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24.02.2006

Warum sich IT-Frauen selbständig machen

Syra Thiel
Fast jedes dritte neu gegründete Unternehmen wird von einer Chefin geführt. Frauen glänzen mit Ausdauer und Kommunikationsstärke.

Für mich war bereits während des Studiums klar, dass ich mich einmal selbständig machen werde. Ich wollte mehr Verantwortung übernehmen und komplexere Aufgaben bewältigen. Als Angestellte hätte ich darauf Jahre warten müssen." Die Geschäftsidee kam Mihaela Homana nicht etwa über Nacht. Dahinter steckte handfeste Arbeit in Form von intensiven Recherchen, Analysen und Diskussionen mit ihrem heutigen Geschäftspartner. Die Teilnahme an zwei Business-Plan-Wettbewerben half schließlich, die Idee zu vollenden.

Tipps für Gründerinnen

Die Gründerinnenagentur (www.gruenderinnenagentur.de) hilft Frauen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Ziel der Agentur ist es, das Gründerklima für Frauen in Deutschland zu verbessern und den Anteil von Frauen an Unternehmensgründungen mittelfristig zu erhöhen.

Zu den Leistungen zählen unter anderem:

• Überblick über Informations-, Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Gründerinnen;

• Hinweise auf kostenlose Online-Kurse zur Existenzgründung;

• Datenbank zu Veranstaltungen;

• Vermittlung relevanter Ergebnisse aus der Gründerinnenforschung;

• Vernetzung innerhalb der Gründerszene.

• Bundesweite Hotline: Beraten wird in allen Phasen der Gründung, es werden Kontakte zu Expertinnen und Experten vermittelt. Telefon: 01805/22 90 22 (0,12 Euro/Minute).

Hier lesen Sie …

• warum sich Frauen selbständig machen;

• wovon es abhängt, dass sich Gründerinnen für den IT-Sektor entscheiden;

• wie sie es schaffen, Erfolg zu haben.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

560441: Selbständigkeit als Alternative zur Festanstellung;

556106: Tipps für die Selbständigkeit;

555927: Alternativen zur Festanstellung.

Gemeinsam mit Amit Shah, einem ehemaligen Kollegen, gründete sie die Firma E-Senza Technologies und beendete ihre Anstellung als Informatikerin bei Siemens. Ihr Unternehmen entwickelt stromarme Funklösungen für die Vereinfachung und Verbesserung der Datenkommunikation zwischen Messgeräten und Steuerungen. Die flexiblen Systeme funken bidirektional und ermöglichen drahtlose Ad-hoc-Netzwerke zwischen Sensoren oder Anlagen.

Aufgrund der vielen Anfragen von Firmen aus dem Umwelt- und Energie-Management, der Logistik und Gebäudetechnik erwartet Homana, dass sie mit ihrer Firma in einem Jahr schwarze Zahlen schreiben wird. Die heute 27-Jährige schaut optimistisch in die Zukunft. "Wenn ich etwas plane, dann schaffe ich es auch." Dieses Selbstvertrauen zahlte sich offenbar auch in den Verhandlungen mit der Bank aus. Die Finanzierungen bei der KfW Bankengruppe waren, so Homana, keine Hürde, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie als Frau in einem eher männerdominierten Umfeld arbeitet.

Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wächst der Frauenanteil bei den Selbständigen. Auch in absoluten Zahlen lässt sich dieser Trend untermauern. So ist die Zahl der Unternehmerinnen in Deutschland von 1993 bis 2003 um 239 000 auf eine Million gestiegen. Dabei liegt der Anteil der Hochschulabsolventinnen unter den Gründerinnen bei 18 Prozent und somit vier Prozent höher als bei den Männern. Damit haben Frauen auch hier die männlichen Kollegen in Bezug auf die höchsten Bildungsabschlüsse überholt. Mittlerweile verfügt jede vierte Gründerin über einen Fachhochschul- beziehungsweise einen Universitätsabschluss.

Zahl der Gründerinnen verdoppelt

In nur zehn Jahren hat sich die Zahl der selbständigen Frauen, die einen dieser Abschlüsse erworben haben, auf etwa 277000 erhöht und damit mehr als verdoppelt. Robert Strohmeyer, Soziologe am Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim, spricht in diesem Zusammenhang von einem Akademikerinnenboom.

Für Claudia Erben, Geschäftsführerin des Forum Kiedrich, eines bald zehn Jahre bestehenden Netzwerks von Mentoren, Gründern und Business Angels, schlägt sich das in einer tendenziell höheren Erfolgsquote weiblicher Gründer nieder. Ihrer Erfahrung nach machen sich hoch qualifizierte Frauen oft deshalb zur eigenen Chefin, weil sie die Beschränkungen in Unternehmen umgehen wollen, an die sie früher oder später stoßen - unabhängig davon, ob es sich dabei um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie handelt oder um den Wunsch, größere Verantwortung zu übernehmen. Interessanterweise scheint das Netzwerken dieser "Women in Leadership" ausgeprägter zu sein als bei Männern. "Frauen tun sich leichter darin, sich Tipps zu holen und insofern sich auch über Lösungswege auszutauschen."

