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06.06.1975

Wann stirbt denn nun endlich die Lochkarte?

Vom EDV-Budget fallen runde 8 Prozent für die Datenerfassung ab. Extreme Kostenwerte bewegen sich zwischen 3 und 40 Prozent. Beleglesung, Direkteingabe und Datensammelsysteme verdrängen die Lochkarte, zumindest in der Groß-EDV. Aber auch am unteren Ende ist das bisherige Reservat der Lochkarte bedroht. Zunehmend werden Kleinsysteme eingesetzt, die tastatur-orientiert arbeiten. Jahrelang ging der Anteil der per Lochkarten erfaßten Informationen am Gesamtdatenvolumen ständig zurück. Dennoch wurden paradoxerweise von Jahr zu Jahr mehr Lochkarten verbraucht, weil das Gesamtdatenvolumen noch schneller stieg. Jetzt allerdings sind für die Lochkarte alle Kurven rückläufig.

Sicherlich wird man auch weiterhin Lochkarten brauchen, - für Steuer- und Vorlaufkarten, sowie für "so 'n paar alte Exoten". Und manch Anwender schwört noch immer auf Kartenlocher und -prüfer, insbesondere wenn es sich um neue, gepufferte handelt. Dennoch, der so oft vorhergesagte Tod der Lochkarte scheint jetzt nahe zu sein. Zumindest für die Vertriebsbeauftragten der Computer-Hersteller heißt die Losung: "Bildschirme an den Arbeitsplatz."

CW befragte fünf Praktiker.

Klaus-Dieter Körber, Leiter der EDV-Abteilung der Butter-Absatz-Zentrale, Niedersachsen e. G., Hannover

In unserem Hause haben wir ein Dialogsystem aus der MDT installiert, das sowohl für die Erfassung und Prüfung der Betriebsdaten als auch für deren Verarbeitung eingesetzt wird.

Ich bin ein Vertreter der Meinung, daß für die Erfassung und Kontrolle aller Daten ein intelligentes System eingesetzt werden sollte. Denken wir dabei einmal an die Auftragserfassung. Sie besteht bei uns unter anderem aus der programmabhängigen Abfrage von Warenbeständen und der Abfrage, ob für eine eingetastete Artikelnummer ein Konto besteht. Weil eine Bestandsabfrage sinnlos wäre, wenn der verfügbare Bestand nicht jederzeit dem letzten Stand entsprechen würde, erfolgt die automatische Bestandsfortschreibung bei der Eingabe der Artikelmenge oder bei nicht vorhandenem Bestand eine Rückmeldung an die Datenstation sowie eine Protokollierung durch dieselbe. Dieser Artikel wird ab sofort mit einem Sperrvermerk versehen. Nach erfolgtem Wareneingang wird der Sperrvermerk automatisch aufgehoben.

Die Vorteile eines solchen Systems liegen auf der Hand: hoher Datendurchfluß, niedrige Fehlerquote, ständige Aktualisierung der Datenbestände.

Betrachten wir nun noch die Markttendenzen, so müssen wir feststellen, daß heute hervorragende Datensammelsysteme sowohl von der Hardware als auch von der Software auf dem Markt sind. Die diesjährige Hannover Messe brachte zu dem ganz hervorragende Systeme auf den Markt, die der Datenerfassung und der Datenverarbeitung vollauf gerecht werden, dieses zu einem Preis/Leistungsverhältnis, das vor drei Jahren keiner für möglich hielt. Der Trend zu kombinierten Erfassungs- und Auskunftsystemen wird sich meines Erachtens noch stärker fortsetzen, wobei das Preis-/Leistungsverhältnis sich zu Gunsten der Anwender noch weiter verbessern wird.

Fazit: Die Lochkarte ist tot!

Andreas Henatsch, Leiter der EDV-Abteilung der Felten & Guilleaume, Carlswerk AG, Köln

In den letzten zehn Jahren hat die Lochkarte allen Unkenrufen getrotzt und sich als bei weitem wichtigster Datenträger der Datenerfassung behauptet.

Hier konnten sich die fortschrittlicheren Methoden wie Beleglesung, Dateneingabe über Taperecorder oder Online-Erfassung nur dort entwickeln, wo günstige Voraussetzungen waren.

Erst mit der Einführung der Datensammelsysteme vor zwei, drei Jahren neigt sich meiner Meinung nach ein Teil der Datenerfassung über Lochkarten ihrem Ende zu. Bei diesen Systemen lassen sich nämlich in bisher nicht erreichbarem Maße die Probleme der manuellen Datenerfassung angehen. Durch leicht programmierbare Kontrollen - Prüfziffernrechnung, Plausibilitäten, Saldierungen - können Belegfehler so rechtzeitig erkannt werden, daß sich die Korrekturen schnell und wenig aufwendig durchführen lassen. Bei konsequenter Anwendung aller Kontrollmöglichkeiten wird die Datenerfassung beschleunigt, denn die Prüferin überspringt die bereits maschinell kontrollierten Begriffe automatisch. Außerdem wird der Zeitbedarf für Prüfprogramme bei der Datenverarbeitung wesentlich gesenkt. In günstigen Fällen kann er ganz wegfallen.

