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02.09.1988 - 

In nächster Zeit wird es kaum zu einem nachhaltigen Aufschwung kommen:

Währungsturbulenzen lähmen Aktienböörsen

MÜNCHEN (CW) - Die monetäre Bremse wirkt nachhaltig, bewertet Finanzexperte Arndt Wolperts die Situation an den Aktienmärkten. Ein solider Aufschwung ist nicht in Sicht. Im folgenden geht er auf Werte wie Commodore, Compaq oder Newcomer Howtek ein.

Teil des Konzepts der Bundesbank bei der Intervention gegen den steigenden Dollar ist es, die Zinssätze weiter anzuheben, um die relative Attraktivität des höher verzinslichen US-Dollars zu verringern. Dies bedeutet eine zusätzliche monetäre Belastung. Fazit: Die Währungsturbulenzen mit ihren negativen monetären Folgen lähmen die Aktienbörsen weltweit.

Diese Bremse wirkt. So konnte der Commodore-Kurs in Dollar gerechnet keine Fortschritte erzielen, obwohl das Unternehmen eine Verdoppelung des Gewinns meldete. Im Geschäftsjahr '87/'88 sprang der Commodore-Gewinn von 28 auf 55 Millionen Dollar. Gleichzeitig kletterte der Commodore-Umsatz von 806 auf 871 Millionen Dollar.

Der überproportionale Ertragssprung war durch eine Verbesserung der Margen und erhebliche Kostensenkungen möglich. Der Commodore-Gewinn liegt damit bei rund 1.6 Dollar je Aktie. Der Wert wird an der Börse mit dem 7,5-fachen Gewinn bezahlt. Commodore könnte also die eigenen Aktien in gut sieben Jahren aufkaufen, vorausgesetzt, die Ertragskraft stabilisiert sich. Das Kurs/Cash-Flow-Verhältnis dürfte bei etwa 4.5 liegen, ebenfalls eine sehr niedrige Bewertung.

Diese Zahlen übertrafen die Erwartungen selbst optimistischer Analysten. Der Commodore-Kurs sprang auch kurzfristig auf 26 Mark, nur um dann im Zuge der Wall-Street-Korrektur (Dow Jones Industrial unter 2000) überdurchschnittlich zurückzufallen. Per Saldo konnte die Notiz in DM gerechnet trotz der insgesamt freundlichen Dollartendenz nicht zulegen.

Deutlich unter Druck geriet auch Compaq. Compaq hatte im Marktaufschwung Juni/Juli zu den relativ stärksten Titeln gehört. Die gesamte Gruppe der DV-Aktien führte vor zwei Monaten - erstmals seit fünf Jahren - die Markterholung an. Daß die Position der relativen Stärke schon in der ersten Marktreaktion im Zuge der Branchenrotation verloren geht, ist kein gutes Zeichen. Solange die monetären Bremsmaßnahmen anhalten, sollten Wall-Street-Engagements zurückgestellt werden.

Compaq hat eine 50-Prozent-Reaktion gezeigt (Anstieg um 40 auf knapp 120 Mark, anschließender Rückgang auf 100 Mark). Dies dürfte die Bandbreite der laufenden Konsolidierung abdecken. Auf der Basis "100 Mark" ist der Titel haltenswert: Mit Käufen auf eine Entspannung im monetären Bereich warten. Abgesehen von Sondersituationen, die auch nur unter mittelfristigen Gesichtspunkten ins Depot genommen werden sollten, keine Neuengagements in Wall Street eingehen.

