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16.01.1976 - 

Singer-Nachlese

Warum der POS-Spitzenreiter aufgab?

NEW YORK - Mit einem schmerzhaften Schlußstrich, der sich mit 426 Millionen Dollar Sonderabschreibungen in der 1975er Bilanz niederschlagen und die Aktionäre die Hälfte ihres Eigentums kosten wird, trennt sich die Singer Company von jenen Erwerbungen, die in den letzten 15 Jahren zur "Diversifikation" gemacht wurden: Der neue Singer-Chairman Joseph R. Flavin kehrt das Geschäftsprinzip seines Vorgängers um und will sich auf das gesunde Nähmaschinengeschäft konzentrieren.

Kein POS mehr - trotz 44 Prozent Marktanteil

Dem großen Aufräumen fällen neben der kompletten Büromaschinenabteilung auch die Aktivitäten bei Grafischen Systemen und Telekommunikation und das Engagement bei einer, italienischen Haushaltmaschinenfabrik zum Opfer. Das deutsche Versandhaus Schwab war schon vorher verkauft worden, und auch die Büromöbelproduktion ist bereits liquidiert, auf die sich das Unternehmen einließ, weil es ja schon Erfahrungen mit der Produktion von Holzabdeckungen für Nähmaschinen besaß.

Flavin-Vorgänger Donald Kircher, für autokratischen Führungsstil bekannt, hatte in den 50er Jahren eine richtige und eine falsche Entscheidung zugleich getroffene: richtig war es, einen Teil der Nähmaschinenproduktion ins Ausland zu verlagern, um der japanischen Konkurrenz zu begegnen. Falsch waren die Maßnahmen zur Diversifikation.

60 Millionen POS-Verlust

Die teuerste Singer-Fehlentscheidung traf Flavin-Vorgänger Donald Kircher 1963, als er für Aktien im Gegenwert von 183 Millionen Dollar die Friden Inc. übernahm - ein damals gesunder Hersteller mechanischer Büromaschinen, der den Sprung in die Elektronik aber nicht rechtzeitig schaffte. Mit 60 Millionen Dollar Verlust in den Jahren 1970 bis 1975 schaffte es Singer zwar, führender Hersteller von POS-Terminals in den USA zu werden - dann war die Finanzkraft aber so angeschlagen (1 Milliarde Dollar Schulden bei 2,6 Milliarden Jahresumsatz), daß der Konzern aufgeben mußte. Jetzt muß er hoffen, einen Interessenten zu finden, der neben der Wartung der installierten Systeme bereit ist, den größten POS-Auftrag der Geschichte vollends abzuwickeln - nämlich den Größten Teil jener schätzungsweise 36 000 Terminals zu liefern, die Amerikas größter Einzelhändler Sears Roebuck & Co. laut Langfristvertrag abnehmen will.

Jeder Käufer willkommen

Jeder Käufer für die Reste der Büromaschinenabteilung ist willkommen: Singer ist so knapp bei Kasse daß die Banken einen revolvierenden 535-Millionen-Dollar-Kredit davon abhängig machten, daß für 1976 und 1977 die Dividende ausfällt und daß Singer Kundenforderungen für 88 Millionen Dollar an die General Electric Credit Corp. verkaufen mußte. Sicher ist bisher nur, wer für den Kauf der Singer-Büromaschinenabteilung nicht in Frage kommt.- die Konkurrenten NCR und Litton (mit der Sweda-Division), die Ärger mit der Antitrust-Behörde fürchten müßten.