Studienfach entscheidet

Nach Maria Lauxen-Ulbrich und René Leicht, ebenfalls Soziologen am Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim, sind 73 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen in typischen Frauenberufen tätig, während dies unter den selbständigen Frauen nur bei 35 Prozent der Fall ist. Die Forscher gehen davon aus, dass viele Frauenberufe offenbar keine günstigen Voraussetzungen dafür bieten, um in die Selbständigkeit zu wechseln. Bei Frauen, die einen "Männerberuf" ausüben, ist dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich selbständig machen, höher als bei Männern im gleichen Bereich.

Trotzdem sind Gründerinnen in den wachstumsstarken technologie- und wissensorientierten Branchen eher selten vertreten. Weshalb der Frauenanteil hier so gering ist, dazu veröffentlichte die bundesweite Gründerinnenagentur Ende vergangenen Jahres eine Sammlung von Daten. Offenbar ist bereits die Wahl des Studienfaches entscheidend. Und der Entschluss für ein Studium wird wiederum von der schulischen Ausbildung und den vorherrschenden sozialen Rollenbildern beeinflusst.

Interesse der Mädchen wecken

Diese These stützen auch die Ergebnisse einer Studie der Akademie für Technikfolgenabschätzung. Danach besuchen Mädchen seltener als Jungen naturwissenschaftlich ausgerichtete Schulen und begeistern sich auch seltener für Technik und Naturwissenschaften. Schlechter sind sie deshalb nicht. Laut den Pisa-Ergebnissen wissen Mädchen in diesen Fächern genauso viel wie die Jungen.

Es müsste in Zukunft, so die Gründungsexpertin Erben, daher noch stärker darum gehen, das Interesse der Mädchen an einer beruflichen Verwertung dieser Kenntnisse zu wecken oder zu stärken. Dies ließe sich ihrer Meinung nach unter anderem mit einer Aufhebung der Koedukation in Chemie, Physik und Mathematik bewerkstelligen. "In einer reinen Mädchenklasse könnte die Stoffvermittlung durchgängiger an weibliche Lebenserfahrungen und -entwürfe anknüpfen. Mädchen würden so erfahren, dass auch technische oder naturwissenschaftliche Berufe spannend sind."

Wie wichtig die Vorbildfunktion von Lehrern und ein interessanter Unterricht für die eigene Studienwahl sind, bestätigt auch Doris Ludwig. Sie studierte Architektur und machte sich mit ihrer Firma "Cameleons cross-media-design" vor einem Jahr selbständig. Da sowohl ihr Physikunterricht als auch ihr Deutsch- und Kunstunterricht sehr spannend waren, wollte sie unbedingt ein Fach studieren, das gleichermaßen technischen als auch gestalterischen Hintergrund hat und beide Themen miteinander verknüpft.

Motivation ist alles

Heute berät sie Unternehmen zu ihrem Informations- und Mediendesign und setzt diese Pläne auch um. "Ich wollte immer mehr machen als nur einem Beruf nachzugehen. Ich liebe es, Ideen zu verwirklichen, alte Wege zu verlassen, zu entdecken und zu entwickeln." Während ihrer Zeit als Mitarbeiterin in Architekturbüros fühlte sie sich eingeschränkt, zu festgelegt auf eine Methodik, zu stark dem Unternehmen und weniger dem Kunden verpflichtet.

Wie bei der Gründerin Homana stand auch bei Ludwig nicht das Geldverdienen im Vordergrund. Und arbeiten muss sie deutlich mehr als eine Festangestellte. Das aber macht ihr Spaß. "Ich habe mich mit meiner Selbständigkeit für die Chance entschieden, etwas Neues zu schaffen und mir jeden Tag meine Wege selbstbestimmt zu suchen. Dafür habe auf vieles verzichtet. denn gerade private Interessen rutschen in der Aufbauphase sehr schnell in den Hintergrund oder sind mit dem Aufbau einer Firma nicht zu vereinbaren." Noch ist die 35-jährige Frankfurterin eine Einzelkämpferin. Das soll sich aber bald ändern.

Networking für Gründerinnen

"Networking ist das Allerwichtigste, wenn man eine Firma hat. Man weiß nie, ob sich über ein Gespräch nicht ein geschäftsrelevanter Kontakt ergibt." Homana engagiert sich daher nicht nur im Bodenseenetzwerk, sie gehört auch dem Forum Kiedrich Netzwerk (www.forum-kiedrich.de) an. Auch Ludwig hat erkannt, wie wichtig Kontakte für ihre Arbeit sind. Dabei geht es ihr nicht nur um Aufträge. Wichtig ist auch der Austausch, die Möglichkeit, von anderen zu lernen. Zwar gibt es auf lokaler und regionaler Ebene bereits Netzwerke für Gründerinnen. Um diese jedoch zu bündeln und zu vernetzen, hat der Bund eine bundesweite Agentur für Gründerinnen geschaffen (www.gruenderinnenagentur.de). (hk)