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15.08.1980

"Warum denn nicht einen Minicomputer - warum Timesharing?"

Mit Dr. Manfred Wittler, Geschäftsführer der General Electric Informations-Service GmbH, Köln, sprach Dieter Eckbauer

Zum Thema Timesharing gibt es in der Bundesrepublik mehr Widersprüche als Konzepte. Insider hoffen auf ein sprunghaftes Wachstum der Timesharing-Branche, wenn das Datenverbund-Mißtrauen vieler Unternehmen abgebaut werden kann. In diesem CW-Gespräch weist Dr. Wittler auf die Bedeutung der Timesharing-Anbieter als "Problemlöser" hin.

- Herr Dr. Wittler, in der Bundesrepublik ist das Timesharing-Bewußtsein unterentwickelt. Woran liegt das?

Das liegt daran, daß hierzulande seit vielen Jahren stärker auf die Hardware als auf die organisatorische Lösung geguckt wurde, daß also ein bißchen mehr im Vordergrund stand: Wir wollen unser eigenes System haben. Das war in der Vergangenheit relativ stark ausgeprägt. Ich glaube aber, daß hier in den letzten Jahren sehr große Fortschritte erzielt wurden und die Unternehmen heute mehr darauf schauen, wie sie ihre Aufgaben gelöst bekommen.

- Die Vorliebe für die eigene Anlage erklärt noch nicht hinreichend die Timesharing-Abstinenz, denn es gibt Anwendungen, für die sich eine eigene Anlage nicht lohnt. Sind nicht vielmehr die Datenübertragungskosten für kleinere und mittlere Betriebe noch zu hoch?

Es hat ohne Zweifel in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt, daß die Übertragungskosten für Datenfernverarbeitung in der Bundesrepublik sehr hoch sind. Das ist natürlich auch für uns ein Problem. In der Zwischenzeit haben wir jedoch ein so großes Netz ausgebaut, daß praktisch fast jeder Anwender in der Nähe eines Einwählpunktes angesiedelt ist. Ein großer Vorteil sind auch die erweiterten Zonen im Acht-Minuten-Takt, so daß wir jetzt praktisch alle Gebiete mit unserem Netz abdecken können. Das ist zwar für uns ein großer Kostenblock, aber nicht mehr für den Anwender. In der Vergangenheit war das umgekehrt. Anfang der siebziger Jahre haben wir mit wenigen Zugriffspunkten angefangen, und wenn man bedenkt, daß eine Stunde Telefonzeit an die 70 Mark kostet, dann ist das natürlich ein Hemmnis für die weitere Verbreitung des Timesharings.

- Noch vor zehn Jahren meinte man, bei kleineren und mittleren Betrieben würde der größte Bedarf für Timesharing-Dienstleistungen liegen, weil diese Unternehmen nicht das Geld hätten, eigene Rechenzentren und Programmier-Abteilungen zu unterhalten. Das hat sich als Trugschluß herausgestellt.

Uns war bereits Mitte der 70er Jahre klar, daß Kleinbetriebe nicht unbedingt die großen Abnehmer von Timesharing-Dienstleistungen darstellen würden, sondern gerade große Unternehmen. Das hängt auch damit zusammen, daß auf dem deutschen Markt, anders als etwa in Frankreich oder England, Kleincomputer sehr verbreitet sind. Wir werden des öfteren gefragt: Warum denn nicht einen Minicomputer, warum Timesharing? Ich ziehe die Linie da, wo ein kleineres oder mittleres Unternehmen in der Lage ist, die eigene Organisation an vorhandene Standardprogramme von Kleincomputern anzupassen - und damit zu leben. Wir bedienen gerade den Markt, in dem so etwas nicht geht, wo sehr komplexe Lösungen erforderlich sind, die wir mit Hilfe von Software-Werkzeugen schnell und individuell erstellen können.

- Sie bieten also primär keine vorgefertigten Standardprogramme an?

Wir haben natürlich 2000 Standardprogramme in unserer Bibliothek. Das ist aber nicht das primäre Angebot. Unser primäres Angebot ist, daß wir mit Hilfe von Generator-Software für unsere Kunden sehr spezifische Lösungen in einigen ausgewählten Bereichen der Informationsverarbeitung erstellen können. Man kann diese Anwendungen in mehr analytische, wie den Gesamtkomplex der Planung, des Berichtswesen, und operative Systeme, also ganz typische EDV-Anwendungen einteilen.

- Worin besteht denn nun der Kostenvorteil des Timesharings gegenüber einer Inhaus-Lösung?

Der wesentliche Vorteil liegt darin, daß wir weltweit in die Entwicklung von komplexen Softwaresystemen investieren, die es uns dann ermöglichen, für den Anwender sehr schnell eine Lösung zuzuschneiden. Wir können in vielen Fällen nachweisen, daß diese Lösung wirtschaftlich ist, wenn die Gesamtkosten, also Personalkosten, Software-Entwicklungskosten und Hardwarekosten dem gegenübergestellt werden, was das Programm auf der hausinternen Anlage kosten würde. Der Hardware- und Netzanteil ist in unserem Service das Geringste, was über den Umsatz abgedeckt werden muß. Im wesentlichen sind es unsere für den Kunden beratend tätigen Mitarbeiter, die in einem gebündelten Service über die Kosten für das Timesharing abgedeckt werden.

