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26.03.1976

Warum immer mehr MDT-Computer in Großunternehmen?

Rotger A. Greve Unternehmensberater BDU, Saarbrücken

Von MDT-Herstellern ist seit einigen Jahren immer wieder zu hören: "50 Prozent unserer Computer sind in Großunternehmen installiert." Die EDV-Verantwortlichen in diesen großen Unternehmen proklamieren dagegen selten, ja sie verschweigen gern, daß außer ihrem Goliath noch einige Davids im Hause arbeiten.

In der zitierten Aussagen der MDT-Hersteller klingt unüberhörbar Stolz mit. Hatte ihnen doch die große Konkurrenz jahrelang im Markt mit unlauteren Argumenten zugesetzt ("Wollen Sie einen Computer oder die kleine Lösung?"). "MDT im Großunternehmen - das bedeutet Gleichberechtigung.

Drei Anwendungsbereiche für MDT-Computer sind in Großunternehmen zu finden:

1. In eigenständigen Tochtergesellschaften der Konzerne in in den geografisch gestreuten Betriebsstäten großer Unternehmen arbeiten MDT-Computer wie in selbständigen Mittel- und Kleinbetrieben, mehr oder weniger abgestimmt und integriert mit der Datenverarbeitung der Zentrale.

2. Die Großunternehmen waren die ersten, die ihre Lochsäle auflösten und die Datenerfassung neu organisierten: MDT-Computer in Datenverbundsystemen machen die Datenerfassung "intelligenter", ermöglichen Vorverarbeitung und Dezentralisierung der Datenerfassung an den Arbeitsplatz. Hier spielen große und kleine EDV zusammen.

3. Arbeitsplatz- und funktionsorientierte Datenverarbeitung: MDT-Computer stehen neben oder im Verbund mit dem Rechenzentrum. Die eigenständige, direkte Datenverarbeitung abgegrenzter Aufgaben überwiegt gegenüber der Datenerfassung für die Zentrale. Dieser Anwendungsbereich macht heute ein Viertel, vielleicht ein Drittel aller MDT-Installationen in Großunternehmen aus; aber das ist die Anwendung der Zukunft.

Warum sprechen EDV-Verantwortliche in großen Betrieben so ungern über die in verschiedenen Abteilungen installierten MDT-Computer? Sehen sie in diesen Installationen Zeugnisse des Versagens? Sie konnten bis heute ihre in den 60er Jahren gesteckten Ziele - totale Integration um jeden Preis - nicht erreichen. Betriebswirtschaftliche und technische Abteilungen mit niedriger Automations- (= Rationalisierungs- )Priorität sind aber mündig geworden; sie sind es leid, pünktlich Daten liefern, aber auf Ergebnisse warten zu müssen. Sie ringen der zentralen Datenverarbeitung das Zugeständnis ab, für eine Übergangszeit Automationsinseln aufzubauen. Solange EDV-Leute ihr Ansehen und ihr Gehalt abhängig von der Größe des Computers sehen, wird es Widerstand gegen die "Verteilung der Intelligenz" geben - so widersinnig das betriebswirtschaftlich auch ist.

Trotz aller Ressentiments gegen die Dezentralisation sind zahlreiche Notlösungen - funktionsorientierte Automationsinseln - zu Grundsteinen für ein neues Konzept der DV-Organisation in Großunternehmen geworden.

MDT-Computer in großen Unternehmen sind Magnetkontencomputer und Plattensysteme, teilweise über transportable Datenträger oder online mit dem Rechenzentrum zusammenarbeitend. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und abhängig von der Organisationsstruktur der Unternehmen: Betriebs- und Vertriebsniederlassungen sind schon fast klassische Beispiele für die direkte Datenverarbeitung und den periodischen Datenverkehr mit der Zentrale. So bearbeiten die Außenläger von Bahlsen mit P 350-Computern von Philips die Vertriebsabrechnung und steuern den Einsatz der Verkaufsfahrer; Daten zur Produktionssteuerung und für das Rechnungswesen fließen nach Hannover ins Rechenzentrum. Kienzle-Computer sind für die Filiallager-Disposition bei MAN und für die Finanzbuchhaltung in VW-Filialen eingesetzt. Osram nutzt in seinen Niederlassungen den Rechner TA 1000 von Triumph-Adler für die Lagerverwaltung und die Verkaufsabrechnung.

Installationen im Einkauf, in der Lagerwirtschaft und in der Stücklisten- oder Rezeptverwaltung in Großunternehmen können fast alle MDT-Hersteller nennen. Hier handelt es sich um kurzfristige Dispositionsaufgaben, für welche die direkte Datenverarbeitung und permanente Auskunftsbereitschaft mit einem MDT-Computer erreicht wird. Das von vermeintlichen EDV-Profis verachtete Magnetkonto erweist hier nach wie vor seine Vorteile als "Display in Kartenform" und automatisierte Kartei.

In Großunternehmen sind auch, viele Aufgaben zu finden, die für eine zentrale Verarbeitung nicht in Frage kommen, weil sie nicht zu integrieren sind - für den Total-Systems-Eiferer also exotische Aufgaben. So hat das Volkswagenwerk einen Magnetkontencomputer 820/35 von Nixdorf für die Betriebskrankenkasse und eine Anlage 820/25 für die Containerabrechnung eingesetzt.

Eins ist offensichtlich MDT-Computer in Großunternehmen sind Beispiele dafür, daß die betriebswirtschaftliche Vernunft über das Autarkiestreben so mancher EDV-Spezis gesiegt hat. In vielen Mittel- und Kleinbetrieben haben MDT-Computer als "Turnkey-Systems" das betriebswirtschaftliche Niveau gehoben; in Großunternehmen als "dedicated systems" eingesetzt, verbessern sie Organisation und Wirtschaftlichkeit der Datenverarbeitung.