Seit der Messe in Hannover können auch kleine EDV-Abteilungen auf Lochkarte verzichten, denn nun gibt es Sammelsysteme, die bereits ab vier Erfassungsplätzen preislich mit Lochmaschinen konkurrieren können. Da parallel dazu die Magnetbandverarbeitung anfängt, die Mittlere Datentechnik und Kleincomputer zu erobern, lautet meine Prognose:

In wenigen Jahren gibt es die Lochkarte nur noch für spezielle Sonderfälle.

Hans Robert Wolde, Leiter der EDV-Abteilung der Afri Cola & Bluna, Köln

In verschiedenen Industriebetrieben wird man von der Lochkarte bald wegkommen. Wo aber eine sehr starke kunden- und auftragsbezogene Fluktuation besteht, wird man von der Lochkarte vorerst nicht herunterkommen wollen. Auch das Erscheinen der Diskette wird darauf keinen Einfluß haben. Denn sie ist ja nicht unproblematisch. Ich bin zwar kein Operator, kenne aber doch ein recht breites Gebiet im Handling. Ich kann mir vorstellen, dort wo relativ viel Manipulation vom Operator her erforderlich ist - vor allem in Handelsbetrieben - wird man weiterhin lieber zur Karte greifen, weil der Operator die Möglichkeit hat, mit der Karte billiger zu manipulieren. Denn speziell im Handel wird noch mit dem spitzen Bleistift gerechnet. Gerade die "hübschen Sachen" zur Datenerfassung läßt der verantwortungsbewußte Organisator weg, wenn sie nicht unbedingt erforderlich sind. Daher sehe ich den Tod der Lochkarte in naher Zukunft eigentlich noch nicht, - speziell bei Handelsbetrieben wird sie sich noch lange halten.

Joachim Sparre, Leiter des Rechenzentrums der Blohm-Voss AG, Hamburg

Wir arbeiten mit Datensammelsystemen, haben aber nach wie vor für kleine Datenmengen, insbesondere für unsere technisch-wissenschaftlichen Aufgaben, drei Locher installiert, über die die Daten für Netzplanarbeiten eingegeben werden, wobei die Planer hinterher die Karten manipulieren können. Darauf werden wir auch in absehbarer Zeit nicht verzichten können.

Wir sind derzeit dabei, an den dezentralen Punkten des Werkes eine Datenerfassung vorzubereiten, die gleichzeitig Plausibilitätskontrollen vornehmen kann. Das kann eine Diskette sein, oder eine Magnetband-Kassette, ja sogar ein Plattensystem.

Bei uns ist die Lochkarte nicht wegzudenken, da es sich hier um Kleinstmengen von Daten handelt. Die Eingabedaten der technisch-wissenschaftlichen Programme werden oftmals auch vom Konstrukteur oder dem Planer nochmals durchgecheckt er kann dann einzelne Daten austauschen. Oftmals werden Angleichungsrechnungen gemacht, das heißt dabei werden oft nur zwei Positionen ausgetauscht. Ohne Lochkarte würde das bedeuten, daß in einem derartigen Fall jedes Mal ein Änderungsprogramm erforderlich wäre, wenn die Erfassung über Magnetband ginge. So braucht man nur die entsprechenden Karten auszutauschen.

Wir haben noch 3 Locher installiert und 18 Erfassungsplätze. Ein Locher steht in der Programmierung, einer im Rechenzentrum und einer bei der zentralen Erfassung. Die Programmierer können im Wesentlichen ihre Sachen selber ablochen, lediglich für eine Maschine haben wir eine Datentypistin eingesetzt.

Generell gesehen kann man sagen, daß die heutigen Datensammelsysteme der Lochkarte den Rang schon bis zu 90 Prozent abgelaufen haben.

Alexander Ritter, EDV-Organisator der Gisela-Versicherung in München

Wie auch vor langer Zeit die Putzfrau den Sprung zur Raumpflegerin schaffte, die Schreibkraft sich zur Steno- oder Phonotypistin mauserte, erstaunte es keinen, daß sich die Locherin zu einer Datatypistin entwickelte. Eine Locherin stanzt auf einer Maschine Lochkarten, eine Datatypistin jedoch erfaßt auf magnetischen Datenträger. So der Unterschied.

So wenig, wie man mit einem Inserat "Putzfrau gesucht" heute Erfolg haben wird, so wenig findet man auch eine Locherin. Fazit: Die Locherin stirbt aus, - mit ihr die Lochkarte.

Gerade heute, wo ein Locher fast ebenso teuer oder preisgünstig ist wie ein Display, wird die Entscheidung - abgesehen von den vorgenannten Personalproblemen - wohl kaum schwerfallen. Weitere Vorteile der Datensammelsysteme liegen klar auf der Hand: sofortige Kontrolle und Verbesserung der Dateneingabe, Sichtbarkeit aller Bewegungen.

Die Lochkarte wird meines Erachtens nur noch - wie bei uns zum Beispiel - für das Erstellen von Tabellen hergenommen, wenn sich bestimmte, minimale Daten von Monat zu Monat ändern, zum Beispiel unsere Außenstellenbezeichnungen.

Meine Meinung also: Die Lochkarte ist tot!