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18.03.1983

Wartungsangst bei Mixed-Hardwareeinsatz unbegründet

18.03.1983

Deutlicher denn je zeichnet sich in den Rechenzentren der Trend zu Mixed-Hardware-Installationen ab. Vor allem scheinen die DV-Chefs den von den Jumbovertreibern inszenierten Alptraum überwunden zu haben, daß der Einsatz von Systemen verschiedener Hersteller automatisch Wartungsprobleme nach sich zieht. Das einstige Gerangel während der Fehlersuche, bei dem ein "Crash-Anbieter" dem anderen die Schuld in die Schuhe schob, findet heute nur noch selten statt. Der Wiener DV-Profi Gerhard Köstner ist gar überzeugt, daß Mixed-Hardwarefahrer mehr Trümpfe in der Hand halten als ihre Kollegen vom "blauen Einheitsrechenzentrum". Schließlich könne man den Anbieter von Mixed-Hardware leichter wechseln als den Hauptlieferanten. Wer sich heute noch ins Bockshorn jagen läßt, ist selber schuld.

Michael Hagenbach

Freier Unternehmensberater, Hattersheim

In den letzten Jahren wurde in den deutschen und internationalen Rechenzentren der Trend zum Mixed-Hardware sichtbar. Mindestens 30 Prozent aller Anwender haben inzwischen den Sprung zum Einsatz von Geräten mehrerer Hersteller gewagt.

Fast alle Anwender bestätigen die Problemlosigkeit der steckerkompatiblen Geräte im Einsatz. Auch bei der Erstinstallation von Hardwareteilen anderer Hersteller treten im Normalfall keine Probleme auf. Trotzdem gibt es gelegentlich Mißtöne in der sonst so problemlosen Hardwarewelt. Grundsätzlich muß man beim Einsatz von Mixed-Hardware unterscheiden, um welche Geräte und zwar nicht herstellerbezogen, sondern funktionsbezogen, es sich handelt,

Lange geübt und daher wirklich problemlos ist der Einsatz von Bildschirmterminals anderer Hersteller, Außerdem ist im Ernstfall ein Bildschirm schnell ausgewechselt, so daß kaum irgendwelche fühlbaren Nachteile auftreten können.

Ebenfalls unproblematisch ist in der Regel der Einsatz von plugkompatiblen Druckern und Lesegeräten. Die Schwierigkeiten beginnen aber schon mit dem Einsatz von Plattenlaufwerken. Wer seinem Hersteller in diesem Punkt die kalte Schulter zeigt, gerät leicht in Gefahr, daß bei der Installation solcher gebietsfremder Plattenlaufwerke die Techniker der einzelnen Hersteller sich gegenseitig die möglicherweise auftretenden Fehler bei den ersten Tests in die Schuhe schieben. Falls gleichzeitig eine Einführung neuer Dateiformen und -arten stattfinden sollte, können die Schwierigkeiten sehr groß werden.

Gut bis sehr gut bedient sind normalerweise die Anwender, die ihrem bisherigen Hardwarelieferanten ganz den Rücken kehren. Anscheinend ist die Sympathie zwischen Lieferanten von kompatiblen Systemen und Peripherie untereinander größer als das Interesse an der engen oder gar allzu engen Zusammenarbeit mit den Großen der Branche.

Die häufigsten Schwierigkeiten treten nach wie vor beim Anschluß ganzer Systeme als Remotestation an bereits installierte Großrechner auf. Die von vielen Anwendern kleinerer Systeme angepriesene Flexibilität und der gebotene Preisvorteil entpuppt sich oft als Ursache häufiger Fehler. Der billigste Anbieter ist mit diesem Bereich oft auch der späterhin schwierigste.