Ein DV-Wert mit überdurchschnittlichen Chancen (allerdings auch überdurchschnittlichen Risiken) ist HOWTEK (American Stock Exchange, 15.25 US-Dollar). Howtek ist eine Gründung ehemaliger Top-Manager von Centronics Data. Neben dieser Managementerfahrung besitzt Howtek Patente für ein Farbdrucker-Verfahren, das die Qualität von Xerographie-Druckern erreicht. Die Geräte werden seit wenigen Wochen von Juki in Japan gefertigt. Der Verkaufspreis des Pixelmaster-Farbdruckers von Howtek liegt bei rund 6000 Dollar, also weit niedriger als bei Druckern vergleichbarer Qualität. Gelingt es dem Unternehmen auf der DTP-Welle mitzuschwimmen, eröffnet sich aufgrund der Preisklasse ein breiter Markt für die Howtek-Produkte. Patentrechtlich ist die Entwicklung nach Auskunft des Unternehmens gut abgeschottet. Man wollte Fehler, wie sie seinerzeit vom Centronics-Management gemacht worden waren, vermeiden. Die Analysten des renommierten US-Brokerhauses Dean Witter Reynolds schätzen für 1989 einen Gewinn von 2,5 Dollar (1988 0,6) Mark je Howtek Aktie. Der Umsatz könnte 1989 schon bei über 100 Millionen US-Dollar liegen.

Der Business-Plan wurde bisher durch das Howtek-Management eingehalten. Das ist ein gutes Zeichen für die realistische Planung des Managements einer Gesellschaft, die sich von einer Planungs- zu einer Produktionsgesellschaft wandelt.

An den europäischen Aktienmärkten belastet der steigende Zins. Neuengagements sollten hier ebenfalls zurückgestellt werden. Eine Ausnahme ist die Philips Kommunikationsindustrie (PKI), die gegen den Trend auf bis zu 630 Mark anzogen. Auf der Basis 600 Mark ist der Titel ein Kauf. Philips hat seinen PKI-Anteil auf 75 Prozent erhöht, Börsengerüchte wollen von weiteren PKI-Käufen durch Philips wissen. Vor dem Hintergrund der anhaltend enttäuschenden Gewinnentwicklung bei Philips würde die Eingliederung der "Perle" PKI einen Sinn haben.

Die Zeitschrift "Das Wertpapier" (Herausgeber Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V.) munkelt in der neuesten Ausgabe über Probleme beim Wettbewerber Markt&Technik. Unter der Rubrik "Parkettgeflüster" wird über die Börsenzeitschrift des Markt&Technik-Verlages, "Börse Online" berichtet. Die Auflage soll mit 20 000 verkauften Exemplaren deutlich unter Plan liegen.

Auf Anfrage bezifferte der Markt&Technik-Vorstand Otmar Weber die verkaufte Auflage auf 30 000 Stück. Die Aussage des "Wertpapier", die Anzeigen bei "Börse Online" würden weit unter Preisliste verkauft, wurde vom Markt&Technik-Vorstand weder dementiert noch bestätigt. Ob das Projekt Börse Online/Börse Real Time "im Plan" liege, war ebenfalls nicht zu erfahren.

Die Kursnotiz der Markt&Technik-Aktie kam im Crash besonders stark unter Druck (50 Prozent Kursverlust).

Ursache hierfür dürfte das Projekt Börse Online gewesen sein, das unmittelbar vor dem Crash mit hohen Projektkosten gestartet worden war. Schon bald nach dem Aktiemnarkteinbruch veränderte sich die redaktionelle Gestaltung von "Börse Online", die Zeitschrift wurde - wohl nicht zuletzt aus Marketinggründen -aggressiver. In der Branche ist es seit Monaten ein offenes Geheimnis, daß aufgrund des schwierigen Börsenumfelds "Börse Online", aber auch andere Börsenpublikationen, Geschäftseinbußen hinnehmen mußten.

Die Situation dürfte für "Börse Online" als Newcomer nach dem Crash besonders schwierig sein. Nach dem Motto "no smoke without fire" sollte deshalb die Markt&Technik-Aktie auf jeden Fall gemieden werden. Es ist allerdings nicht der richtige journalistische Stil, ein Konkurrenzprodukt via Gerüchteküche in die Verliererecke zu stellen, wie dies vom "Wertpapier" im vorliegenden Fall getan wurde.