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"Nur eben die Lohnsumme reingeholt"

Währungsreforrn in Brasilien läßt DV-Umsätze schrumpfen

01.06.1990

*Lorenz Winter ist CW-Korrespondent in Brasilien

Die Währungsreform in Brasilien von Mitte März, die 80 Prozent der gesamten Liquidität des Landes für 18 Monate gebunden hat, hinterließ auch in der DV-Branche Spuren: Mit Kurzarbeit und Lohnverzicht retten sich derzeit viele brasilianische DV-Unternehmen über die Situation hinweg. Nur exportstarke Betriebe kamen unbeschadet davon.

Sprecher des Fachverbandes "Abicomp" vermuten, daß die Branche im März nur etwa zehn Prozent der zu Jahresbeginn vorausgesagten Umsätze machte und in dem auf die Reform folgenden zweiten Quartal 1990 dürften die Verkäufe bestenfalls ein Drittel des vorher geplanten Wertes erreichen. Sogar das prinzipiell etwas beständigere OEM-Geschäft blieb von der Flaute nicht verschont. Trotz schrumpfender Absätze und stagnierender Produktion entließen die Unternehmen nach Feststellungen der brasilianischer Metallarbeiter-Gewerkschaft aber nur vereinzelt Beschäftigte; statt dessen retteten sie sich im wesentlichen durch Kurzarbeit (ohne Lohnausgleich) über die Runden. Dabei wurde natürlich weitgehend "auf Halde" fabriziert und gleichzeitig die künftigen Preise and Zahlungsziele mit den wichtigsten Kunden und Lieferanten neu ausgehandelt.

Der Festplatten-Hersteller Microlab aus Rio kürzte beispielsweise nach Absprache mit den Gewerkschaften den Arbeitstag um ein Drittel und die Löhne der Beschäftigten um ein Viertel. Anders, so Microlab-Chef Antonio Didier Viana, wäre die Umsatzeinbuße nicht zu verkraften gewesen, bei der statt umgerechnet 2,5 Millionen Dollar pro Monat plötzlich nur magere 750 000 Dollar in die Kasse flossen. Didier Viana: "Praktisch holten wir mit diesem Umsatz nur eben die Lohnsumme rein."

Microlab behauptet zwar, noch bis Ende Juni mit Aufträgen eingedeckt zu sein, doch würden "viele Bestellungen infolge der Geldknappheit nach der Reform jetzt storniert."

Während die Industrie bei den gescheiterten Währungsreformen von 1986 und 1989 etwa nach zwei Monaten allmählich wieder auf die Beine kam, werde sie diesmal wohl mindestens 90 Tage brauchen, um sich hochzurappeln, meint Didier Viana.

Liquiditätsschock und Konjunkturflaute überstand in der DV-Branche unbeschadet eigentlich nur, wer über einen hohen Exportanteil und damit über Dollar-Einkünfte verfügte - obwohl die US-Währung im März zunächst kräftig an Wert gegenüber dem Cruzeiro verloren hatte.