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15.04.1977 - 

Diebolds neue Marktzahlen:

Wachstumsimpulse vorwiegend aus dem Kleinrechner-Bereich

FRANKFURT/MÜNCHEN (ec) - "Die strengen Restriktionen für die EDV-Budgets sind vorbei: Nach den Rezessionsjahren 1974/75, die auch für die Computerindustrie einen echten Einbruch bedeuteten, setzte 1976 eine spürbare Erholung ein", resümierte Hans Jürgen Schwab, Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, bei der Präsentation der jüngsten Diebold-EDV-Markt-Studie. Diese Bestandsanalyse ermittelte für den deutschen Computermarkt einen Branchenjahresumsatz von rund 10 Milliarden Mark und prognostiziert bis 1980 jährliches Wachstum zwischen zehn und fünfzehn Prozent.

Die Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen, die jetzt teilweise nachgeholt werden, katalogisierte Schwab so: "Wenn Investition, dann dient sie der Rationalisierung."

Im Windschatten dieses Trends ist auch der Strukturwandel der EDV-Landschaft der Republik zu sehen. Denn die Wachstums-Schübe kommen hauptsächlich vom Markt für Kleinrechner und Terminals, ausgelöst durch den starken Bedarf nach DV-gestützter Rationalisierung in Klein- und Mittelbetrieben. Zum Teil wird der Aufschwung in der EDV-Branche auch dadurch getragen, daß (bei sonst noch kühlem Investitions-Klima) Rationalisierungsmaßnahmen in der DV-Infrastruktur von Großbetrieben von den Fachbereichen ohne Genehmigungspflicht durch die Unternehmensspitze durchgezogen werden können.

Alle diese Anstöße führen dazu, daß am Hardwaremarkt der Geräteeinsatz immer stärker durch die Zweckbestimmung und weniger durch die Technologie geprägt wird. Die traditionelle Einteilung der Computer in die Kategorien

- Standard- oder Universalrechner

- Bürocomputer und Abrechnungssysteme (MDT)

- Technisch-wissenschaftliche Kleinrechner

- Prozeßrechner verliert in zunehmendem Maße an Gültigkeit. Künftig hängt es primär von der Komplexität der Aufgabe und ihrer Verknüpfung mit anderen Problemlösungen ab, inwieweit man

- Standardcomputer,

- Minicomputer oder

- Mikrocomputer

als Bauelemente der angestrebten Lösung heranzieht. Diebold wird künftig in seiner Statistik vor allem in den Produktgruppen B und C den Rechner mir noch als Bauelement und nicht in seiner Gerätefunktion darstellen.

Mit dem Stichtag 1. 1. 1977 verzeichnet die Parkzählung 114181 Rechner aller Größenklassen mit einem Installationswert von 29,5 Milliarden Mark Der Strukturwandel am Markt offenbart sich am ehesten, wenn man die Veränderung der Wertklassen betrachtet (siehe Grafik).

Der Wertanteil der großen Rechner (Wertklasse III über 1 Million Mark Kaufpreis), der sich von 1970 bis 1975 relativ konstant hielt, zeigt seit 1975 einen kräftigen Rückgang. Die Ursache ist mehrschichtig:

- Verstärkter Abbau alter Anlagen(360-Klasse) mit vergleichsweise hohen Installationswerten

- Preissenkungen bei neuen Modellen

- Saturierung des Marktes

- Wachsendes Gewicht der Kleinrechner im Gesamtmarkt.

Das Gewicht der großen Rechner wird auch in den nächsten Jahren sinken.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, daß die Hersteller stärker denn je an langfristiger Kundenbindung interessiert sind. Vor diesem Hintergrund sind auch Maßnahmen der Hersteller zu sehen, den Kauf gegenüber der Miete attraktiver zu gestalten. Die Relation Miete/Kauf, die hierzulande früher bei 85:15 lag, hat sich heute weise auf 50:50 verschoben. Verstärkt wird dieser Trend durch Bestrebungen der IBM, den Lebenszyklus der 370-Serie verlängern.

Wenig Schwankungen weist der Anteil der mittelgroßen Rechner auf (Wertklasse II: 250 001 bis eine Million Mark Kaufpreis). Zu diesem Markt gehören viele Rechner, die vor der Expansion des Kleinrechnermarktes als Einstiegsmodelle bei Neuanwendern dienten (z. B. 360/20). Diese Funktion ist stark in den Hintergrund getreten. Es herrscht eine wachsende Konkurrenzsituation mit kleineren Systemen. Sinkende Hardwarepreise führen überdies dazu, daß künftig Rechner der Wertklasse III in die Wertklasse II gelangen.

