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07.02.1997 - 

Sieben kaufmännische Pakete im Vergleich

Warenwirtschaft: Es gibt Alternativen zu SAPs R/3

Der von GPS vorgenommene Test umfaßt operative Geschäftsprozesse wie etwa die Auftragsbearbeitung, Fakturierung oder Beschaffung. Eingeschlossen waren auch Controlling-Prozesse wie Bonitätsprüfung oder Bestandsführung. Auch Möglichkeiten zur teilweise spontanen Änderung der Abläufe und Standardeinstellungen waren verlangt. Die Modifikationen reichten von der Änderung der Benutzeroberfläche bis zum Datenaustausch mit anderen Paketen. Zu den Testkandidaten gehörten folgende Pakete: "Boss Office" von Sam, "Classic Line 97" von KHK, "Ifax Open" von GSC, "MAS 90" von IBM, "Mega" von Quantum, "Navision Financials" von Navision sowie "R/3" von SAP.

Die Auswahl der Produkte, die insbesondere preislich aus verschiedenen Gewichtsklassen kommen, erklärt sich aus der sachlichen Orientierung an den Bedürfnissen der Warenwirtschaft.

Selbst funktional ist die SAP-Software in einigen Gebieten von Konkurrenten eingeholt worden. Unternehmen mit Außendienstmitarbeitern sehen sich enttäuscht: Eine Provisionsabrechnung, der bei einigen Handelsunternehmen große Bedeutung zukommt, kennt R/3 nicht. In diesem Bereich zeichnet sich generell eine Schwachstelle ab.

Der Sonderfall: SAPs R/3

Boss Office kommt ebenfalls ohne Provisionsfunkition aus, und keines der anderen Produkte errang in den GPS-Szenarien die volle Punktzahl. Allerdings erreichten Classic Line und MAS 90 immerhin einen Erfüllungsgrad von über 75 Prozent.

Wenn es um die Bearbeitung von Kundenreklamationen geht, liegt die SAP-Software an dritter Stelle hinter IBMs MAS 90 und Navision Financials. Die vier anderen Produkte bieten hier allerdings gar nichts an.

Weitere Lücken tun sich bei der Logisitik in der Kapazitätsplanung auf, für die nur IBM, Navi- sion und SAP akzeptable Funktionen eingerichtet haben. Besonders schwankend sind die Ergebnisse bei der Steuerung des Materialflusses, bei der R/3 und Ifax Open die volle Punktzahl erreichen, Classic Line dagegen nicht einmal ein Fünftel.

SAPs Schwergewicht R/3 weist die meisten Funktionen auf, dieser Vorsprung ist jedoch nicht so groß, daß sich ein ernsthafter Blick auf Konkurrenzprodukte nicht lohnen würde, die nur einen Bruchteil der Walldorfer Software kosten. Das gilt um so mehr, wenn man den Einführungsaufwand hinzurechnet.

Die bekannten Vorteile des SAP-Produkts liegen neben der Funktionsvielfalt im Prozeß-Management. Sinnvoll implementiert wurde ein Modell der Software, das einen Blick aus der Vogelperspektive auf das R/3-System gibt. Das Produkt läuft auf fast sämtlichen relevanten Hard-, Datenbank- und Betriebssystem-Plattformen.

Boss Office der Sam Datenverarbeitung GmbH, Mannheim, erfüllte GPS zufolge zwar alle wesentlichen funktionalen Anforderungen des Testszenarios, erreicht aber in einigen Bereichen des Verkaufs und des Rechnungswesens geringere Punktzahlen als die Konkurrenten. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Verfügbarkeit des Pakets für Macintosh-Rechner. Boss Office überzeugt hauptsächlich durch seine einfache Bedienbarkeit auf allen Anwendungsebenen.

Gelobt wird auch die Mac-typische Qualität des Outputs: Selbst eine profane Umsatzsteuervoranmeldung sehe aus, als habe ein DTP-Spezialist tagelang daran gearbeitet. Als Betriebssystem setzt das Paket Mac-OS, Windows 95 oder NT voraus. Der Preis liegt bei 25000 Mark für fünf User.

Das populärste Standardpaket, Classic Line 97 der KHK Software GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, ist vor allem für Händler und Gewerbetreibende gedacht. Es stammt offensichtlich aus den frühen 80er Jahren, wurde in Basic programmiert und hat den Sprung von DOS nach Windows noch nicht geschafft. Das muß kein Nachteil sein. "Alles, was die Software an Funktionalem anbietet, ist einfach, verständlich, übersichtlich", fassen die GPS-Tester ihr Urteil zusammen. Als Beispiel heben sie heraus, daß für die sonst zeitaufwendige Einrichtung eines Kontenrahmens, in Classic Line gleich mehrere Varianten vorgefertigt zur Verfügung stehen.

