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11.04.1980 - 

Anwenderbericht der Vereinigten Papierwerke Schickedanz & Co.:

Warenwirtschaft und Logistik im von Mai

NÜRNBERG - Die Nachteile von Batchsystemen lassen zeitlich und organisatorisch konkretisieren: keine direkte Mensch-Maschine-Kommunikation, geringe Aktualität der Datenbasis, keine computergestützte Vorgangsbearbeitung auf Sachbearbeiter-Ebene. Vor diesem Hintergrund sehen ich die "Vereinigten Papierwerke Schickedanz & Co.", Nürnberg, motiviert, eine dialog-orientierte Anwendung für die Abwicklung der warenwirtschaftlichen und logistischen Aktivitäten des Unternehmens zu konzipieren. Zum Zuge kam ein Netz der Mai. Walter Lönnecker, freier EDV-Journalist, berichtet.

Die Vereinigten Papierwerke (VP) verfügen über Produktionsstätten und Außenlager im gesamten Bundesgebiet; die Zentrale mit der Hauptverwaltung hat ihren Sitz in Nürnberg. Seit 1926 widmen sich die Vereinigten Papierwerke, die zur Schickedanz-Unternehmensgruppe gehören, der Allgemeinhygiene. Als zweite Säule ihres Herstellungs- und Vertriebsprogrammes nahmen sie vor mehr als dreißig Jahren die Erzeugung und Verarbeitung von Wellpappe auf.

Sukzessive zum Integrierten System

Der Gesamtumsatz des Unternehmens lag 1977/78 bei 835 Millionen Mark; im Durchschnitt waren 4611 Mitarbeiter beschäftigt. Im Bereich der internen Organisation arbeiteten die VP bis Ende 1977 ausschließlich mit einem zentralen Siemens System 7.000, während die dezentralen Auslieferungs- und Lagerstätten weitgehend manuell organisiert waren.

Im Laufe des Jahres 1977 wurde eine Ausschreibung unter mehreren EDV-Herstellern durchgeführt. Da sich, wie Hans Bacher, Leiter der Hauptabteilung Datenverarbeitung bei den VP, konstatiert, "die Hardware der verschiedenen Systeme kaum voneinander unterscheidet", räumte man den Auswahlkriterien "Software" und "Preis" größere Priorität ein.

Die VP waren sich von Anfang an darüber klar, daß sie mit Hilfe einer, gekauften Standardsoftware der individuellen Applikation nicht gerecht werden konnten. Somit blieb nur der Weg über ein externes Softwarehaus", Wir haben uns dann versuchsweise Testprogramme in Basic erstellen lassen", berichtet Hans Bacher "und diese mit anderen verglichen." Dabei habe sich herausgestellt, daß die Basic erstellten Anwendungsprogramme um ein Vielfaches besser geschnitten waren als vergleichbare Cobol-Programme.

Autonome Dialogsysteme

"Wir haben einen Software-Vergleich zwischen den verschiedenen Herstellern durchgeführt", fährt Bacher fort, "so wie vorher die Hardware untersucht wurde." Als Ergebnis erwiesen sich Systeme von Mai in Verbindung mit der Basic-Programmierung als optimal. Gleichzeitig mit der Systemauswahl wurden Überlegungen über die konzeptionelle Gestaltung angestellt. Da einerseits "Zeitnähe" gefordert war, auf der anderen Seite eine "totale Zeitgleichheit" nicht erforderlich schien, fiel die Entscheidung zugunsten autonomer Dialogsysteme, die per Datenfernverarbeitungs-Wählleitung mit dem Zentralsystem verbunden werden sollte.

Weitere Dateien auf den dezentralen Rechnern sind eine Auftrags- und Kundendatei. Die Kundendatei enthält lediglich die im Einzugsbereich der jeweiligen Außenstelle ansässigen Kunden. Eine Zusammenfassung sämtlicher 14 Kundendateien wird im Zentralsystem geführt, allerdings nur in einer "gespeckten" Version, da bestimmte Stammdaten wie individuelle Lieferbedingungen ausschließlich dezentral gehalten werden. Die Alternative zu der redundanten Lösung wäre ein einziges Großsystem mit unüberschaubaren Datenbeständen.

Auftragsdatei täglich durchforstet

Die Aufgabenstellung lautet in allen Außenstellen grundsätzlich gleich. Die Aufträge, von den Reisenden oder Kunden direkt übermittelt, werden dezentral mit Hilfe eines Dialog-Bildschirms erfaßt und in der Auftrags-Datei abgespeichert. In der Datei können sich Aufträge unterschiedlicher Stadien befinden, wie Rück Stellungen oder ausgelieferte Stellungen. Die Datei wird täglich "durchforstet" zur Auslieferung fällige Aufträge werden ab) gerufen. Für sie erstellt das System automatisch Lieferscheine oder Frachtbriefe die Lieferscheine dienen gleichzeitig als Kommissionierbeleg im Lager.

Bei Teillieferungen werden die Rückstände in der Auftragsdatei resident gehalten, bei Lieferfähigkeit "vorgetragen" und mit Priorität ausgeliefert. Die Lieferbestätigung löst die (zentrale) Nachfakturierung aus. Die Antwortzeiten der Systeme vor Ort sind gut.

