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21.08.1998 - 

Open-Source-Software/Motivation ohne "Kick-off"-Gelaber

Warum Open-Source-Software normalerweise besser ist

Die Gruppe der Programmierer freier Software ist sehr heterogen. Da sind zum einen natürlich Studenten, die Spaß am Programmieren haben oder mit solchen Projekten, die oft größer sind, als die Aufgabenstellungen im Studium, Erfahrungen sammeln wollen.

Ferner gibt es die Programmierer aus Leib und Seele, denen es Vergnügen bereitet, ohne die oftmals überformalen Entwicklungsregeln in ihren Unternehmen Software zu schreiben. Schließlich sind Hobbyisten darunter, die das Programmieren als kreativen, geistig anregenden Zeitvertreib ansehen.

Weil sie kein Geld dafür bekommen, entspringt die Motiva- tion einzig und allein aus der Sache selbst. Das ist der Grund, warum freie Software der kommerziellen häufig überlegen ist: Die Entwickler arbeiten nicht daran, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Ihre einzige Entlohnung ist die Anerkennung anderer, und die bekommen sie nur, wenn die Programme von ausgezeichneter Stabilität sind.

Ein nicht unerheblicher Faktor ist, daß sich die Entwicklung freier Software vorwiegend im Unix-Bereich abspielt. Dort gelten seit jeher anspruchsvollere Qualitätsmaßstäbe als in der Wintel-Welt. Schon gar nicht sitzt den Entwicklern eine Marketing-Abteilung im Nacken, die auf die Freigabe des Produkts drängt.

Viel freie Software entsteht in Ein- oder Zwei-Mann-Projekten, die wenig Organisation erfordern. Aber es gibt auch Großprojekte, zum Beispiel Linux, bei dem keiner weiß, wie viele daran schon mitentwickelt haben. An KDE arbeitete ein fester Kern von etwa fünfzig Entwicklern, zu dem etwa hundert weitere Entwickler kommen, die von Zeit zu Zeit etwas beitragen.

In solchen Projekten entsteht zwangsläufig eine gewissenhafte Organisation. Schließlich kann man es sich in einem freien Projekt noch viel weniger als anderswo leisten, Arbeitszeit und vor allem Motivation zu verlieren.

Hier - zumindest in den gut geführten freien Projekten - wird nicht weniger professionell vorgegangen als in kommerziellen, manchmal gar professioneller. CASE-Tools und Werkzeuge für die Versionsverwaltung - natürlich immer nur frei zugängliche - sind dabei selbstverständlich. Ein deutlicher Unterschied zur normalen Arbeitsumgebung besteht allerdings darin, daß das Internet das vorrangige Kommunikationsmedium ist.

In jedem größeren Projekt kristallisieren sich automatisch Führungspersönlichkeiten heraus. In der Open-Source-Szene sind dies aber grundsätzlich Personen, die durch herausragende fachliche Qualitäten aufgefallen sind - andere würden die Mitentwickler nicht akzeptieren. Akademischer Grad oder Dauer der Projektzugehörigkeit spielen überhaupt keine Rolle.

Wichtig für Entwicklungsvorhaben ist natürlich auch, daß die gewissermaßen per Akklamation ernannten Projektleiter Integrationsfiguren sind. Sie müssen in der Lage sein, die Beteiligten zu motivieren und das Projekt auf dem selbstgesetzten Kurs zu halten.

Der Faktor Motivation ist nicht zu unterschätzen. Bekannte IT-Consultants wie Steve McConnell ("Rapid Development", Microsoft Press 1996) oder Philip Metzger und John Boddie ("Managing Technical People", Prentice-Hall 1996) haben auf die herausragende Bedeutung der Motivation der Entwickler für ihre Produktivität hingewiesen. In allzu vielen Firmen spielt das eher eine untergeordnete Rolle.

Ein Argument gegen freie Software lautet, daß der Anwender keine Garantien hat. Schließlich könne man niemanden verklagen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hatte. Das ist richtig, und die Programmierer freier Software sichern sich auch durch spezielle Lizenzen dagegen ab, daß jemand ihnen einen Strick drehen kann.

Aber bei der kommerziellen Software ist es nicht anders. Bei Standardlizenzverträgen ist der Kunde verraten und verkauft. Allenfalls wird die Fehlerfreiheit des Datenträgers garantiert, aber nicht eine einzige Funktionalität des Programms ist juristisch einklagbar.

Bleibt noch die Frage, wie es mit dem Support aussieht, auf den es in der Tat keinen Anspruch gibt. Für freie Software kann man Hilfe beispielsweise in Newsgruppen und Mailing-Listen erhalten.

Es ist nicht ungewöhnlich, daß der Entwickler selbst antwortet, der ja sehr daran interessiert ist, wie "sein" Produkt bei anderen ankommt. Darüber hinaus bieten Firmen zu vielen größeren freien Softwareprodukten spezielle Supportverträge an.

Matthias Kalle Dalheimer ist freiberuflicher Software-Entwickler, Fachbuchautor und Übersetzer in Meilsdorf bei Hamburg.