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03.04.1980 - 

PDP-1134 erstellt unter MUMPS Betriebsaufträge:

Waggon-Reparaturen aufs richtige Gleis gebracht

03.04.1980

Das TVG Waggon-Reparaturwerk Duisburg führt jährlich Regeluntersuchungen und Reparaturen an rund 3300 Eisenbahnspezialwaggons durch. Etwa 3000 verschiedene Arbeitsgänge sind möglich und über 2000 verschiedene Materialien müssen bereitgehalten werden. Seit Mitte1979 wird für die Abwicklung der Regeluntersuchungen und der Reparaturen ein Minicomputersystem 530 (Basis PDP 11/34) unter MUMPS 11 von Digital Equipment eingesetzt. Die Werkstatt verfügt nun über genauere und umfassendere Betriebsaufträge, die von der Arbeitsvorbereitung mit weniger Aufwand und schneller erstellt werden können. Fehlinterpretationen wie bei den früheren handschriftlichen Betriebsaufträgen sind nicht mehr möglich. Bei der Fakturierung erfolgt gleichzeitig eine automatische Kontierung. Weitere Programme, die den Verwaltungsaufwand noch mehr senken sollen und auch eine Schwachstellenanalyse zum Ziel haben, sind in Vorbereitung.

Das Duisburger Waggon-Reparaturwerk gehört der VTG Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH mit dem Sitz in Hamburg. Die Tochtergesellschaft der Preussag AG beschäftigt sich mit der Vermietung von Eisenbahnspezialwagen für flüssige und gasförmige Ladegüter verschiedenster Art, der Lagerung und dem Umschlag in Tanklagern und Speditionslagern und dem Transport in Binnen-Schiffen und Tankcontainern. VTG ist der mit Vermieter von Kesselwagen mit einem Waggonwerk von rund 21000 Einheiten. Reparaturwerke werden in Duisburg und Amstetten/Württemberg unterhalten, die auch die Regeluntersuchungen (eine Art TÜV) durchführen. In Duisburg arbeiten auf einem Betriebsgelände von rund 30 000 Quadratmetern rund 80 Mitarbeiter.

Die Abteilung KDV der Preussag AG betreut auf dem EDV-Sektor alle zum Konzern gehörenden Firmen. Das DV- Konzept ist zweistufig. Bestimmte Firmen nehmen die Dienste des kozerneigenen Rechenzentrums in Hannover das mit einer IBM 370/158 bestückt ist, in Anspruch (RJE-Betrieb). Andere haben einen eigenen Kleinrechner. Das VTG-Reparaturwerk Duisburg fällt vom Datenvolumen und Aktualitätsbedürfnis her eindeutig in die Kategorie der Anwender von hauseigenen Kleinsystemen (Minicomputer). Die erforderliche Hardware wurde von der Konzernmutter gekauft und an Tochtergesellschaft weitervermietet. Ein System von Digital Equipment wählte man aus verschiedenen Gründen. An anderen Standorten arbeiten bereits DEC-Systeme unter MUMPS 11 zufriedenstellend, mit ähnlich gelagerten Programmen, die teilweise übernehmbar waren. Die Programmierer sind schon mit MUMPS 11 vertraut. Es handelt sich dabei sowohl um ein modular aufgebautes speicherresidentes Betriebssystem für Timesharingbetrieb und segmentiertes Multiprogramming, als auch um eine interpretierende Programmsprache. Der Benutzer braucht weder Daten zu strukturieren noch die Ein- und Ausgabe selbst zu organisieren. Lediglich die hierarchische Datenstruktur und die Logik der Verarbeitung sind zu definieren.

Beim VTG-Waggonreparaturwerk Duisburg wurde folgende Konfiguration installiert:

Zentraleinheit PDP-11/34 mit 96 KB Hauptspeicherkapazität;

zwei Magnetpllatenlaufwerke RK05 Gesamtkapazität 7,5 MB;

vier Bildschirmarbeitsplätze VT 52 (je 1920 Zeichen);

Zeichendrucker LA 180 mit einer Leistung von 180 Zeichen in der Sekunde.

