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23.08.1985 - 

Alt und Neu nebeneinander bergen eine Herausforderung:

Wartetaktik verstärkt Konzeptdivergenzen

Bei Rationalisierungsmaßnahmen liegt der Schwerpunkt nicht nur auf "schneller" und "billiger", sondern vor allem auf dem inhaltlichen Nutzen und der Bedeutung der Rationalisierung. Es stellt sich die Frage, ob Rationalisierung in der DV überhaupt erforderlich ist und wo die nutzbringendsten Ansatzpunkte liegen.

Die Ursachen für die heute in der Datenverarbeitung existierenden Probleme veranschaulicht die Abbildung 1.

Die Anforderungen der Fachabteilungen haben sich im betriebswirtschaftlichen, inhaltlichen Kern nicht geändert. Die Wünsche wurden allerdings ausgeweitet in Richtung schnellerer Verfügbarkeit der Systeme, Dialogorientierung, kurzer Antwortzeiten und Parametrisierbarkeit der Systeme durch den Anwender. Die Anforderungen können nicht so schnell, wie sie wachsen, abgearbeitet werden. Wünsche nach dezentraler Intelligenz stehen der Zentralisierung der Datenverarbeitung entgehen.

Der Kern der in der Datenverarbeitung beschäftigten Mitarbeiter hat sich auf der Basis einer kaufmännischen oder betriebswirtschaftlichen Ausbildung Kenntnisse und Fertigkeiten in der Organisation, Programmierung oder Systemprogrammierung angeeignet. Die Informatiker, die heute ihren Stammplatz in der Datenverarbeitung gefunden haben, haben es schwer, die Lehren ihres Studiums und ihre innovativen Vorstellungen in die Praxis umzusetzen. Vorbildung und Erfahrungsschatz der Mitarbeiter sind sehr unterschiedlich. Die Software, die sich im operativen Betrieb befindet, setzt sich heute aus eigenerstellten und zugekauften Teilen zusammen. Die lokale Problemlösung ist heute noch genauso wichtig wie früher. Aber die Integration aller Anwendungen zu einem homogenen vollständigen System ist in den Vordergrund getreten. Neue Technologien, historisch bedingte Konzeptionen sowie Wartungs- und Weiterentwicklungsprobleme treffen zusammen.

Bei den verfügbaren Methoden, Werkzeugen und Programmiersprachen hat sich der größte Wandel ergeben. Das Angebot am Markt scheint unüberschaubar zu sein. Vorgehensmodelle, Managementsysteme, Entwurfsmethoden, Prototyping-Konzepte, Programmgeneratoren und ganze Softwareproduktions-Umgebungen sind einsetzbar und nützlich. Basisdienste wie Datenbanken mit Sprachen der 4. Generation und TP-Monitore bestimmen das Bild.

Trotz aller Innovation und aller Vorteile anderer Hilfsmittel spielt Cobol heute und in der Zukunft eine wesentliche Rolle in der kommerziellen Datenverarbeitung. Die Verbindung der herkömmlichen Softwareentwicklung mit den heute verfügbaren Hilfsmitteln stellt eine große Herausforderung dar.

Die rasante Entwicklung in der Hardwaretechnologie ermöglicht größere Systeme, kürzere Antwortzeiten und mehr Komfort. Die verfügbaren Ressourcen sind bei vergleichbaren Kosten gestiegen. Dezentrale Arbeitsplätze und Mikros werden angeboten und eingesetzt. Netzwerke für den Rechnerverbund und für die Bürokommunikation sind verfügbar. Die Konzepte der installierten Software sind nur unter Schwierigkeiten mit den neuen Möglichkeiten zu verbinden.

Jeder der genannten Punkte entwickelt sich mit einer eigenen Dynamik. Der Ausbau weiterer Leistungsstufen läßt sich zeitlich und funktional nicht aufeinander abstimmen. Um so wesentlicher ist es für den DV-Bereich, ein Konzept zu verfolgen, bei dem die Divergenzen verringert werden können, ohne auf den Fortschritt verzichten zu müssen. Durch eine abwartende Taktik werden die vorhandenen Integrationsprobleme noch verstärkt.

Nur das aktive Handeln auf der Basis eines zukunftsorientierten Konzepts ermöglicht es, die Datenverarbeitung zugunsten der unternehmensspezifischen Zielsetzungen zu rationalisieren, das heißt vernünftig zu machen. Einige der sonst entstehenden Probleme seien hier genannt.

Der sogenannte Anwendungsstau wird weder quantitativ noch qualitativ abgebaut. Die fachliche Qualifikation einzelner Mitarbeiter bleibt sehr unterschiedlich und somit ist ihre Einsetzbarkeit begrenzt. Erweiterungen und Weiterentwicklungen der Software erfordern unnötig hohen Aufwand bei der Einarbeitung in die installierten Systeme und bei der Realisierung. Der Produktivitätsgewinn durch den Einsatz von Werkzeugen und komfortablen Programmiersprachen wird nicht genutzt. Die Verfügbarmachung von Leistungen und Diensten an einem dezentralen Arbeitsplatz mit eigener Intelligenz (PC-Workstation) ist nur schwer möglich.

