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22.01.1999 - 

Warum Matrosenbeine nichts mit dem Alter des Kapitäns zu tun haben

Warum Matrosenbeine nichts mit dem Alter des Kapitäns zu tun haben Mathematik: Deutsche Schüler schneiden im Vergleich schlecht ab

MÜNCHEN (CW) - Ernüchternde Ergebnisse lieferte die "Third International Mathematics and Science Study" (Timss). Im internationa- len Vergleich schneiden Schüler deutscher Abschlußklassen mit ihren mathematischen Fähigkeiten nur mittelmäßig ab. Schuld daran sind überfrachtete Lehrpläne, die an den Lebenserfahrungen vorbeigehen.

Der Grundstein für die Misere wird nach Untersuchungen von Marianne Grassmann, Professorin für Didaktik der Mathematik an der Universität Münster, bereits in den ersten Klassen gelegt: "Kinder werden dazu erzogen, mit Zahlen zu rechnen, ohne deren Inhalt zu hinterfragen." Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Kapitänsaufgaben: Aus der Zahl der Schiffsmasten und der Zahl der Beine der Matrosen sollen die Kinder das Alter des Kapitäns berechnen. Auf die Frage, ob eine Lösung tatsächlich möglich sei, erhielt Grassmann die Antwort: "Eigentlich nicht, aber wenn die Aufgabe so ist."

Unrealistische Aufgaben helfen nicht weiter

Erschreckend findet Grassmann, "wie wenig es Schülern, aber auch Erwachsenen gelingt, im Unterricht gelernte Inhalte in angemessener Weise auf die reale Situation zu beziehen". Dabei würden die Kinder solche Aufgaben im Leben außerhalb der Schule als unrealistisch zurückweisen. Nur selten bekam Grassmann auf die Kapitänsaufgabe eine angebrachte Anwort wie "Ich kann doch nicht hellsehen."

Die Befragung von Schülern zeigte deutlich, daß Kinder bei Schuleintritt noch recht kritisch an die Aufgaben herangehen. In der dritten und vierten Klasse werden dann vermehrt Fehllösungen produziert, die erst im Mathematikunterricht anerzogen wurden. In keinem anderen Schulfach lasse sich eine so deutliche Diskrepanz zwischen den Erfahrungen innerhalb und außerhalb des Unterrichts feststellen. Kinder müßten sich zu den Begriffen, die sie in der Mathematik lernen, ein Bild machen können. Gibt es nur abstrakte Zeichen, "bleibt die Mathematik neben dem Leben stehen".

Zu einer ähnlichen Kritik am Mathematikunterricht kommt das bayerische Kultusministerium, das Realschülern und Gymnasiasten der neunten Klasse einen Test vorlegte, der den Timss- Anforderungen entsprach. Im Durchschnitt erreichten die Klassen nur 3,9 von zehn möglichen Punkten. Die Interpretation des Ergebnisses führe zu dem Schluß, daß im Unterricht zuwenig Wert auf kreative Lösungen und einen kontinuierlichen Wissensaufbau gelegt wird. Nicht die Schüler seien schuld an der Misere. Notwendig sei vielmehr eine Korrektur des Unterrichts, der den Schülern zuviel Neues abverlange und das Erlernte zuwenig pflege. Statt dessen sollte weniger Stoff intensiv erlernt und eingeübt werden.