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Sanierungsplan soll Kuratell des Konkursgerichts beenden


26.03.1993 - 

Wang konzentriert sich kuenftig auf Software und Netzwerkservice

Mit dem Reorganisationsplan, der dem Bostoner Konkursgericht von Wang und dem Glaeubigerkomitee gemeinsam vorgelegt wurde, will der angeschlagene VS-Hersteller die Rekapitalisierung des Unternehmens sichern und den Schutz von Chapter eleven verlassen. Stimmen die Richter zu, wird der Office-Spezialist wahrscheinlich binnen der naechsten drei Monate das Kuratell der Konkursrichter abschuetteln koennen, wieder in eigener Verantwortung agieren und versuchen, mit einem neuen Geschaeftsschwerpunkt zu ueberleben.

Die neue Wang soll sich auf ihre Staerken besinnen

"Wir haben eine neue Wang geschaffen, die kleiner und staerker fokussiert ist", erklaerte Wang-CEO Joseph Tucci. Die Verantwortlichen haben sich vorgenommen, bei einem Umsatz von rund einer Milliarde Dollar bis zum Ende des Geschaeftsjahres 1994 (30. Juni ´94) wieder profitabel zu sein.

Die "neue" Wang werde sich auf ihre Staerken besinnen und kuenftig eine zweigliedrige Strategie verfolgen, erklaerte das Unternehmen. Zum einen sollen integrierte Imaging- und Office-Programme fuer offene Systeme vermarktet und entwickelt werden. Zum anderen will man sich einen Namen schaffen als Netzwerkintegrator und -service- Anbieter im Bereich der Buerokommunikationssysteme.

Mit dieser Strategie hofft Wang, von proprietaeren Systemen unabhaengiger zu werden und gleichzeitig vom Trend zu offenen Systemen und Client-Server-Architekturen zu profitieren. Die eigenen ebenfalls proprietaeren VS-Rechner sollen jedoch vorerst weiter von Wang geliefert und betreut werden. "Die im vergangenen Jahr angekuendigte VS-12000 wird ausgeliefert", erklaert Angelika Scheiffele, Sprecherin von Wang Deutschland. Offenbar will man die noch immer vorhandene VS-Klientel nicht vergraetzen. Mit der 12000- Serie, den dazugehoerigen Peripherieprodukten und entsprechender Software sollen die Investitionen dieser Kunden geschuetzt und ihnen spaeter ein geordneter Uebergang auf offene Systeme ermoeglicht werden, teilte der Mutterkonzern mit.

Die Vertraege mit den Hardwareherstellern IBM und Hewlett-Packard ueber den Vertrieb ihrer Produkte durch Wang behalten auch nach der Umorganisation ihre Gueltigkeit. Fuer IBM vertreibt Wang auf internationaler Ebene RS/6000-, AS/400- und PS/2-Systeme. Von HP hat der angeschlagene Office-Spezialist Workstations der Serie 9000 im Programm.

Der veraenderte Fokus bedinge auch den weiteren Abbau von Arbeitsplaetzen. Anstelle der heute weltweit 9300 Mitarbeiter will das in Lowell, Massachusetts, ansaessige Unternehmen kuenftig seine Geschaefte mit rund 6000 Mitarbeitern angehen. Bis wann die 3300 Stellen gestrichen werden sollen, steht noch nicht fest. Allerdings sollen 50 Prozent der ueberzaehligen Arbeitsplaetze in den USA abgebaut werden. "Wang Deutschland ist von diesen Kuerzungen kaum betroffen", berichtet Scheiffele, weil die Restrukturierungsmassnahmen hierzulande bereits so gut wie abgeschlossen seien.

Die Familie verliert ihren beherrschenden Einfluss

Neben den proprietaeren Altlasten befreit sich Wang durch Vereinbarungen mit den Glaeubigern auch weitgehend von der drueckenden Schuldenlast. Der vorgelegte Reorganisationsplan sieht die volle Auszahlung der erstrangigen Glaeubiger vor, denen Wang laut "Wall Street Journal" rund 50 Millionen Dollar schuldet. Die "unbesicherten" Glaeubiger - das sind die Inhaber von Stammaktien und Schuldverschreibungen -, bei denen der VS-Hersteller mit rund einer Milliarde Dollar in der Kreide steht, sollen Aktien der neu organisierten Gesellschaft erhalten. Besitzer von B- und C-Klasse-Aktien, zu denen auch die Familie Wang gehoert, erhalten Optionen mit siebenjaehriger Gueltigkeit. Sollten alle Bezugsrechte ausgeuebt werden, duerften die heutigen Aktionaere kuenftig einen 20prozentigen Anteil an der "neuen" Wang halten. Dem "Wall Street Journal" zufolge verliert die Familie Wang damit ihren beherrschenden Einfluss auf die Company. Uebt sie alle Optionen aus, kommt sie lediglich in den Besitz von fuenf Prozent des Aktienkapitals.