Der "Tagesschnitt" für die Auftragsbearbeitung liegt bei etwa 13.00 Uhr. Später eingehende Aufträge - Ausnahmen sind bei Eilaufträgen möglich - werden am nächsten Tag bearbeitet. Nach 13 00 Uhr gehen alle Aufträge an die Zentrale Mit dieser Übertragung erfolgt gleichzeitig auch die Übermittlung kurzfristiger Marktdaten wie Rückstände oder ausgelieferte Bestellungen. Für die Zukunft ist geplant, einen automatischen Datenabruf einzurichten. Damit würden von der t Zentrale aus automatisch die Datenbestände der Außenstellen-Rechner abgerufen und nach Nürnberg übertragen werden.

Tagesaktualität reicht aus

Die Vereinigten Papierwerke haben sich auch aus wirtschaftlichen Gründen für diese Konzeption entschieden, da die im Rahmen eines Online-Konzeptes mögliche Zeitgleichheit zwischen dezentralem und zentralem Datenbestand nicht erforderlich schien. Aus diesem Grunde gab man einer "Remote-Batch" Lösung den Vorrang. Tagesaktualität ist auf Zentralebene ausreichend.

Die Installation begann Anfang 1978 die Programmerstellung wurde einem Nürnberger Softwarehaus übertragen. Die Aufgabenstellung für das Mai-Rechnernetz lautete, die dezentralen Standorte des Unternehmens mit der Zentrale in Nürnberg zu verbinden und vor Ort eine computergestützte Auftragsbearbeitung durchzuführen. Damit verbunden war eine teilweise Verselbständigung der Außenstellen. Schwerpunktmäßig sollte die gesamte Warenwirtschaft und "Physical Distribution" horizontal auf Ebene der Außenstellen nachhaltig rationalisiert und vertikal - zwischen Zentrale und Außenstellen - stärker integriert werden.

Gegenwärtig arbeite in 14 Außenstellen Systeme der Modellreihe 350. Eine Grundkonfiguration verfügt über 32 KB Hauptspeicher; einen Matrixdrucker (165 Zeichen pro Sekunde), einen Dialog-Bildschirm mit Tastatur (je nach Größe der Außenstelle bis zu drei Dialogbildschirme), ein Magnetplattenlaufwerk mit je einer Fest- und einer Wechselplatte insgesamt 10 MB Speicherkapazität) und einen Datenfernverarbeitungs-Anschluß (DFÜ-Modem). Untereinander besitzen die Systeme 350 keine Verbindung.

Allerdings existiert eine Wählleitungs-Verbindung von den Außenstellen-Rechnern zur Nürnberger Zentrale. Dort ist zentral ein Modell 700 installiert. Das System sammelt als Vorschalt-Rechner die von den Außenstellen per Wählleitung überspielten Aufträge. Sie werden gespeichert, verdichtet und für eine Weiterverarbeitung aufbereitet. Bestimmte

Informationen, so zum Beispiel die Liefer- und Lagersituation in den Außenstellen, druckt das System 700 aus; andere Informationen werden auf Magnetband zwischengespeichert.

Das Modell 700 arbeitet in der VP-Zentrale in folgender Konfiguration: Der Hauptspeicher hat eine Kapazität von 1112 KB zwei Magnetplatteneinheiten (Fest-/Wechsel) verfügen über je 80 MB. An der Peripherie arbeiten ein SchnelIdrucker (300 Zeichen pro Minute), fünf Dialog-Bildschirme mit Tastaturen, ein Magnetband (1600 bp0 und ein DFÜ- Modem für die Verbindung zu den Außenstellen-Rechnern. Neben der Aufgabe, die dezentral erfaßten und verarbeiteten Daten aufzunehmen und weiter zu verarbeiten, überträgt dieses System auch zentral entgegengenommene Auftrage an die einzelnen Außenstellen.

Mit der Datenverdichtung auf dem System 700 ist der Arbeitsablauf jedoch noch nicht beendet. Die komprimierten und auf dem Magnetband zwischengespeicherten Daten werden offline an die Groß-EDV weitergegeben, wo sie im Batchprocessing abgearbeitet werden. Auf dem Großrechner werden zudem verschiedene nicht zeitkritische Aufgaben der Außenstellen, zum Beispiel Fakturierung abgewickelt. Außerdem laufen auf diesem System alle übrigen kommerziellen Programme. "Wir haben den gesamten logistischen Bereich in die dezentrale Applikation verlagert, während die administrativen Programme auf dem Zentralrechner verblieben sind", konstatiert Bacher.

Durch diese Trennung läßt sich eine gewisse Redundanz verschiedener Daten nacht vermeiden. So wird die Artikeldatei beispielsweise sowohl auf Außenstellen- Ebene (System 350) als auch auf Zentralebene (System 700) geführt. Die Außenstellen benötigen eine Artikeldatei zur täglichen Auftragsbearbeitung, während das Zentralsystem die (zentrale) Artikeldatei einmal täglich aktualisiert und diese Informationen zur Disposition und Fertigungsplanung an die Siemens-Anlage weiterleitet. Außerdem wird von der zentralen Artikeldatei aus der Nachschub an die Außenstellen gesteuert.