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04.09.1998 - 

Kolumne

"Warnung vor Web-Hysterikern"

Der Marktplatz der Zukunft liegt im Netz - wir wissen's. Die Euphorie wird von allen Seiten geschürt, Marktforscher treiben Unternehmen zu teilweise überstürzten Web-Engagements. Dabei weiß im Grunde niemand, wie der elektronische Marktplatz auf Dauer aussehen wird. Er verändert sich nahezu täglich, Investitionen sind kaum kalkulierbar.

So gibt es zwar eine Menge Daten über wichtige Kenngrößen, etwa die Anzahl kaufkräftiger Web-Surfer, das zu erwartende Werbeaufkommen oder die Durchsetzungskraft neuer Techniken (Push, Personalisierung etc.). Doch zuverlässig sind diese Aussagen nicht. Wer vermag heute schon zu prophezeien, ob beispielsweise Schüler, Hausfrauen oder Rentner auf Dauer zu Einkäufern im weltweiten Netz mutieren? Wer weiß schon, ob neben DV-Zubehör, Büchern und CDs auch in großem Stil Nylonstrümpfe, Autos oder Eier im Web geordert werden?

Wie groß die Verwirrung inzwischen ist, belegen Zahlen: IDC prophezeite kürzlich, im Jahr 2002 werde das Volumen des elektronischen Handels mehr als 400 Milliarden Dollar betragen. Die Auguren von Active Media Research sprachen aber von einem 1,2-Billionen-Dollar-Markt - im selben Jahr wohlgemerkt. Prognosen sind zur Zeit offenbar beliebig lieferbar.

Die unklaren Perspektiven bergen Gefahr. Das verzweifelte Bemühen von Karstadt & Co., nach wiederholten und teuren Relaunches ihrer Web-Seiten doch noch im E-Commerce Fuß zu fassen, spricht Bände. Bisher verlief die Umsatzentwicklung enttäuschend.

Ein guter E-Commerce-Auftritt ist teuer und riskant. Soll er funktionieren, müssen Unternehmen tief in bestehende Prozesse und Systeme eingreifen. Solange der Return on Investment unsicher ist, fürchten sie diesen Schritt. Gegenüber dem Wunsch, als Pionier Lorbeeren einzuheimsen, überwiegt die Sorge, das gesamte Unternehmen in Gefahr zu bringen. Besonnenheit ist in Zeiten einer künstlich erzeugten Euphorie durchaus gerechtfertigt. Das Internet ist ein Marktplatz, auf dem Anbieter kommen und gehen - wie im richtigen Geschäftsleben. Daran sollten sich alle Beteiligten gewöhnen. Wer eine Web-spezifische Marktnische findet oder mit konkurrenzfähigen Service- und Preisangeboten Interesse beim Kunden erzeugt, der hat im Internet Erfolg. Egal, wann er den virtuellen Markt betritt.