Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.10.1988 - 

Gewinnmeldung für dieses Geschäftsjahr sicher kein Irrtum:

Wang verdient in Deutschland wieder Geld

FRANKFURT (ujf) - In seinem ersten Geschäftsjahr hat Wangs neuer Deutschland-Chef, Horst Enzelmüller, das Etappenziel erreicht. Die Firma ist aus den roten Zahlen und redet bei den aktuellen Themen - etwa Standardisierung - wenigstens mit. Aber von dramatischen Steigerungsraten spricht bei Wang heute niemand mehr.

Ungewohnte Bescheidenheit im Hause Wang: Nur um sieben Prozent (auf 273 Millionen Mark) steigerte das Minicomputer- und Bürokommunikations-Unternehmen im Geschäftsjahr 1987/88 den bundesrepublikanischen Umsatz, und im laufenden Abrechnungszeitraum sollen es acht Prozent werden. Anders als sein oberster Boß will Horst Enzelmüller, seit Sommer 1987 Geschäftsführer der Wang Deutschland GmbH in Frankfurt, keine Prognose abgeben, bei der der Wunsch der Vater des Gedankens wäre. Mit illusorischen Zahlen, das weiß die Branche noch sehr gut, hatte sich Firmengründer An Wang vor nicht allzu langer Zeit schadenfrohe Kommentare eingehandelt.

Enzelmüllers Aufgabe bei Wang gehörte von Anfang an zu den schwierigen Jobs in der deutschen DV-Branche. Ein permanent unwirtschaftlich arbeitender Betrieb mit schlechtem Image, in dem sich die Manager die Klinke in die Hand gegeben hatten, harrte der Sanierung. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit trat der Feuerwehrmann kräftig daneben: Bei den für das Geschäftsjahr 1986/87 veröffentlichten Zahlen gerieten amerikanische und deutsche Buchführung durcheinander, aus Gewinnen wurden Verluste. Die Verwirrung um tatsächliche und vermeintliche Profite kratzte das ohnehin lädierte Wang-Image noch mehr an. Die Information, wer dem neuen Chef das Kuckucksei ins Nest gelegt hatte, drang nicht nach außen.

Inzwischen liegen gesicherte Zahlen vor: Nach rund 68 000 Mark Verlust im Vorjahr erwirtschaftete die Wang GmbH 1987/88 einen Jahresüberschuß in Höhe von 7,4 Millionen Mark - Folge von Enzelmüllers rigidem Sparkurs. Zwar liegt die bundesrepublikanische Umsatzrendite immer noch unter dem Konzerndurchschnitt von drei Prozent, und so gut wie das erste Quartal blieben die drei folgenden nicht. Doch daß überhaupt schwarze Zahlen zustande kamen, ist für Wang schon positiv: Das Geschäft im Stammland USA hat erneut einen operativen Verlust erbracht, der mit 123,4 Millionen Dollar die europäischen Erträge von brutto 146,1 Millionen Dollar fast wieder auffraß.

Damit die Umsätze in Zukunft (vielleicht langsam, aber sicher) wachsen, versucht Wang jetzt auf breiter Front mitzumischen, wo immer über Standards geredet wird - auch wenn Standards für den Deutschland-Geschäftsführer im Grunde "so langweilig wie Zement" sind. Unix zum Beispiel wird bei Wang zwar "kräftig gepusht" (siehe Seite 19, "Wang: Ankündigung ..."), doch Enzelmüller macht aus seiner Skepsis gegenüber den Chancen dieses Betriebssystems keinen Hehl - es muß halt sein, weil es bei vielen Ausschreibungen ein K.-o.-Kriterium ist.

Daß das Management des US-Computerbauers derzeit nirgendwo einen Zug verpassen will, bewies jüngst auch Wangs Vice-President of Communications Systems Development, Paul Demko. In Lowell, dem Sitz der Firma, sagte der Entwicklungsleiter: "Verträglichkeit mit (IBMs) SAA ist ein wichtiger Bestandteil unserer übergreifenden Strategie, Mehr-Hersteller-Systeme zu fördern."