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29.01.1988 - 

Beim Neugeschäft mit Targon und 8890-Maiframes verrechnet:

Wachstumsdoktrin schafft Nixdorf Probleme

PADERBORN (bk) - Eine eher enttäuschende Umsatzsteigerung von rund 13 Prozent meldet die Nixdorf Computer AG für das abgelaufene Geschäftsjahr. Zwar übersprang das Unternehmen erstmals knapp die 5-Milliarden-Grenze,aber die goldenen Zeiten mit Wachstumsraten von durchschnittlich 20 Prozent scheinen für die Paderborner erst einmal vorbei zu sein.

Schon im Geschäftsjahr 1986 hatten sich die Nixdorf-Mannen mit einem für ihre Verhältnisse bescheidenen Umsatzanstieg von 15 Prozent auf 4,5 Milliarden Mark begnügen müssen. Dies begründete der Vorstand damals in erster Linie mit Währungseinflüssen, die das Wachstum des Unternehmens gebremst hätten. Für das just abgelaufene Geschäftsjahr haben die Paderborner nunmehr diese Erklärung erneut strapaziert.

Zwar liegen sie mit einem Umsatzplus von rund 13 Prozent noch immer über dem Branchendurchschnitt, und Fachleute rechnen mit einer erneuten Umsatzrendite von knapp 5 Prozent, was einen Gewinn von etwa 255 Millionen Mark ausmachen würde. Das erfolgsverwöhnte Nixdorf-Team jedoch dürfte mit dem Geschäftsjahr 1987 dennoch nicht sonderlich zufrieden sein. Allerdings schweigt sich die Nixdorf-Zentrale über den letztjährigen Geschäftsverlauf noch beharrlich aus und ist derzeit zu keinem Kommentar bereit.

Sorgen nämlich bereiten den Paderbornern wohl weniger die ungünstigen Währungsparitäten; vielmehr scheint sich die von den Nixdorfern seit Jahren verfolgte Produktstrategie immer negativer auf die Bilanz auszuwirken.

- Das 8870-Geschäft verliert zusehends an Attraktivität, weil die Maschinen längst nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik sind. Dennoch darf der Rechner nicht in Rente gehen, weil die bereits vor rund drei Jahren als Nachfolger eingeführte Targon-Familie den Durchbruch noch immer nicht geschafft hat.

- Die IBM-kompatiblen, zur 8890-Serie umfunktionierten Hitachi-Rechner, sind weiterhin eher ein Klotz am Nixdorf-Bein; aus diesem Bereich gibt es für das vergangene Jahr noch nicht einmal spektakuläre Aufträge zu vermelden. Unruhe darüber hinaus im Münchener CIS-(Compatible-Informmations-Systeme-) Team: Gerd Wagner übernahm zu Beginn des Jahres bei Nixdorf in München einen neuen Aufgabenbereich. Nachfolger des langjährigen CIS-Managers wurde Dietrich Zeh.

- In der Nachrichtentechnik haben sich die Paderborner zwar mit ihrer digitalen Nebenstellenanlage 8818 ein weiteres erfolgreiches Standbein geschaffen, erkauft wurde dies jedoch mit erheblichen Preisnachlässen, die, so wird in der Branche gemunkelt, zuweilen bis zu 60 Prozent betragen.

Bleiben zudem die immensen Personalkosten: Nahezu 4000 neue Arbeitsplätze hat das Unternehmen 1987 nach eigenen Angaben geschaffen. Damit beschäftigt Nixdorf jetzt weltweit an die 30 000 Mitarbeiter. Da aber der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr unter den Erwartungen blieb, lag der Personalbestand über Plan; dadurch ging die Produktivität, gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter, 1987 leicht zurück. Insider vermuten jetzt, daß die Paderborner im laufenden Geschäftsjahr bei Neueinstellungen Zurückhaltung üben werden.