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27.06.1980 - 

Ohne neue Konzepte einführen zu müssen:

Warum nicht auch Online-Dokumentation?

"Computer-Leistung am Arbeitsplatz" ist das Schlagwort, das die Entwicklungsrichtung der Datenverarbeitung der letzten Jahre prägt. An wessen Arbeitsplätzen aber wäre Computerleistung vorrangiger zu benutzen, als an denen der DV-Mitarbeiter?. Der Computer ist ihr hauseigenes Werkzeug: Wie nutzen sie ihn zur Unterstützung und Automatisierung ihrer eigenen Aufgaben?

Neben dem Operating erscheinen die Programmierer zunächst als geeignete Zielgruppe, Terminalunterstützung zu erhalten. Schlagwort: " Online-Programmierung".

Programmierer am Terminal

In vielen Fällen versteht man unter Online-Programmierung erst einmal nur Source-Code-Verwaltung. Hier machen die Programmierer nichts anderes, als das, was sie den Fachabteilungen später "aufs Auge drücken" wollen - nämlich Datenerfassung durch die Sachbearbeiter.

Es fragt sich, ob die Erfassung größerer Programme im "Adler-Suchsystem" wirklich billiger ist als durch eine professionelle Erfassungskraft. Der Vorteil der Source-Code-Verwaltung online tritt dann aber zutage werden es um Suchen und Korrigieren in gespeicherten Programmen geht. Die verzögerungsfreie und papierlose Durchführung dieser Arbeiten bringt meßbaren Zeitgewinn am Arbeitsplatz.

Interaktiver Test oder Job-Submitting?

Die Bezeichnung "Online-Programmierung" ist aber dann nur gerechtfertigt, wenn weitgehend alle Programmiertätigkeiten am Terminal durchgeführt werden können. Man denkt üblicherweise sofort an Umwandlung und Test. So schön ein interaktiver Programmtest auch auf den ersten Blick erscheinen mag, so teuer ist er auch. Interaktive Compiler verbrauchen so viele Ressourcen, daß der produktive Betrieb - deutlich darunter leidet. Deswegen haben viele Anwender eine direkte Ausführung im Time-Sharing wieder abgeschafft.

Für die meisten Anwender dürfte der größte Vorteil erwirtschaftet werden, wenn man vom Terminal aus Ausumwandlungen und Testläufen startet, die im Batch ausgeführt werden ("Job-Submitting"-) und deren Ergebnis am Terminal wieder verfügbar sind. Hiermit wird der größte Teil des Nutzens eines Terminals am Programmier-Arbeitsplatz erzielt, ohne zugleich den Verbrauch an Hardware-Kapazität übermäßig zu steigern. Allein schon der Wegfall der Papierberge kann lohnend genug sein. So bezifferte beispielsweise W. Trift von der Pioneer Corporation die auf diese Weise eingesparten Papierkosten mit 16 000 Dollar pro Jahr.

Terminals auch für Systemanalytiker?

Sind das alle Aufgaben, die durch Terminals unterstützt werden können? Zwei aufwandsmäßig große Brocken sind noch Systementwurf und Dokumentation. Kann man auch hier etwas tun? Dokumentation ist oft noch das Stiefkind der DV. Dabei kann beim Systementwurf ein Großteil der Unterlagen gestellt werden, aus denen sich die Dokumentation zusammensetzt. Diese Erkenntnis ist zwar weit verbreitet, jedoch bleibt das häufige Problem, daß sich die Änderungen während der Entwicklungsphase nicht mehr nachvollziehen lassen, so daß die früheren Vorgaben keine korrekte Dokumentation mehr darstellten.

Wenn es sich hierbei um schreib- und pflegeintensive Arbeiten handelt, warum nicht auch über Computerverwaltung? Der Systemanalytiker kann am Terminal seine Beschreibungen, Matrizen, Tabellen etc. genauso verwalten wie der Programmierer sein Coding.

Es werden einige computergestützte Entwurfs- und Dokumentationsmethoden angeboten, die auch Online-Eingaben unterstützen (zum Beispiel Delta, HIPO, Doku). Da hinter diesen umfangreichen Verfahren ein bestimmtes Konzept steckt, das man erst einmal akzeptieren muß, und eine entsprechende Softwareunterstützung gebraucht wird, ist ihre Einführung entsprechend langsam.

Online-Dokumentation ohne Zusatzkosten?

Deshalb sollten wir uns an dieser Stelle mit den Möglichkeiten der Online-Dokumentation eher befassen, die jeder Anwender bequem realisieren kann. Ohne neue Konzepte und Philosophien einführen zu müssen, kann man nämlich schon mit Hilfe eines standardmäßigen Programmiersystems eine Online-Dokumentation aufbauen und pflegen.

Dazu können unter anderem gehören:

- Projektbeschreibung,

- Programmbeschreibung,

- Dateibeschreibung,

- Satzaufbau,

- Standardsatzbeschreibung,

- Ablaufbeschreibung,

- Steuerkarten,

- Testdaten,

- Bildschirmaufbau.