Classic Line 97 läuft teils instabil

Zu den Wermutstropfen gehören gelegentliche Instabilitäten, die nicht ohne Auswirkungen auf die Konsistenz der Daten bleiben. Die von KHK permanent hinzugefügten Funktionen und Schnittstellen bewirken, daß bei jedem Update Zweifel darüber aufkommen, ob die individuellen Anpassungen noch weiterzuverwenden sind. Unternehmer, die ihr Geld beim Warenhandel verdienen wollen, sind mit der KHK-Lösung gut bedient. Wer dabei auf ungewöhnliche Funktionen angewiesen ist, stößt rasch an die Gren- zen des Machbaren. Die Classic Line läuft bereits auf 286er-PCs, Power-PCs sowie Sun-Sparc- und DEC-Alpha-Rechnern. Neben Windows und NT unterstützt das Paket IBMs Pendant OS/2. Die getestete Version kostete 29400 Mark.

Mit dem Unix-Paket Ifax Open richtet sich die GSC Gesellschaft für Software-Entwicklung GmbH, Konstanz, vor allem an mittelständische Unternehmen. Aufgefallen ist den Testern die hohe Qualität, mit der das Produkt Kundenaufträge bearbeitet und verfolgt. Insbesondere die häufig undurchsichtigen Abläufe bei Großaufträgen wird hier transparent gemacht. Das Produkt hat die Umstellung auf Windows-Technik gerade hinter sich gebracht. Die aktuelle Version 2.0 des Pakets läuft auf Pentium-PCs, HP-PA-RISC-, IBMs RS/6000-Maschinen sowie der RM-Reihe von SNI. Für das Produkt müssen Kunden mindestens 44000 Mark berappen.

"Vollständig, zuverlässig, sicher" sind die Attribute, mit denen GPS Big Blues MAS 90 beschreibt. Das funktional durchaus mit den anderen Produkten vergleichbare Standardpaket sei in Sachen Qualität eine Klasse für sich, die allerdings nur mit dem IBM-Midrange-System AS/400 zu genießen ist. Eingeschränkt wird dieses Lob nur durch unterdurchschnittliche Noten für Zollabwicklung und Versand.

Das modulare Konzept läßt Anwendern viele Freiheiten bei der individuellen Konfiguration. Dazu gehören zahlreiche offene Schnittstellen zu anderen Systemen. Vieles erledigt MAS 90 in "Serienfertigung", sprich: in Batch-Läufen, und setzt damit ein gewisses Datenvolumen zur wirtschaftlichen Anwendung voraus. Das Produkt ist dadurch vorwiegend für mittelständische Unternehmen konzipiert. Der Preis liegt bei knapp 70000 Mark für fünf User.

Mega von der Quantum Gesellschaft für Software mbH, Dortmund, gehört zu den ersten Standardpaketen für das Unix-Betriebssystem. An einigen kryptischen Steuerungsbefehlen ist diese Herkunft nach wie vor unübersehbar. Ein weiteres Charakteristikum ist, daß der Anbieter immer wieder auf die Wünsche seiner Kunden eingegangen ist. Bei allen Funktionen, die sich mit dem "Artikel" selbst beschäftigen, herrscht detailliertere Differenzierung. Zustimmung findet die strenge Protokollierung der Arbeitsabläufe, bei der jede Aktivität erst nach Bestätigung eines zusätzlichen Mitarbeiters freigegeben wird.

Die sinnvolle, aber nicht überwältigende Benutzeroberfläche beschreibt die Studie mit der Formulierung: "Der Inhalt ist entscheidend, nicht das Aussehen." Mega wird im Moment auf die EU vorbereitet. Die Sprach- und Währungs-Vereinheitlichung für den europäischen Großraum soll mit der Version 6.2 noch im ersten Quartal 1997 beendet werden. Die Server-Software läuft auf allen gängigen Plattformen. Als Client dient Windows. Der Preis beträgt benutzerabhängig zwischen 8000 und 25000 Mark.

Navision Financials von Navision Software GmbH, Hamburg, ist das jüngste der untersuchten Produkte. Die Modernität zeigt sich vor allem in der Offenheit beim Datenaustausch mit anderen Programmen.

Navision mit modernem Touch

Seit über einem Jahr wurde die Windows-Technik ebenso wie Funktionen zur Erweiterung der Datenstrukturen durchgängig implementiert. Auffällig ist der symmetrische Aufbau der Funktionsketten. So taucht alles, was auf Kundenseite geschieht, auf der Lieferantenseite mit umgekehrten Vorzeichen auf. Schwächen zeigt das Programmpaket bei Qualitätskontrolle und Provisionsabrechnung.

Navision Financials läuft am Server unter Unix, Windows NT und OS/2, als Client kommen Win- dows 3.11 und die Windows-Emulation unter OS/2 in Frage. Der Preis für das Grundsystem beträgt zirka 10000 bis 25000 Mark.