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Nicht John Cunningham wird President, sondern ein GE-Manager:


01.09.1989 - 

Wang beruft Branchenfremden an die Spitze

LOWELL (IDG) - Bei den in schwere finanzielle Bedrängnis geratenen Wang Labs hat sich nicht nur, wie bereits kurz gemeldet, das Verhältnis zu den Banken wieder entspannt; auch ein Sanierer ist gefunden. Der Mann, der das DV-Unternehmen auf Vordermann bringen soll, heißt Richard Miller und hat sich in der Konsumgütersparte von General Electric einen Namen gemacht.

Der neue Topmanager in Lowell ist mit Firmengründer An Wang weder verwandt noch verschwägert, kommt nicht aus dem Unternehmen, nein, nicht einmal aus der Branche. Richard W. ("Rick'') Miller, 48 Jahre alt, wurde als echter Outsider auf den Präsidentenstuhl bei Wang berufen. Der einstige RCA-Manager hat zwar keine Erfahrung aus dem DV-Bereich vorzuweisen, gilt dafür aber in Wall-Street-Kreisen als geschickter und anpassungsfähiger Geschäftsführer.

Bei RCA hatte Miller, seit 1982 Finanzvorstand, 1985 die Verantwortung für die Sparte Consumer Products and Entertainment übernommen. Nach dem Erwerb seiner Firma durch den General-Electric-Konzern im Jahr 1986 berief ihn GE-Boß Jack Welch zum Chef des Geschäftsbereichs Consumer Electronics: Er sollte die entsprechenden Divisions von

RCA und GE zu einer profitablen Einheit verschmelzen. Miller reüssierte und blieb bis 1988: Nachdem seine Abteilung, deren Geschäftsvolumen von über drei Milliarden Dollar mit Wangs Umsatz vergleichbar war an den französischen Thomson-Konzern verkauft worden war, wechselte er in die Investment-Branche.

Millers Berufung vorausgegangen waren Spekulationen, daß John F. Cunningham nach Lowell zurückkehren werde. Dem "Wall Street Journal" zufolge soll der Ex-Wang-President jedoch ein so saftiges Honorar bei Gewährung weitreichender Vollmachten gefordert haben, daß man lieber auf den branchenfremden Kandidaten zurückgriff, den der New Yorker Headhunter Thomas Neff empfohlen hatte. Die fehlende DV-Erfahrung kreiden professionelle Wang-Beobachter Miller nicht an. "Wang braucht nicht unbedingt einen Technologen", sagte der Analyst David Wu von S. G. Warburg & Co. in New York, "es muß jemand her, der Ahnung vom Abspecken hat." Daß der Harvard-Absolvent und Finanzprofi diese Ahnung hat, davon sind amerikanische Branchenbeobachter überzeugt.

Bevor er sich für den neuen Job entschied (von dem er jetzt sagt, er hätte ihn nicht angennomen, wenn er Angst gehabt hätte, zu scheitern) hatte sich Miller vorsichtshalber mit wichtigen Wang-Kunden und -Geldgebern zusammengesetzt. Mit der Anfang vergangener Woche abgeschlossenen Kreditvereinbarung hat der neue Geschäftsführer erst einmal Luft zu Atmen. Damit dies auf längere Sicht so bleibt, will der Wang-Feuerwehrmann "nicht-strategische Liegenschaften" abstoßen - mit anderen Worten: nach Nixdorf-Vorbild in Immobilien gebundenes Kapital flüssig machen. Im Gespräch ist zudem der Verkauf der Leasing-Abteilung. Eine der heikelsten Aufgaben wird jedoch die drastische Kürzung der Personalaufwendungen sein - nicht nur in den Werken, auch in den Headquarters in Lowell steht nach Ansicht von Analysten eine massive Entlassungswelle bevor.

Auch ein altbekannter Wang-Mann ist übrigens von der Payroll gestrichen: lan Diery, einst in der Europazentrale und zuletzt als Chef der "Worldwide Operations" für alles verantwortlich, was bei Wang außerhalb der USA geschah, nahm seinen Hut, weil er es nicht geschafft hatte, unter Fred Wangs Ägide die Auslandstöchter in Schwung zu halten.