Das Problem der Wartung ist ein sehr entscheidendes Kriterium für den Einsatz von Mixed-Hardware. Auch wirklich gute Anbieter von Hardware können manchmal nicht den Service bieten, den man bei den Großen gewohnt ist. Hier macht sich die Anschaffung von Hardware bei anderen namenhaften Herstellern, die speziell Peripheriegeräte günstiger anbieten können, bezahlt. Der Enthusiasmus der letzten Jahre hat leider vielen nicht ganz seriösen Anbietern den Einstieg in den Markt ermöglicht, zum Schaden von Anwendern, mit dem Mut, Kosten reduzieren zu wollen. Leider war dieser Effekt letztlich nicht immer gegeben. Auch wenn DV-Leiter oder ganze Unternehmen den bereits erfolgreichen Einsatz von Mixed. Hardware als Kinderspiel ansehen, sollte man unentschlossenen und vorsichtigen Beobachtern nicht vorwerfen, daß sie altmodisch seien.

Zusammenfassend gibt es sicher viele Möglichkeiten beim Einsatz von Hardware verschiedener Anbieter. Zu empfehlen ist die Mischung auf jeden Fall bei Einsatz von Teilen, die schnell ersetzbar sind und die keine bedeutenden Engpässe verursachen können.

Sehr sorgfältig sollte man an die Auswahl von wichtigeren Teilen, wie zum Beispiel der Einsatz von Magnetplattenlaufwerken oder gar ganzen Remotesystemen betreiben. Geeignet ist der Wunsch einer Testinstallation, um die Geräte mehrere Wochen in der Praxis zu sehen. Kein Hersteller wird sich diesem Wunsch entziehen wenn er sein Produkt mit gutem Gewissen anbietet. Obwohl eine solche Installation für beide Seiten Kosten verursacht, ist das Risiko für den Anwender anschließend wesentlich geringer, und der Anbieter hat die Möglichkeit einen zufriedenen Kunden zu gewinnen. Und ein zufriedener Kunde wiegt sicher die Kosten einer Testinstallation wieder auf.

Norbert Heinemann

Abteilungsleiter Systemtechnik, Kommunales Gebietsrechenzentrum Starkenburg, Darmstadt

Die Nutzung der finanziellen und meist auch technologischen Vorteile von Mixed Hardware ist für einen RZ-Betreiber in der IBM-Welt ein gängiges und auch weitgehend erfolgreiches Mittel für einen wirtschaftlichen Betrieb. Oftmals wird es dadurch erst möglich, die erforderlichen Kapazitäten zu schaffen.

In der Praxis wird der Neuling zunächst in einem isolierten Bereich, zum Beispiel Drucker, erste Mix-Versuche unternehmen. Sehr bald erkennt er jedoch die Möglichkeiten und gerät damit in die unausweichliche Zwickmühle der Frage, immer den günstigsten Anbieter auszuwählen oder eine Beschränkung der Anzahl der Maschinenzahl-Ausstatter vorzunehmen. Dies hängt weitgehend mit der Wartungsproblematik zusammen. Sind die Störungen eindeutig lokalisierbar, oder kann der Anwender durch eigenes Know how für eine zuverlässige Analyse sorgen, wird die Verfügbarkeitsrate kaum nennenswert gestört sein.

Kritischer wird es bei versteckten Fehlern, das heißt, wenn das Symptom weit entfernt von der Fehlersuche auftritt. Hier wird sehr schnell der den RZ-Leuten bestens bekannte, dem Management jedoch unbegreifliche Zustand auftreten, daß alle beteiligten Hersteller optimales Arbeiten ihrer Geräte melden, jedoch nichts läuft. In solchen Situationen hängt nahezu alles von der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Rechenzentrum und allen beteiligten Technikern ab. Ganz sicher muß das RZ für solche Fälle mehr technische Kenntnisse bereithalten und einen höheren Koordinierungsaufwand treiben als dies in der Alles-aus-einer-Hand-Situation nötig wäre.