Die Umsetzung der Ziele (siehe Kasten) in feste Strategien erfolgt im wesentlichen durch Software der 4. Generation (4GS: Fourth Generation Software). Diese Software umfaßt zwei Teile (siehe Abb. 2).

Der erste Teil wird durch Standardsoftware gebildet. Standardsoftware der 4. Generation unterscheidet sich in ganz wesentlichen Punkten von der üblichen Standardsoftware.

Kennzeichnend ist der umfassende Ansatz zur Abdeckung aller Anforderungen eines Unternehmens im Rahmen eines einzigen Softwarepaketes. Dadurch passen die einzelnen Bausteine dieses Softwarepaketes schon konzeptionell zusammen. Die organisatorischen Zusammenhänge zwischen den Fachbereichen sind im System abgebildet. Die Bausteine können sowohl einzeln, das heißt zur gezielten Unterstützung einzelner Unternehmensbereiche, als auch integriert (zur weitreichenden Abdeckung der Anforderungen des gesamten Unternehmens) im operativen Betrieb eingesetzt werden. Darüber hinaus spielen die Loslösung von einem speziellen Datenhaltungssystem mit Hilfe von kompatiblen Datenbank- und Datenkommunikations-Schnittstellen und anwendungsorientierte, leicht anpaßbare Tabellensteuerungen eine zentrale Rolle.

Software, die mit Sprachen der 4. Generation (4GL: Fourth Generation Language) erstellt wurde, bildet den zweiten Teil dieser Spezies.

Sprachen der 4. Generation zeichnen sich dadurch aus, daß sie neben den üblichen prozeduralen Möglichkeiten (wie zum Beispiel bei Cobol) auch nicht-prozedurale Softwareentwicklung unterstützen. Dabei steht die Erstellung von Dialogsystemen einschließlich der Masken und Maskensteuerung im Vordergrund. Sinnvollerweise setzen Sprachen der 4. Generation auf Datenbanken auf und arbeiten integriert mit einem Data Dictionary. Solche Sprachen sind gleichzeitig so einfach zu bedienen und so mächtig in der Leistung, daß sowohl die Anwender in den Fachabteilungen als auch Entwickler in der Datenverarbeitung diese Systeme nutzen können.

Aus der Kernidee der Rationalisierung lassen sich unmittelbar die Strategien für die Umsetzung der im Kasten aufgeführten Ziele in die Realität ableiten.

Der erste Teil der Strategie besteht in der Einführung eines Datenbanksystems. Dabei werden die Weichen gestellt, um die Integration der Software und die Verlagerung technischer Aspekte in Werkzeuge zu erreichen. Der unmittelbare Nutzen wird durch die Möglichkeit der zentralen Datenhaltung, des Recovery, des Logging und der überwachbaren Konsistenzsicherung der für das Unternehmen wesentlichen Daten sichtbar. Darüber hinaus bilden Datenbanken eine wesentliche Basis für effektive Workstation- und Information-Centerkonzepte und für Management-Informationssysteme.

Den zweiten Teil der Strategie macht der Einsatz von Standardsoftware der 4. Generation aus. Damit werden die Ziele der Integration der Software und des effizienten Einsatzes des Personals unterstützt. Software der 4. Generation ist schneller verfügbar und besser ausgetestet. Die Kosten zur Einführung solcher Standardsoftware sind terminlich, leistungsmäßig und budgetmäßig kalkulierbar.

Sprachen der 4. Generation bilden den dritten Teil der Strategie. Mit der Einführung einer solchen Sprache, die auf einem Datenbanksystem beruht und mit einem Data-Dictionary-System verbunden sein sollte, werden die Ziele der Einbeziehung der Anwender, des effektiven Einsatzes des Personals und der Verlagerung technischer Aspekte in Werkzeuge erreicht.

Die Einbeziehung der Anwender geschieht in zweierlei Hinsicht. Zum einen erlaubt das einfache Handling einer Sprache der 4. Generation die Nutzung dieses Werkzeuges unmittelbar durch den Anwender aus der Fachabteilung. Zum anderen sind Sprachen der 4. Generation im allgemeinen so effektiv, daß mit ihnen ein Prototypingkonzept realisiert werden kann. Prototyping umfaßt die intensive Einbeziehung der späteren Anwender des Systems in die Systementwicklung.

Der effektive Einsatz des Personals beruht ebenfalls auf zwei Aspekten. Einerseits werden abstraktere und fortschrittlichere Methodenkonzepte wie das oben genannte Prototyping unterstützt. Andererseits ermöglichen es die prozeduralen Teile der Sprachen der 4. Generation auch, in langen Jahren gewonnene Erfahrungen sinnvoll weiterzuverwenden.

