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05.01.1984 - 

Börse wird einige Technologie-Aktien noch vom Sockel holen:

Wallstreet-Entwicklung für 1984 umstritten

LEINEN (hr) - Das Jahr 1983 hat zumindest in Wallstreet gezeigt, daß Kursgewinne bei Aktienengagements nicht mehr ohne weiteres in den Schoß fallen. Rein statistisch hat das Börsenjahr dort und an den meisten anderen Aktienmärkten im langjährigen Vergleich ausgezeichnet abgeschnitten. Doch die gemeinhin beobachteten Indices sagen nur die halbe Wahrheit. So zeigen sie zum Beispiel nicht, welche katastrophalen Kurseinbußen besonders die amerikanischen Technologiewerte im weitesten Sinne etwa von der Jahresmitte an hinnehmen mußten.

Der unvermeidliche Ausleseprozeß, der nach den scharfen Kurssteigerungen in diesem Bereich kommen mußte, hat nicht nur die eine oder andere Aktie auf ihre Ausgangsposition im Sommer 1982 zurückgeworfen, sondern einige Papiere auch ganz von der Bildfläche verschwinden lassen. Damit korrigierte die Börse überzogene Erwartungen und Exzesse, die im Zuge einer zyklischen Hausse zwangsläufig auftreten.

In Wallstreet ist wenigstens im Technologiebereich die Spreu bisher nur recht grob vom Weizen getrennt worden, wie manche Analytiker meinen.

Die Auslese wird nach ihrer Ansicht voranschreiten und noch so manches Papier vom Sockel holen. Zugleich dürften zahlreiche Aktien dieser Gruppe neu entdeckt werden und wie Kometen aufsteigen. Alles in allem werden die Anleger aber wohl nur mit Papieren von Unternehmen ruhig schlafen können, die solide finanziert sind und deren Ertragsentwicklung einigermaßen voraussehbar ist.

Ganz allgemein müssen sich auch die Technologiewerte der allgemeinen Börsentendenz in Wallstreet unterordnen. Wie sie aussehen wird, ist unter den Experten sehr umstritten. Wohin die Reise geht, dürfte entscheidend von der Zinsentwicklung abhängen. Gerade diese Frage ist aber Gegenstand sehr kontroverser Diskussionen.

Geht man einmal vom günstigsten Fall aus und setzt auf spürbar sinkende Sätze, so bleibt auch dann noch die Frage, ob der amerikanische Aktienmarkt die Kraft haben wird, wenigstens im ersten Halbjahr 1984 wesentlich weiter voranzukommen. Viele Börsianer bezweifeln dies. Sie erwarten zwar noch einen Vorstoß nach oben, der die führenden Indices leicht über ihre bisherigen Rekordhöhen hinaustragen könnte, doch sehen sie danach eine größere Korrektur nach unten hin aufziehen.

Für nichtamerikanische Anleger stellt sich neben der Tendenzbestimmung noch eine andere wichtige Frage: Wie wird sich der Dollar 1984 entwickeln? In den beiden vergangenen Jahren wurden Ausländer die Kursgewinne in Wallstreet durch zum Teil beachtliche Gewinne aus den veränderten Wechselkursverhältnissen noch versüßt. Es besteht aber kein Zweifel darüber, daß der derzeit gegenüber den führenden anderen Währungen herrschende Dollarkurs nicht mehr ohne weiteres gerechtfertigt werden kann. Dafür sind die Defizite in der amerikanischen Handels- und in der Leistungsbilanz zu hoch geworden.

Der Dollar kann wegen der unverändert attraktiven realen Zinsen und auch aus politischen Gründen durchaus noch weiter anziehen, doch dürfte der Anstieg gegenüber den einzelnen Währungen noch differenzierter verlaufen, als es in den vergangenen Monaten zu beobachten war. Damit stellt sich die Frage, ob Anleger, die zum Beispiel D-Mark in Dollar tauschen müssen, um sich in amerikanischen Aktien engagieren zu können, keinem überhöhten Wechselkursrisiko ausgesetzt sind. Fragen muß man sich auch, was geschieht, wenn der Dollar schließlich ins Rutschen kommt.

Die immens hohen Anlagegelder, die in den vergangenen Jahren vor allem hohen Zinsen wegen in Dollar-Titeln "geparkt" wurden, werden dann wohl Zuflucht in anderen vergleichsweise starken Währungen suchen und die Wertpapiermärkte in deren Heimatländern anheizen.

Nutznießer einer solchen Entwicklung werden die Aktien- und die Rentenmärkte in Japan, der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland sein, wie Experten meinen.

Man vermutet, daß vor allem an den Aktienmärkten dieser Länder rein analytische Bewertungsfragen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, wenn der Zufluß an vagabundierenden Geldern erst einmal in Gang gekommen ist. Daß deutsche und japanische Technologieaktien dann, wenn ein solcher "Anlagenotstand" eintritt, mit zu den Hauptnutznießern zählen werden, gilt als sehr wahrscheinlich.