- Herr Dr. Wittler, Sie erwähnten Generator-Software, die Sie zur Programm-Entwicklung einsetzen. Nun betrachtet der erfahrene EDV-Mann Generatoren immer noch mit Skepsis.

Wir gehen in eine etwas andere Richtung, weil wir unsere Generator-Software so entwickeln müssen, daß möglichst auch der Nicht-EDV-Mann oder der nur wenige Tage oder Wochen ausgebildete Mitarbeiter aus dem Anwendungsbereich damit umgehen kann. Bei uns steht mehr der Anwendungsgenerator als der Programmgenerator im Mittelpunkt. Die Entwicklung bei uns - und ich glaube, weltweit auch bei den Hardware-Herstellern - geht dahin, daß man in der Lage sein muß, Aufgaben in natürlicher Sprache zu definieren und dem Computer zu übergeben, der dann eigene Programme schreibt.

- Wir haben bisher über diejenige Konkurrenz gesprochen, die den Timesharing-Anbietern durch die Minicomputer-Branche erwächst. Ist nicht "Distributed Processing" der eigentliche Totengräber des Timesharing?

Wir betrachten heute nicht ein einzelnes Marktsegment aus dem Gesamt-EDV-Bereich als Konkurrenz, sondern wir müssen den gesamten Bereich einschließlich Service-Leistungen, Software und Hardware abdecken. Man kann noch weitergehen und sagen, der ganze Bürobereich, also Büroautomation und Datenkommunikation, das ist eigentlich der Markt, in dem wir tätig sind. Hier kann man nicht sagen, wir bieten grundsätzlich etwas Besseres, sondern man kann nur sagen, unter gewissen Umständen bieten wir für ausgewählte Anwendungen sehr gute Lösungen an.

- Sind dies vorwiegend Anwendungen, die als Umstellungsprojekte bei der hauseigenen EDV geringe Priorität haben oder die nicht gerne angepackt werden, weil sie nur Ärger machen?

Das kann man durchaus so sehen. Zum Teil sind es aber auch Anwendungen aus dem direkten EDV-Bereich, bei denen man alternativ einmal eine Kosten-/Nutzenrechnung macht und fragt: Lohnt sich das noch? - Wenn man heute die Gesamtkosten im DV-Bereich betrachtet, dann zeigt sich, daß der Hardware-Anteil unter 30 Prozent gesunken ist. Dagegen liegt der Anteil der Personalkosten für Programmierung und Wartung mittlerweile bei über 50 Prozent; den Rest verursacht die Fremdsoftware, die dazugekauft werden muß. Insofern spielt es praktisch überhaupt keine Rolle mehr, ob etwas auf dem hausinternen System oder im Service abgewickelt wird. Die zwei Kernfragen sind doch heute: Wie kann ich zu minimalen Kosten und in der minimalen Zeit eine neue Anwendung erstellen, und wie kann ich diese Anwendung permanent zu den geringstmöglichen Kosten warten? Unser Konzept ist, daß die durch Generatoren geschaffene Software durch diese auch leicht gewartet und angepaßt werden kann und daß wir dadurch den permanenten Wartungsaufwand so stark reduzieren, daß der EDV-Bereich wieder Zeit hat, neue Dinge anzupacken.

- Kommen wir zurück zu den Markthindernissen, die Sie als Timesharing-Anbieter überwinden müssen. Spielt da nicht auch der Punkt Sicherheit eine Rolle, die Überlegung, daß Dinge, die außer Haus laufen, nicht mehr unter Kontrolle sind?

Das ist durchaus ein Argument, mit dem wir uns noch auseinandersetzen müssen. Das Argument war allerdings früher viel, viel stärker im Markt. Und trotzdem ist es unterschwellig vorhanden, daß man sagt, im eigenen Unternehmen ist Datenverarbeitung sicherer. Objektive Untersuchungen haben ergeben, daß gerade das Gegenteil der Fall ist, weil wir - schon aufgrund der Struktur unseres Services - zu Sicherheitsmaßnahmen gezwungen sind, wie sie kein hausinternes Rechenzentrum betreiben kann - einfach vom Kostenaufwand her nicht. Wir müssen es weltweit nur einmal machen. Insofern kann man sagen, derartige Befürchtungen sind vorhanden, aber mehr auf einer psychologischen Ebene. Objektiv gesehen kann man diese Sachen natürlich entkräften.

- Die hauseigene EDV ist natürlich auch ein gutes Experimentierfeld, während man sich bei einer Full-Service-Leistung über Timesharing voll auf das Khow-how Dritter verlassen muß.

Das ist eher ein Argument, warum wir vielfach ins Geschäft kommen. Man nimmt gerne das Know-how des Service-Anbieters in Anspruch. Das ist ein wesentliches Verkaufsargument. Ob ein Unternehmen in Abhängigkeit geraten kann, hängt sehr stark davon ab, wie weit es sich mit dieser Service-Leistungen identifiziert.