Die Wachstumsdynamik liegt allein im Markt für kleinere Rechnersysteme, zu denen die meisten Bürocomputer (MDT) und Minicomputer gehören (Wertklasse I: unter 250 000 Mark Kaufpreis). Das erklärt zugleich das wachsende Engagement der Groß-EDV-Anbieter in diesem Markt.

Kleinrechner dienen heute als Einstiegsmodell bei Erstanwendern und zum Ausbau der DV-Infrastruktur bei größeren Anwendern. Das gilt sowohl für den Einsatz als Satellitenrechner als auch für den Einsatz im Stand-alone-Betrieb.

Die erhöhte Benutzerfreundlichkeit die namentlich bei den Bürocomputern zu verzeichnen ist, hat zu einer Reaktivierung alter Vertriebswege geführt, wie sie im traditionellen Büromaschinengeschäft üblich sind: der Einschaltung einer Händlerorganisation. Schwab sah sich jedoch außerstande, zu quantifizieren, bis zu welcher Maschinengröße der Vertrieb über den Händler in Frage komme und welches Umsatzvolumen der Händler selbst bewältigen muß, um als Partner akzeptiert zu werden. Ziel dieser Strategie ist es, die größere Kundennähe des Büromaschinenhändlers zu nutzen. Hinzu kommt die Problematik, daß die eigene Vertriebsorganisation zur Vermarktung dieser auf Mengenabsatz ausgerichteten Produkte technisch und wirtschaftlich häufig nicht geeignet ist.

Der. Markt für Mikrocomputer und Mikroprozessoren steckt gegenwärtig noch in den Kinderschuhen seiner Einführungsphase. Das jährliche Umsatzvolumen von Mikroprozessoren liegt in der Bundesrepublik noch unter 50 Millionen Mark. Das sind nur 1 Prozent des Marktes für Halbleiter-Bauelemente oder 10 Prozent des Minicomputermarktes. Die Wachstumsaussichten sind allerdings beträchtlich. Für die nächsten Jahre ist jeweils mit einer Verdoppelung des Jahresumsatzes zu rechnen.

Der Einsatz der Mikroprozessoren erfolgt gegenwärtig zu etwa 75 Prozent im Bereich der Daten- und Kommunikationstechnik, zu 20 Prozent für Zwecke der Meßtechnik und sonstige industrielle Anwendungen: Die restlichen 5 Prozent finden in technischen Bedarfsartikeln Anwendung.

Die Fortschritte in der Mikroelektronik fuhren zu einer Beschleunigung in der Angebotsentwicklung von Terminals. Vor allem ermöglicht die neue Technologie eine wesentlich bessere Anpassung an unterschiedliche Zweckbestimmungen der Geräte (Bankenterminals, Kassenterminals für den Handel etc.). Mikroprozessoren bilden auch das wesentliche Element für die Verzahnung von Computertechnik und Nachrichtentechnik: das Telefon als Datenterminal ist technisch bereits eine erprobte Realität. Ob es ebenso wie der Taschenrechner zum täglichen Gebrauchsgut wird. hängt wesentlich davon ab, inwieweit die Bundespost vom Marktdirigismus zur Innovation findet.

Am deutschen Softwaremarkt sind gegenwärtig rund 250 Softwarehäuser und 50 Computerhersteller aktiv. Der Jahresumsatz an Software wird auf 350 Millionen Mark geschätzt.

Der Softwaremarkt zeigt gegenwärtig folgende Konstellation:

- Für die Softwarehäuser liegt das Hauptabsatzfeld im Bereich der Anwendungsprogrammierung. Standardsoftware läßt sich vorwiegend im Markt für Kleinrechnersysteme absetzen. Bei der Anwendungsprogrammierung für Mini- und Mikrocomputer übernehmen die Softwarehäuser in wachsendem Maße die Rolle von Systemhäusern, d. h. sie verkaufen komplette Systemlösungen (Turnkey-Systems). Mittlere Anwender modifizieren auch Standardpakete.

Bei großen Anwendern läßt sich Anwendungssoftware meistens nur im Wege der Vertragsprogrammierung verkaufen: mit wachsender Komplexität der Problemlösungen sinken die Absatzchancen für Standardsoftware rapide.

- Der Markt für Systemsoftware ist durch das Bestreben der Hersteller gekennzeichnet, Steuerfunktionen, die bisher von der Betriebssoftware wahrgenommen wurden, in die Hardware zu verlagern (Firmware). Auf diese Weise hofft man Strategien ,wie sie Amdahl und Itel mit ihren IBM-softwarekompatiblen Rechnern verfolgen zu begegnen.