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23.11.2004

Wal-Mart zahlt RFID-Lehrgeld

Zulieferer beklagen unausgereifte Technik, fehlende Standards und teure Chips.

Die von Wal-Mart gesetzte Deadline rückt näher, doch bei den Lieferanten des Handelsriesen hält sich die Begeisterung für die Einführung der Radio Frequency Identification (RFID) in Grenzen. Nicht einmal jeder dritte ist in der Lage, bis Ende Januar die Funkfrequenzerkennung in seiner Infrastruktur abzubilden, so Patrick Sweeney, CEO des auf die berührungslose Identifikationstechnik spezialisierten Software- und Dienstleistungsunternehmens Odin Technologies LLC. Die restlichen 70 Prozent beschränkten sich darauf, die RFID-Chips beim Beladen der LKWs auf die Packungen zu kleben - eine Praxis, die im Fachjargon "Slap and Ship" genannt wird.

Für manche Produkte ungeeignet

Wal-Mart hatte schon im Juni 2003 verkündet, dass seine 100 wichtigsten Lieferanten ab Januar 2005 ihre für drei ausgewählte Distributionszentren bestimmten Kisten und Paletten mittels RFID-Etiketten kenntlich machen müssten. Den eigenen Pilotversuch hat das weltgrößte Handelsunternehmen im Mai dieses Jahres gestartet - zusammen mit den Lieferanten Gillette, Hewlett-Packard, Johnson&Johnson, Kimberly-Clark, Kraft Foods, Nestle Purina Petcare, Procter & Gamble sowie Unilever.

Diese acht Hersteller experimentieren bereits seit längerem mit der Funkfrequenztechnik. Trotzdem sind auch sie nicht restlos von deren Vorteilen überzeugt. Unter anderem geben sie zu bedenken, dass die berührungslose Identifikation nicht für jedes Produkt geeignet sei. Wie Mike O?Shea, Direktor für RFID-Strategien bei Kimberly-Clark, moniert, absorbieren weiche Baby-Wischtücher die Funksignale. Ähnliches gelte für flüssige und feuchte Stoffe, ergänzt Simon Ellis, Supply-Chain-Visionär beim Pflegeprodukthersteller Unilever.

Ebenfalls nicht gerade akzeptanzfördernd wirkt sich aus, dass die mit Miniantennen ausgestatteten Funketiketten immer noch ziemlich teuer sind. Einen Stückpreis von 40 Cent vorausgesetzt, kosten die Chips einen Lieferanten, der jährlich 15,6 Millionen Kisten und Paletten an Wal-Mart verkauft, insgesamt 7,6 Millionen Dollar pro Jahr, hat die Forrester-Research-Analystin Christine Overby ausgerechnet. Und diese Kosten dürfen die Hersteller nicht an den Handelskonzern weitergeben.

Wal-Mart geht vielmehr davon aus, dass die Lieferanten die Kosten durch effektivere Prozesse wieder hereinholen. Aber diese Hoffnung könnte sich als Illusion erweisen - vor allem für diejenigen, die nicht Videorecorder, sondern Toilettenpapier herstellen. "Viele Anbieter von Massengütern haben Probleme, einen Business Case zu definieren", konstatiert Overby. "Die Projekte kosten eine Menge Geld, und sie werden dadurch erschwert, dass sich die Technology als ein bewegliches Ziel erweist."

Für RFID-Chips und -Reader gibt es derzeit keine verbindlichen Standards, so dass die Funketiketten jeweils von unterschiedlichen Lesegeräten erfasst werden müssen. Die nächste Chipgeneration ("Gen 2"), die den Spezifikationen des Electronic Product Code (EPC) entsprechen soll, wird aber frühestens zur Mitte des kommenden Jahres erwartet.

Offiziell zeigt sich Wal-Mart von den Problemen seiner Lieferanten unbeeindruckt. Gegenüber dem "Wall Street Journal" versicherte der weltgrößte Handelskonzern, dass bis auf zwei Problemfälle alle 100 Hersteller die Ziellinie passieren würden. Zudem wollten sich 38 ursprünglich gar nicht berücksichtigte Zulieferer freiwillig anschließen. Um der negativen Grundstimmung entgegenzuwirken, bietet der Handelskonzern jedoch an, jedem einzelnen Produzenten bei der Beseitigung von Hindernissen zu helfen. Darüber hinaus munkelt die Branche, dass Wal-Mart zunächst schon zufrieden wäre, wenn jeder Partner zwei Drittel der in Frage kommenden Lieferungen mit Funkchips kennzeichnen würde.

Trotz aller Hindernisse halten viele Industriebeobachter die RFID-Technik für die nächste große Welle, auf der die Rationalisierungsbemühungen der Industrie reiten werden. Die von physischem und visuellem Kontakt unabhängige Objektidentifikation soll die gesamte Lieferkette transparenter machen und helfen, die Lagerbestände der Nachfrage anzupassen, also übervolle oder falsch bestückte Läger und leere Regale zu verhindern. Neben Wal-Mart gehört die Metro Group zu den Pionieren auf diesem Gebiet.

Auch in andere Branchen wird die Technik über kurz oder lang Einzug halten. Dank eingeschweißter RFID-Chips sollen beispielsweise die Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fälschungssicher werden. Und wie kürzlich bekannt wurde, lotet die Food and Drug Administration (FDA) der USA momentan die Anwendungsmöglichkeit zur Verhinderung des Medikamentenschwarzhandels aus. (qua)