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20.08.1993 - 

KOLUMNE

Warten auf OO - warten auf Godot?

Die Entwickler der Objekttechnik (OT) tun das Moegliche, koennte man meinen, um Objektorientierung (OO) von den Softwarepraktikern fernzuhalten - nach dem Motto: Ihr kapiert das sowieso nicht! Die Oberlehrer-Attituede zeigt Wirkung: "Die zugrundeliegenden Konzepte und Theorien kennen sie eigentlich nicht", beurteilt John Slitz, Vice-President Marketing der Object Management Group (OMG), das OT-Know-how von DV-Profis (Thema der Woche, Seite 7). Slitz bedauert zwar, dass in Entwicklerkreisen gegen das Gebot der Verstaendlichkeit gesuendigt wird, sein Zeitrahmen (1996 gehts los; 1998 kommt OT dann auf Touren) stellt fuer die Software-Ingenieure der Anbieter indes keine sonderlich harte Herausforderung dar.

Warten auf OO - warten auf Godot? Vielen Softwerkern wuerde es recht sein. Man muss sehen, dass objektorientierte Entwicklung voellig anders funktioniert als die klassische prozedurale Vorgehensweise, bei der es einen Programmfluss gibt, bei der man weiss, wann welche Ereignisse eintreten. Bei OT, vergleichbar der Lego-Bausteintechnik, kommt es auf eine saubere Schnittstellen- Definition an, die Objekte muessen schliesslich wiederverwendbar sein.

OMG-Manager Slitz weist auf die Tatsache hin, dass die wenigsten Cobol-Programmierer eine solche Disziplin aufbringen, zumal sie von der Sache her ja nicht gefordert war. Nein, die Objektwelt wird vom Software-Establishment nicht umarmt. Und was halten die Anwender davon? Darueber lassen sich noch keine Aussagen machen - Kunststueck bei dem Anbieter-Marketing. Viel Laerm also um nichts? Objektorientierung eine Schimaere, keinesfalls ein Wundermittel?

Kein Wundermittel: gewiss. Aber ein Prozess, der nicht aufzuhalten ist, weil sich die Software-Industrie selbst unter Zugzwang setzen wird. Nichts geht mehr, heisst es in der Alten (Software-)Welt. Es ist ja nicht so, dass die Anwender keine Wuensche haetten. Doch die vorhandenen Altprogramme sind funktional ueberfrachtet, schlampig dokumentiert und somit alles andere als wiederverwendbar. Das ist nicht das, was der Anwender will. So bleibt der Computereinsatz weit hinter dem zurueck, was moeglich waere, dass sich naemlich die Benutzer ihre Anwendungen - wenn man die OO-Lego-Loesungen noch als solche bezeichnen kann - selbst zusammenstellen, im Fachjargon: customizen.

Mit anderen Worten: Cobol steht - stellvertretend fuer alle herkoemmlichen Programmiersprachen - dem Durchbruch des Computers zum Gebrauchsgut entgegen. Erst die Objekttechnik wird dies ermoeglichen - wobei ein aus Anbietersicht nicht ganz uninteressanter Nebeneffekt entsteht. Von der Langlebigkeit der bisherigen Standardsoftware-Produkte koennen die Hersteller nicht leben.