeinen sind dies Textverarbeitungsprogramme.

Auf der anderen Seite besteht eine Vielzahl von Applikationssoftwareprodukten deutscher Softwarehäuser, die aber jeweils nur relativ geringe Stückzahlen erzielen. Hier ist in Zukunft vor allem bei Branchensoftware mit hohen Steigerungsraten zu rechnen.

Aber auch die nicht an Mikrocomputern orientierten Softwarehäuser werden sowohl im systemnahen als auch im Anwendungsbereich neben den Hardwareherstellern ihre Umsätze weiterhin deutlich steigern können. Insgesamt werden die unabhängigen Softwareanbieter ihren Umsatz mit Standardpaketen von etwa 650 Millionen Mark in 1933 auf über 3,4 Milliarden Mark zum Ende des Jahrzehnts ausweiten.

Die Systemhäuser spielen hier eine Sonderrolle. Ihr Umsatz mit Standardsoftware wird von knapp 240 Millionen Mark in 1983 auf über 1,4 Milliarden Mark in 1989 ansteigen. Systemhäuser werden sowohl vom Boom mit mehrplatzfähigen Mikrocomputern als auch von zunehmenden technischen Applikationen profitieren.

Hierbei fällt ihnen die Aufgabe zu, komplexere Gesamtlösungen zu realisieren. Die von diesen Unternehmen vermarkteten Standardpakete sind im allgemeinen als Bausteine in die Systeme integriert beziehungsweise stark angepaßt und individualisiert. Dem fachlichen und Branchen-Know-how kommt hier eine zentrale Bedeutung zu.

Insgesamt gesehen zeichnet sich also für die Softwarebranche eine recht günstige Entwicklung in den nächsten Jahren ab bei durchschnittlichen Wachstumsraten von 30 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts.

Daß diese allgemein positive Richtung nicht mehr wie in der Vergangenheit allen Wettbewerbern zu einer problemlosen Existenz verhilft, zeigt sich immer deutlicher. Nicht nur Hardware-, auch Softwareproduzenten kommen zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, Marktbereinigungen zeichnen sich ab.

Die Pionierjahre der Branche sind längst vorbei, und nur noch ein zielgerichtetes, marktorientiertes Vorgehen unter betriebswirtschaftlichen Aspekten gewährleistet unternehmerischen Erfolg. Die Sonderrolle der Datenverarbeitung im allgemeinen und nun auch der Software im besonderen im gesamten Wirtschaftsgefüge besteht nicht mehr - wenn auch nach wie vor die Zuwächse der Branche insgesamt noch überdurchschnittlich ausfallen.