Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


22.08.2008

Warum Abiturienten die Informatik verschmähen

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Vorurteile sitzen fest. Auch in den Köpfen junger Menschen. Für viele angehende Hochschüler ist Informatik nur Programmierhandwerk und darum kein Fach, das sie studieren möchten.

Manfred Broy ist überrascht. Der Münchner Informatikprofessor hatte angenommen, dass das Bild vom Programmierer, der einsam vor seinem PC sitzt, schon lange aus den Köpfen verschwunden ist. Schließlich hat es mit der heutigen vielfältigen Berufswirklichkeit von Informatikern nichts mehr gemein. Doch Vorurteile halten sich hartnäckig, wie eine aktuelle Befragung der TU München von über 600 Studenten und Abiturienten durch die Institute für Informatik und für Psychologie zeigte. "Informatik wird immer noch als reines Programmierhandwerk gesehen. Alle meinen, dass man schon programmieren können muss, bevor man das Studium beginnt", fasst Broy die überraschendsten Ergebnisse der Studie zusammen. Zwei Fehleinschätzungen, die dafür verantwortlich sind, dass sich immer noch zu wenige Abiturienten für das Fach entscheiden. Trotz guter Berufsperspektiven ist die Zahl der Informatikstudenten in Deutschland seit dem Jahr 2000 von 38 000 auf heute ungefähr 30 000 zurückgegangen.

Abiturienten bevorzugen eher das Mathe- und Physikstudium

Was macht eigentlich ein Informatiker? Die Befragten haben hier eher diffuse Vorstellungen. "Wir müssen die unterschiedlichen Berufsbilder vom Datenschutzbeauftragten bis zum CIO klarer aufzeigen", fordert Hochschullehrer Broy. Erste Initiativen sind auf dem Weg: In Berliner Schulen stellen erfolgreiche Informatiker ihre Tätigkeiten vor. Dieses Projekt wurde genauso wie die Studie der beiden TU-Institute von der Ernst-Denert-Stiftung für Software-Engineering angestoßen.

Aber auch die Inhalte des Studiums selbst bedürfen einer Image-Politur. So ergab die Studie, dass hochbegabte oder sehr leistungsfähige Abiturienten sich gegen ein Informatikstudium entscheiden, da es ihnen intellektuell nicht herausfordernd erscheint. Auch wenn die Befragten das Informatikstudium als "schweres Studium mit hohem Mathematikanteil" wahrnehmen, wählen mathematisch Begabte nicht Informatik, sondern eher Physik oder Mathe. Broy selbst studierte einst zwar Mathematik, weil Informatik als Hauptfach noch nicht angeboten wurde, hat seinen späteren Wechsel zur Informatik aber nie bereut: "Die Informatik hat die Welt in den vergangenen 30 Jahren wie kein zweites Fach verändert. Für Wissensdurstige ist das Fach ein gefundenes Fressen. Hier gibt es viel mehr offene Fragen als in der Mathematik. Man muss sich nur zweimal umdrehen und stößt auf ein neues spannendes Problem, das es zu lösen gilt."

Abiturientinnen brauchen mehr Mut

Noch mehr Überzeugungsarbeit gilt es bei jungen Frauen zu leisten. Sie wählen das Fach nicht, weil sie wenig Anreize darin sehen und sich dieses Studium kaum zutrauen. Auch fehlen oft Rollenvorbilder. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Fähigkeit der Schülerinnen, sich selbst einzuschätzen, gestärkt und ihre Begabungen gefördert werden müssen - am besten im Informatikunterricht an der Schule. Denn Abiturienten, so ein weiteres Ergebnis der Befragung, entscheiden sich eher für ein Informatikstudium, wenn sie das Fach in der Schule belegt hatten. (am)