Auf der Basis eines Fünf-Jahresvertrages beträgt die Monats -Hardwaremiete einschließlich Kundendienst 4400 Mark. Die Bildschirmarbeitsplätze sind mobil und können über ein weitverzweigtes Steckdosensystem an jeder gewünschten Stelle in Betrieb und Verwaltung aufgestellt werden. Derzeit ist ein Terminal der Fakturierung zugeordnet, eins steht in der Arbeitsvorbereitung, ein weiteres in der Abnahmestelle. Das vierte wird seinen endgültigen Standort in der Materialwirtschaft erhalten, sobald das Programm "Materialbestandsführung" implementiert ist.

Klares Konzept

Bei der Realisierung eines DV-Projekts geht die Abteilung KDV der Preussag AG nach einem abgestuften Konzept vor: Es gliedert sich in die Phasen Vorstudie Systemplanung, Detailentwicklung, Programmierung und Einführung. Beim VTG-Waggon-Reparaturwerk Duisburg vergingen zwischen Projektbeginn (Sommer 1978) und voller Verfügbarkeit der ersten Programme rund elf Monate, wobei die Programmierung mit Test und Stammdatenerfassung fünf Monate beanspruchte, während die Einführung nur rund einen Monat dauerte. In der gesamten Projektierungsphase bestand ein enger Dialog zwischen der Konzerndatenverarbeitung und dem Anwender.

Zuerst wurden die regelzuuntersuchenden und teilweise zu reparierenden Waggons avisiert (im erstgenannten Fall schon einige Wochen vorher, bei Reparaturen ganz kurzfristig). Die Mitteilung enthielt den Grund des Wagenzulaufs; die Angaben, was gegebenenfalls zu reparieren ist; den Kostenträger und die Daten für den Wagenrücklauf. Sobald ein Waggon da war, nahm ein Meister den vorläufigen Befund auf (Tonband). Dann mußte der Betriebsauftrag geschrieben werden. Vor der Fakturierung waren Nachträge und die Materialentnahmen zu erfassen. Außerdem prüfte die Abnahmestelle die zu fakturierenden Betriebsaufträge in Bezug auf die Verrechnungszeiten und die Materialwerte. Das Mengengerüst: 250 -Arbeitsplätze, 3000 Arbeitsgänge, 2000 Materialien, 700 avisierte Waggons, monatlich 400 Wageneingänge und monatlich etwa 4000 Rechnungspositionen.

Vor Installation des Rechners wurden die gesamten Reparaturaufträge manuell abgewickelt. Die Rechnungen wurden nachträglich bei der VTG in Hamburg kontiert. Für die computerisierten Arbeitsabläufe baute man folgende Stammdaten-Dateien auf: Arbeitspläne (ein Arbeitsplan enthält bei Regeluntersuchungen alle auf einen bestimmten Wagentyp bezogenen Arbeitsgänge mit Vorgabezeiten und Verrechnungszeiten); Arbeitsgangdatei (Texte), Materialstammdatei; Kundendatei. Eine Sonderstellung nimmt die Textdatei ein. Sie ist auch eine Art Prüfdatei mit Zulaufgründen, Typen-Nummern, Kostenstellenzuordnungen etc. Auf "lebende" Vorgänge bezogen sind die Avisdatei, die Waggon-Eingangsdatei sowie die Dateien offene beziehungsweise erledigte Betriebsaufträge und verschiedene Dateien mit statistischen Daten.

