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04.11.1994

Wahl zwischen Unix, Windows NT und OS/2 faellt schwer Oesterreichische Bank vertraut auf dezentrale DV-Architektur

FRANKFURT/M. (ade) - Die Client-Server-Umgebung gewinnt auch im bisher von zentralen Strukturen dominierten Bankenwesen zunehmend Befuerworter. Die Erste Oesterreichische Spar-Casse-Bank AG, Wien, hat ihren proprietaeren Grossrechnersystemen groesstenteils Lebewohl gesagt und sich auf den Weg zu offener DV gemacht.

"Durch moderne Informationstechnik haben wir unseren Ertrag auf das Vier- bis Fuenffache gesteigert", freut sich Erwin Standl, Bereichsleiter Organisation bei der oesterreichischen Bank, ueber den bisherigen Verlauf des Projekts. Ertraege habe das auf Retail- Geschaefte spezialisierte Geldinstitut vor allem durch eine massgeschneiderte Beratung im Provisions- und Wertpapiergeschaeft erzielt. Mit Hilfe von PC-gestuetzten Simulationsrechnungen und Grafikdarstellungen liessen sich aktuelle Daten heute besser praesentieren.

Unix-Derivate sind Bank zu proprietaer

Gaenzlich konnte die Erste Oesterreichische Spar-Casse-Bank AG auf ihre Grossrechner vorerst nicht verzichten. Nach wie vor sind drei Unisys-Hosts vom Typ "Liberty" mit 32 MIPS und 176 MB Hauptspeicher im Einsatz. Zusaetzlich leistet ein IBM-System mit 20 MIPS seine Dienste. All diese Rechner werden Standl zufolge hauptsaechlich fuer die Datenhaltung verwendet. Eine Verbindung zu den PCs erfolgt via FTS. Zudem mussten die Unisys-eigene Kommunikationsarchitektur DCA und das damit verbundene Uebertragungsprotokoll U-100 durch das SNA-Protokoll SDLC ersetzt werden.

Um sich schrittweise der offenen DV naehern zu koennen, waren zunaechst Investitionen angesagt. Eine Aufruestung von rund 1900 PC- Arbeitsplaetzen auf 16 MB Hauptspeicher und entsprechende Plattenkapazitaet kostete die Bank ausser Geld vor allem eines - viel Arbeitszeit fuer die Techniker, so Standl. Insgesamt verfuegt das oesterreichische Geldinstitut nun ueber 2700 Windows-PCs der 386- und 486-Serie.

"386er mit 4 MB Hauptspeicher reichen fuer die Applikationen bald nicht mehr aus", begruendet der Bereichsleiter die Investitionen. Zusaetzlich sind derzeit etwa 220 NCR-Server der Serie 450 und 650 mit dem Betriebssystem Unix im Einsatz. Die vernetzte Struktur der Bank und ihrer Filialen basiert auf lokalen Netzen mit Token Ring und Netbios/Netbeui sowie auf Wide-Area-Netzen mit Standleitungen und SNA beziehungsweise X.25.

Nach der PC-Aufruestung steht der Bank jetzt ein Betriebssystem- Wechsel ins Haus. "Unix hat den Vorteil", so der Bereichsleiter,

"dass es das Betriebssystem ist, das die Mitarbeiter der Bank am besten kennen." Trotzdem kommt fuer Standl diese Loesung nicht mehr in Frage. Im Grunde, so der Bereichsleiter, sind die Unix-Derivate proprietaer. Dadurch sei die Bank auf einen Lieferanten festgelegt. Schlechte Erfahrungen hat das Wiener Geldinstitut offensichtlich bereits gemacht. Die NCR-Tower wurden aus der Produktion genommen, kein kompatibles Nachfolgeprodukt angeboten und das in Aussicht gestellte Upgrade von Unix V.3 auf V.4 aufgegeben, kritisiert Standl.

Unschluessig sind sich die Oesterreicher bis dato noch darueber, welchem neuen Betriebssystem sie ihr Vertrauen schenken sollen. Fuer Windows NT spreche die Kompatibilitaet zu den Windows- Arbeitsplaetzen. Viele Anwendungen, die heute auf Workstations laufen, koennten ohne grossen Aufwand auch auf den Servern zum Einsatz kommen. Auch das externe Software-Angebot fuer Microsofts Betriebssystem sei zufriedenstellend. Die Einschraenkungen liegen, so Standl, derzeit allerdings bei bankspezifischen Applikationen. Dort herrsche noch ein Defizit. Ein Einstieg mit OS/2 andererseits bringe zusaetzlichen Portierungsaufwand mit sich. Standls Resuemee: "Wir haben zur Zeit 20 Testkonfigurationen im Einsatz, koennten jedoch 50 gebrauchen."

Interne Schwierigkeiten gibt es momentan auch, was die Akzeptanz des Client-Server-Systems bei den Mitarbeitern betrifft. "Viele Angestellte", so Standl, "haben den Sprung zu den PCs und der damit verbundenen dezentralen Verarbeitung noch nicht richtig verdaut."