Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.06.1994

Walker: "Mit Visual Basic laesst sich mehr machen, als viele denken" Windows NT ist auf Hilfe der Solutions Provider angewiesen

Microsoft draengt mit Windows NT in den Markt fuer kommerzielle DV. Die dafuer noetigen Anwendungen sollen sogenannte Solutions Provider entwickeln. Dwayne Walker, General Manager Solutions Sales & Marketing, faellt die Aufgabe zu, Softwarehaeuser zu ueberzeugen, kuenftig Windows- anstatt Unix- oder OS/400-Anwendungen zu schreiben. CW-Redakteur Hermann Gfaller sprach mit dem Microsoft- Manager.

CW: Was ist der Sinn des Solutions-Provider-Programms?

Walker: Frueher diente der PC der Produktivitaet des jeweiligen Benutzers, heute der des gesamten Unternehmens. Da reicht es nicht mehr, Textverarbeitungen zu verkaufen. Die Anwender brauchen Loesungen fuer ihre Geschaeftsprozesse. Das koennen wir nicht. Wir liefern lediglich die Basistechnik. Die Loesungen sollen die derzeit rund 5300 Solutions Provider erstellen.

CW: Das heisst, dass Sie in ein Geschaeft einsteigen wollen, in dem bisher vor allem die Anbieter von Midrange-Systemen stark waren.

Walker: Genau. PCs loesen heute Abteilungsrechner wie die IBM /36- Reihe, die AS/400-Maschinen, VAX-Systeme und Unix-Rechner ab. Die Kunden sind nicht auf Architekturen fixiert, sondern auf moeglichst preisguenstige Loesungen. Das ist unsere Marktluecke. Damit das funktioniert, muessen wir einerseits dafuer sorgen, dass Anbieter wie SAP ihre Produkte auf Windows NT portieren. Andererseits regen wir die Entwicklung neuer Client-Server-Anwendungen an.

CW: Ihre Partner werden aber nur dann NT-Applikationen entwickeln, wenn es genug Kunden fuer das Betriebssystem gibt. Bill Gates wollte im ersten Jahr eine Million NT-Lizenzen verkaufen. Erreicht er dieses Ziel?

Walker: Das Jahr ist noch nicht ganz um. Was ich sagen kann, ist, dass wir zur Zeit gut ueber 500 000 Lizenzen ausgeliefert haben. Lassen Sie es mich so ausdruecken: Der Client-Server-Markt boomt, davon profitieren Unix und Netware, aber auch Windows NT.

CW: Sehen Sie sich als kuenftigen Marktfuehrer bei Client-Server- Betriebssystemen?

Walker: Dieser Markt bleibt heterogen. Es wird keinen eindeutigen Gewinner geben.

CW: Wichtig fuer Ihre Partner ist auch, ob es gute Tools fuer die Software-Entwicklung gibt. Nun ist Visual Basic nicht unbedingt mit den im Server-Markt weit verbreiteten CASE-Methoden und 4GL- Werkzeugen vergleichbar.

Walker: Niemand kuemmert sich um Methoden, solange es sich nur um Desktop-Anwendungen handelt. Wenn wir auf Abteilungsebene Erfolg haben wollen, brauchen wir eine umfassendere Entwicklungsumgebung. Deshalb haben wir das Microsoft Solutions Framework, kurz: MSF, entwickelt. Dabei geht es um Kernfunktionen fuer Business Process Re-Engineering und um skalierbare Programmierung. Aber das laeuft erst an.

CW: Visual Basic gilt als Werkzeug zur raschen Erstellung von Programmen, die sich spaeter nur schwer pflegen lassen. Womit also sollen die Entwickler ihre Programme schreiben?

Walker: Mit Visual Basic laesst sich mehr machen, als viele denken. Ausserdem wird es fuer die Anforderungen von unternehmenskritischen Anwendungen optimiert. Wir arbeiten auch an Funktionen fuer das Datenmanagement. Neben strukturierten koennen bald auch unstrukturierte Daten wie Tonsequenzen und Bilder verarbeitet werden. Dazu muessen wir unsere Werkzeuge mit einer Repository- Technik ausstatten. Eine offizielle Ankuendigung gibt es aber noch nicht.

CW: Wie konkret ist die Repository-Entwicklung?

Walker: Wir haben unseren Kunden ein Produkt fuer 1995 versprochen.

CW: Ein weiterer wichtiger Punkt fuer den Erfolg im Server-Bereich sind Datenbanken.

Walker: Die Produkte von Informix, Oracle und Sybase laufen auf NT. Allein mit unserem SQL Server arbeiten inzwischen 50000 Server-Systeme.

CW: Sie rechnen hier offensichtlich all die OS/2-Installationen ein, die bereits seit rund fuenf Jahren am Markt sind.

Walker: Ja. Fuer die Solutions Provider ist allerdings wichtiger, dass unter der Codebezeichnung "SQL 95" eine Daytona-Version der SQL-Server-Datenbank fuer verteilte DV entsteht. Die unternehmensweite Verteilung von unstrukturierten Daten wird im "Touchdown"-Projekt realisiert.

CW: Das klingt nach OLE-Funktionen*...

Walker: Richtig. Das ist die Basistechnologie.

CW: Dann steht Touchdown in Konkurrenz zu der Opendoc-Initiative von IBM, Apple und Wordperfect, die sich auf die offene Request- Broker-Technik stuetzt und OLE nur auf der Desktop-Ebene einbezieht.

Walker: Es stimmt, dass der Request Broker im unternehmensweiten Einsatz bei heterogenen Plattformen einige Vorteile hat. Um sie nutzen zu koennen, liefert uns DEC eine entsprechende OLE- Erweiterung. Man wird sehen, welche Technik sich durchsetzt.

*Object Linking and Embedding (OLE) ist eine Microsoft-Technik zum Austauschen von Informationen zwischen Windows-Programmen und zur Erstellung sogenannter Compo und Documents aus Schrift, Ton und Bild.

Maengel von Visual Basic

Zweifel an der Eignung von Visual Basic als Werzeug zur Entwicklung kommerzieller Anwendung aeussert Martin Butler, Chef des britischen Marktforschungsunternehmens Butler Group. Er hat eine kurze Liste wesentlicher Maengel zusammengestellt. Danach gibt es

- keine einfachen Zugriffsmoeglichkeiten auf High-Level- Datenbanken,

- keine Unterstuetzung von Teamarbeit,

- kein Data-Dictionary* zur Unterstuetzung von Domains, Relationen, Felddefinitionen etc.,

- keine Systemdokumentation und

- keine sinnvollen Werkzeuge zur Verwaltung und Strukturierung von Code.

Ausserdem sei Visual Basic

- zu sehr auf Praesentation ausgerichtet,

- weit schwieriger zu bedienen als 4GL-Werkzeuge und

- nur unter Windows zu nutzen.

*Ein Repository soll das aendern (vgl. Interview).