Rationellere Arbeitsabläufe

Die von der Preussag-Konzerndatenverarbeitung geschaffenen Programme ermöglichen eine weitgehend integrierte Datenverarbeitung. Zunächst werden die Daten der avisierten Waggons in der Avis-Datei erfaßt. Den Eingang der Wagen meldet der Aufnahmemeister auf Tonband, das anschließend zur Datenerfassung auf Bildschirm herangezogen wird. Der Sachbearbeiter ist jetzt in der Lage, die Wageneingangsmeldung mit allen durch die Avise bekannten Angaben abzurufen. Die von einem Meister auf Tonband gesprochene Schadaufnahme wird von der AV ins Erfassungsprotokoll übertragen, wobei nur Kästchen angekreuzt zu werden brauchen. Bei der Datenerfassung über Bildschirmmasken erscheinen nach Eingabe der Wagennummer auf dem Display die bereits gespeicherten Informationen. Sobald sie durch die neuhinzugekommenen Daten ergänzt sind, kann der Betriebsauftrag (BA) von den für die Abnahme zuständigen Sachbearbeitern freigegeben und anschließend entweder erst im Konzept oder gleich endgültig geschrieben werden. Die AV gibt hierzu über Bildschirm entweder die Nummer des erforderlichen Arbeitsplanes oder die Nummern der auszuführenden Arbeitsgänge ein. Auch bei Aufruf eines Arbeitsplatzes werden die darin enthaltenen Arbeitsgänge einschließlich Vorgabe-Zeiten komplett ausgedruckt. EDV-mäßig kommt der Betriebsauftrag dann in die Datei "Offene Betriebsaufträge" und bleibt dort bis zur Fakturierung. Er kann zwischenzeitlich um Nachträge ergänzt werden.

Ist ein BA erledigt, prüft der Sachbearbeiter in der Fakturierabteilung, ob alle Nachträge und Materialentnahmen verbucht sind. Zu diesem Zweck ruft er den Betriebsauftrag auf seinem Bildschirm auf. Ebenfalls über Display geben die für die Abnahme zuständigen Sachbearbeiter den BA zur Fakturierung frei, wenn er hinsichtlich Verrechnungszeiten (sie erscheinen nur in der Rechnung, nicht im Betriebsauftrag) und Materialwerten in Ordnung ist. Dann wird ohne weitere Eingabe von Daten fakturiert und automatisch kontiert. Das richtige Fibu-Konto ergibt sich aus der Typ-Nummer, oder bei Fremdaufträgen aus der Kundennummer (VTG repariert auch Waggons, die sie nicht selbst vermietet). Erledigte Aufträge bleiben noch drei Monate für Rückfragen etc. in der Datei stehen.

Bis Ende 1980 sollen auch die Materialbestandsführung mit permanenter Inventur, die Bestelldisposition und die Stücklistenverwaltung auf dem System 530 laufen. Über einen DFÜ-Anschluß zum Großrechner des Konzerns in Hannover sind weitere Statistiken (unter anderem Reparaturkosten-Analyse und Schwachstellen-Analyse) geplant.

Zielsetzung erreicht

Für die EDV-Organisation des VTG-Waggon-Reparaturwerkes Duisburg formulierte der Anwender vor der Implementierung des DEC-Systems folgende Zielsetzungen:

Allgemein:

Reduzierung der Reparaturkosten durch Abbau der nicht notwendigen Arbeiten und zentrale Analyse.

- Schaffung von eindeutigen Arbeitsunterlagen (Betriebs-, Wagenpapiere)

- Keine Fehlinterpretationen

- Reduzierung der Verwaltungskosten

Speziell:

- Rationalisierung der Verwaltungsarbeiten in der Arbeitsvorbereitung und bei der Fakturierung (Aufbau von Verbindungsinformationen)

- Erhöhung der Auskunftsbereitschaft durch ein Dialog-(Abfrage-)System

- Reduzierung des Beleganfalls und der Karteiarbeiten

- Verbesserung der Kommunikation zwischen Hamburg und Duisburg beziehungsweise innerhalb des Werkes Duisburg

Soweit für diese Vorhaben bereits Programme vorhanden sind, wurden die vorgegebenen Ziele erreicht. Die Vorteile der Dialogverarbeitung und des Bildschirmauskunftssystems werden allerdings erst voll zum Tragen kommen, wenn auch die Materialbestandsführung auf EDV möglich sein wird. Mit der Hardware von Digital Equipment ist man in Duisburg zufrieden. Die Systemverfügbarkeit ist sehr hoch. Die von der Preussag-Konzerndatenverarbeitung geschaffenen Programme - sie basieren auf sorgfältigen Analysen - entsprechen ebenfalls den Vorstellungen des Anwenders.

Ulf Bauernfeind ist freier EDV-Fachjournalist