Die Verlagerung der technischen Aspekte in Werkzeuge wird in mehrerer Hinsicht unterstützt. Dialogsysteme können durch eine einfache Definition der Masken und der zugehörigen Menüs erstellt werden. Intelligente Werkzeuge machen es überflüssig, auf spezielle TP-Monitore zu achten. Durch die Integration der Sprachen der 4. Generation mit einer Datenbank und einem Data-Dictionary-System wird der Aufwand zur Programmierung von Datenzugriffen und zur Konsistenzprüfung der Datendefinitionen entscheidend verringert.

Es gibt heute eine Reihe von Produkten, mit denen die aufgeführte Strategie in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden kann.

Ein Fazit: Rationalisierung in der Datenverarbeitung ist erforderlich. Die Weichen für die zukünftige effektive Unterstützung des Unternehmens durch die Datenverarbeitung müssen heute gestellt werden. Standardsoftware und eigenerstellte Software schließen sich ebenso wenig aus wie herkömmliche Techniken in Verbindung mit rein prozeduralen Sprachen und Sprachen der 4. Generation. Integrative Konzepte ermöglichen es, die verfügbaren Ressourcen gewinnbringend einzusetzen.

Ulrich Schulte, Softwareberater im Bereich Forschung und Entwicklung der ADV/Orga F. A. Meyer AG, Geschäftsstelle Wiesbaden.

Aus den heutigen Problemen in der DV ergeben sich Ziele für eine Rationalisierung und die Ansatzpunkte, die kurzfristige und langfristig den höchsten Nutzen erwarten lassen:

Die Anwender aus den Fachabteilungen müssen stärker in die Softwareentwicklung einbezogen werden.

Dadurch wird einerseits die Identifikation mit den erarbeiteten Lösungen größer und die Ergebnisse sind mehr an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiert. Anderseits können einfachere Aufgaben nach einer Einarbeitungszeit unmittelbar durch die Fachabteilungen gelöst werden. Die DV-Mitarbeiter können sich stärker den integrativen Aufgaben zuwenden und ihr Spezialwissen gezielt einsetzen.

Das vorhandene Personal muß effektiv genutzt werden.

Die Mitarbeiter, die langjährig in der Datenverarbeitung tätig sind, und die Mitarbeiter mit vertieftem Informatikwissen bilden zwei unterschiedliche Gruppen. Es müssen solche Hilfsmittel und Werkzeuge für die Softwareentwicklung eingesetzt werden, die für beide Anwendergruppen akzeptabel, nutzbar und effektiv sind. Dadurch wird die erstellte Software einheitlicher und somit besser wartbar gestaltet. Das Zielmuß sein, die Aufgaben so zu strukturieren und technisch zu unterstützen, daß jeder Softwareentwickler unabhängig von seinem Vorwissen sinnvoll am Entwicklungsprozeß teilnehmen kann.

Das dritte Ziel Beinhaltet die Integration aller Software eines Unternehmens.

Die Software für die verschiedenen Unternehmensbereiche wird zu unterschiedlichen Zeitpunkten erstellt. Sie stammt von mehreren externen oder internen Entwicklern. Die Erstellungstechniken sind unterschiedlich. Aber alle einzelnen Bausteine hängen direkt oder indirekt unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammen. Umso wichtiger ist die Vereinheitlichung der Software nach außen und die Schaffung eines zentralen Basisinstruments, das die DV-interne Zusammenarbeit der Software sinnvoll, effektiv und weitgehenden redundanzfrei ermöglicht.

Der Abstimmungsaufwand der Systeme untereinander muß minimiert werden. Darüber hinaus sind Betriebssystemumstellungen, Erweiterungen an der betriebssystemnahen Software und Hardwarewechsel immer wieder erforderlich. Eine einheitliche Strategie und Problemlösung für diese Aufgaben ist anzustreben. Optimal wäre es, wenn die Realisierungssprache und das Datenhaltungssystem für Standardsoftware und für eingenerstellte Software übereinstimmen würden. Die Verlagerung von Aufgaben an Mikros muß mit bedacht werden.

Ein weiteres Ziel muß sein, so weit wie möglich alle technischen Einzelheiten in Werkzeugen und Basisdiensten zu verbergen.

Nur dann können sich die Mitarbeiter auf das wesentliche konzentrieren. Zum Beispiel wäre es unsinnig, immer wieder beim Entwurf von Dialogmasken den Aufbau eines TP-Monitors detailliert beschrieben zu müssen. Fachleute für solche Aufgaben sind teuer und schwer zu bekommen. Es muß erreicht werden, in der Softwareentwicklung möglichst wenig Spezialisten einzusetzen.