Diese Beschreibungen lassen sich ebenso verwalten wie Quellenprogramme. Jede Beschreibung wird als Member der Quellenprogrammbibliothek geführt. Durch eine Namenskonvention läßt sich ein Index erzeugen der den gezielten Zugriff zu der Einzelbeschreibung ermöglicht.

Auch für die Einhaltung der Dokumentationsvorschriften läßt sich sagen: Rahmen für die Beschreibungen werden einmalig als Member abgespeichert und für jede neue Beschreibung kopiert. Damit muß der Analytiker nur noch die vorgegebenen Freiräume ausfüllen. Jeder Anwender kann so seine gewohnte Dokumentationsrichtlinien umsetzen.

Darüber hinaus können in einer solchen Bibliothek weitere nützliche Informationen online verwaltet werden wie zum Beispiel:

- hausinterne Standards,

- Nachweis der Programmänderungen,

- Prozeduren und ihre Erläuterungen.

Data Dictionary mit wenig Aufwand

Ein wesentliches Problem ist, daß die Dokumentation eines Programmes oder Projektes nicht isoliert betrachtet werden kann. Die Querbeziehungen zu anderen Programmen oder Projekten sind wesentlich. Ein Data Dictionary verwaltet die Informationen über solche Querbeziehungen. Dafür gibt es spezielle Softwereprodukte, deren Problem ist, daß sie erst mit maschinenlesbaren Informationen gefüttert werden müssen, bevor sie einen Output liefern. Online-Dokumentation kann eine geeignete Eingabequelle dafür sein.

Aber mit recht wenig Aufwand kann man sich selbst ein Programm herstellen, das aussagefähige Cross-Referenzen aufgrund der Online-Dokumentation liefert. Voraussetzung ist die Einhaltung einer Namenskonvention. So lassen sich alleine durch Analysen der Steuerkarten unter anderem folgende Aussagen gewinnen:

- In welcher Prozedur (Job) wird ein Programm verwendet?

- Von welchen Programmen wird eine Datei bearbeitet?

- Welche Jobs gehören zu einem Projekt?

- Welche Programme benötigen ein spezielles Formular? Etc.

Online-Dokumentation auch für die Benutzer

Was wir bisher betrachtet hatten, waren DV-orientierte Ansätze zur Online-Dokumentation. Sind aber nicht auch wesentliche Teile der genannten Beschreibung Bestandteil der Benutzer-Dokumentation und Arbeitsanleitung? Da die Benutzer Terminals haben, sollten sie ihre Informationen ebenso online abrufen können.

In der Entwurfsphase werden ja die einzelnen Transaktionen, Bilder, Datenfelder etc. mit den Fachabteilungen abgestimmt und beschrieben. Warum sollte man diese Beschreibungen nicht am Terminal erfassen und online halten? Damit kann man nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen hat man eine pflegeleichte Dokumentation, die zur Kommunikation zwischen Fachabteilung und EDV dient, und zum anderen legt man den Grundstein für eine Benutzerdokumentation und Bedienerführung.

So kann der Bediener sich mit einer einfachen Transaktion zum Beispiel anzeigen lassen:

- Welche Funktion steckt hinter einem bestimmten Transaktionscode?

- Welche Information enthält ein Bildschirmbild?

- Welche Eingaben sind an einer bestimmten Dialogschnittstelle möglich?

- Was bedeutet eine Feldbezeichnung im Klartext?

- Welche Werte sind für ein bestimmtes Feld zugelassen?

und anderes mehr.

Nützlicher als ein dickes Handbuch ist für den Terminalbediener eine solche gezielte Online-Information. Sie kann benutzt werden als Dokumentation und als Bestandteil einer "Hilfe-Funktion".

Wie groß ist der Aufwand?

Man benötigt für eine Online-Benutzerdokumentation nicht unbedingt teure, komplexe Programmpakete und Datenbanken. Recht praktikable Lösungen kommen mit zwei Transaktionsprogrammen aus: Einspeichern und Anzeigen von Beschreibungen. Auch die Dateiorganisation braucht nicht aufwendig zu sein. Mit einem geschickt aufgebauten Schlüssel kann man alle diese Informationen in einer indexsequentiellen Datei abspeichern und wiederfinden.

Noch ein Tip dazu: Speichern Sie Beschreibungen in Groß-/Kleinschrift ab!

Es gibt nichts Unangenehmeres, als längere Texte nur in Großbuchstaben lesen zu müssen. Für Minicomputer ist Groß-/Kleinschrift am Terminal schon lange eine Selbstverständlichkeit; inzwischen sind die notwendigen Einrichtungen auch für größere Computer preisgünstig zu haben.

Dieser Beitrag kann aufgrund seines Umfangs nicht eine detaillierte Anleitung zum Ausbau eines eigenen Online-Dokumentationssystems bringen; doch sollte er Denkanstöße vermitteln, was sich aus Online-Programmierung weiterentwickeln läßt, und daß dafür nicht unbedingt teure Software nötig ist. Das Werkzeug "Online-Programmierung" ist vielfältig nutzbar.

- Michael Bauer ist Pressereferent der GES - Gesellschaft für elektronische Systemforschung mbH, Allensbach.