Es ist jedoch eine positive Erfahrung, daß die Kooperation zwischen den Technikern verschiedener Hersteller auch in Zweifelsfällen hoch ist und in den meisten Fällen gut funktioniert. Kaum Probleme sind zu erwarten, wenn sich ein RZ entschließt, auch im CPU-Bereich zu mixen. Alle PCMs bieten für diesen Fall die Gesamtsystemverantwortung an. Im allgemeinen wird diese definiert für die CPU, das CPM, für die darauf betriebene Systemsoftware und alle an der CPU angeschlossenen peripheren Geräte. Je nach Lieferant werden diese Formulierungen noch erweitert beziehungsweise durch tägliche Gewohnheit zugunsten des Kunden ausgelegt.

Das Kommunale Gebiets-Rechenzentrum (KGRZ) Starkenburg in Darmstadt setzt Mixed Hardware seit 1974 mit bestem Erfolg ein. Zwar war die Lernphase auf KGRZ- und Lieferantenseite immer einmal wieder durch Rückschläge getrübt. Insgesamt hat sich jedoch das Mixed-Hardware-Konzept als einzige Möglichkeit erwiesen, den Ansprüchen der Verwaltung, für die das KGRZ zuständig ist, gerecht zu werden. Heute hat sich das KGRZ für eine Poolbildung entschieden, um die Wartungsrisiken zu minimieren.

Magnetbänder und Platteneinheiten sowie die DSV-Steuereinheiten stammen von Memorex, die Zeilendrucker und die Kartenleser von STC, der Laserdrucker von Siemens und die lokalen TP-Steuereinheiten von IBM. Die gröbere CPU wurde von NAS geliefert. Damit hat NAS auch die Gesamt-System-Verantwortung für Systemhard- und -Software übernommen. Das Zweitsystem stammt von IBM.

Diese Wartungssituation ist für das KGRZ sehr zufriedenstellend, die Verfügbarkeit für CPU nach Band- und Platteneinheit liegt derzeit über 99 Prozent.

Gerhard Köstner

Verantwortlich für das Gebiet Kapazitätsplanung, Die Erste österreichische Spar-Casse-Wien

Wenn in unserem Rechenzentrum ein Hardwarefehler auftritt, verständigt der Operator den technischen Dienst des zuständigen Hardwarelieferanten.

Daß hier mehrere Telefonnummern zur Auswahl stehen, ist im wesentlichen der einzige Unterschied einer Mixed-Hardware-Konfiguration zu einem reinrassigen Maschinenpark, wo es normalerweise nur einen Anlaufpunkt gibt.

Unterschiede bezüglich Kompetenz und Qualität der Hardwarewartung zwischen den traditionellen Hardwareherstellern und den Mixed-Hardware-Mitbewerbern konnten wir im Verlauf unserer langjährigen Erfahrung mit Mixed-Hardware nicht feststellen.

Ganz im Gegenteil glauben wir sogar, daß bei einer Mixed-Hardware-Installation das Bewußtsein der Konkurrenz und der Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Mitbewerbern eine vielleicht auch unbewußte Motivation für den Hardwaretechniker darstellt. Entscheidend für eine funktionierende und kostengünstige Hardwarewartung ist natürlich ein guter auf die eigenen Bedürfnisse angepaßter Wartungsvertrag. Hier sollte man niemals schlechtere oder teurere Lösungen akzeptieren, wie sie die Mainframe-Lieferanten anbieten.

Unsere Erfahrungen zeigen, daß man gerade beim Mixed-Hardware-Hersteller Wartungsschichten aushandeln kann, die exakt den von der eigenen Workload diktierten Zeitrahmen überspannen, und daher ökonomisch günstig sind. So haben wir vor kurzem für unseren 3705-kompatiblen Datenkommunikationsrechner aufgrund einer verlängerten Fix-Online-Zeit die tägliche Wartungsperiode zu geringfügigen Mehrkosten zwei Stunden verlängert.

Gerade bei der Mixed-Hardware-Wartung hat der Anwender viele Trümpfe in seiner Hand. Günstige Miet- oder Kaufverträge mit garantierten Rückkaufpreisen vorausgesetzt, kann er den Mixed-Hardware-Hersteller leichter wechseln als dies beim Hauptlieferanten oft der Fall wäre.