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11.11.1983 - 

Weder in der Konjunktur noch an der Börse wachsen die Bäume in den Himmel:

Wallstreet sieht inzwischen auf Qualität

MÜNCHEN (hr) - Überzogene Erwartungen fordern ihren Preis: Einem Korrektur- und Reinigungsprozeß fallen nun auch Aktien herausragender Unternehmen zum Opfer. Schon seit Monaten raten erfahrene Börsianer spekulative Papiere links liegen zu lassen.

Dies ist auch der Grund dafür, daß sich der Dow Jones für Industriewerte gegenüber den anderen führenden amerikanischen Indices zunächst überdurchschnittlich gesteigert und zuletzt vergleichsweise gut gehalten hat. Der Dow Jones setzt sich nämlich fast ausschließlich aus Aktien von Gesellschaften zusammen, die solide finanziert sind und deren Ertragsentwicklung recht zuverlässig vorauszuberechnen ist.

Durch den Kauf dieser Qualitätsaktien möchten die Anleger Unfällen", wie sie in den vergangenen Monaten in spektakulärer Form besonders in der Gruppe der Technologiewerte zu beobachten waren, aus dem Wege gehen. In Wallstreet vermutet man, daß der Hang zur Qualität die Tendenz dort noch über Monate hin prägen wird. Dies schließt zwar nicht das, daß auch spekulativere Gruppen der einzelne Aktien dieser Gattung von Zeit zu Zeit wieder aus der Versenkung auftauchen, doch wird es sich dann wahrscheinlich nur um Scheinblüten handeln.

Langzeitsignale

Kurseinbrüche, wie sie zum Beispiel viele Technologiewerte und Rohstoffaktien durchgemacht haben, sind gewöhnlich Langzeitsignale. Sie hinterlassen tiefe Spuren auch im Bewußtsein der Anleger, deren Toleranzgrenzen durch die zahlreichen Enttäuschungen der jüngsten Vergangenheit überschritten worden sind. Erfahrene Charttechniker, die sich nach den Aussagen der grafischen Kursdarstellungen richten, behaupten, daß es mindestens sechs bis zwölf Monate dauern dürfte, bis zum Beispiel die gesamte Technologiegruppe reif ist für einen neuen soliden Aufschwung. Ausnahmen werden die Papiere von Unternehmen bilden, deren Qualität außer Zweifel steht, die überraschend mit neuen erfolgsträchtigen Entwicklungen aufwarten können oder die von anderen aufgekauft werden.

Wenn es zutrifft, daß es mindestens sechs Monate dauert, bis sich die Technologiegruppe von den bereits erlittenen oder noch einzusteckenden Blessuren erholt hat, stellt sich die Frage, ob sich ihnen im laufenden Haussezyklus in Wallstreet überhaupt noch eine Chance für neue nennenswerte Kurssteigerungen bietet. Fundamentale und technische Erwägungen deuten nach Meinung vieler Analytiker nämlich darauf hin, daß die Aufwärtsbewegung, die im August 1982 begonnen hat, irgendwann in der ersten Hälfte des nächsten Jahres endet.

Ein Grund für diese Vermutung ist der sogenannte "Präsidentschaftszyklus", der den amerikanischen Aktienmarkt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs so regelmäßig und beharrlich geprägt hat wie kein anderer Aspekt. Diese Theorie, von der in den kommenden Monaten immer häufiger die Rede sein wird, gründet sich auf die Beobachtung, daß ein Präsident oder eine Partei, die an der Macht ist und (wieder-)gewählt werden will, mit tatkräftiger Unterstützung der Notenbank vor der Wahl für ein möglichst gutes Konjunkturklima sorgt, um die Wählermassen für sich zu gewinnen.

Wenn dann mit dem Wahltag die Party vorüber ist, läßt die Notenbank gewöhnlich den Sekt abräumen, wobei es letztlich keine Rolle spielt, wer die Wahl gewonnen hat. Sie drosselt die Liquidität, die zuvor reichlich sprudelte, und sorgt damit auf der monetären Seite für Ernüchterung und Disziplin. Und die alte oder neue Regierung begibt sich in der Regel daran, vorausgegangene politische und fiskalische Exzesse zu beschneiden. Dieses immer wiederkehrende Spiel ist natürlich ganz besonders der Börse nicht verborgen geblieben. So spricht denn nach Ansicht vieler Beobachter manches dafür, daß der Aktienmarkt die von November 1984 an drohende enthaltsamere Gangart in Washington mit dem üblichen Vorlauf von etwa sechs Monaten in den Kursen vorwegzunehmen.