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28.03.2008

Warum Vista keine Chance bekommt

Viele Anwender weigern sich, Microsofts jüngstes Windows einzusetzen. Sie haben allen Grund dazu.

Es ist eine ganz normale Geburt: In Redmond erblickt alle paar Jahre ein neues Betriebssystem das Licht der IT-Welt, und schon geht das Geschrei los. Die Heimanwender beschweren sich über Neuerungen, die kein Mensch braucht. Die Nostalgiker halten noch jahrelang an ihrem alten System fest. Die Unternehmen weigern sich erst, stellen aber dann doch gezwungenermaßen um, sobald die neuen Rechner da sind. Die Journalisten loben die neue Plattform vor dem Release in den höchsten Tönen, um sie wenig später in Grund und Boden zu schreiben.

Warten auf Windows 7

Als Microsofts Nesthäkchen Vista vor mehr als einem Jahr in den Markt startete, war sein Vorgänger XP gerade erst akzeptiert worden, obwohl das System schon seit 2001 zur Verfügung stand. Aber erst das zweite Service Pack im Jahr 2004 brachte die längst überfällige Stabilität und Sicherheit, die die Benutzer überzeugte. Auch wenn viele Anwender noch von Windows 2000 schwärmen, hat sich XP inzwischen auf breiter Front durchgesetzt. Als schließlich Anfang 2007 Vista kam, wollte es kaum jemand haben. Das gerade veröffentlichte Service Pack dürfte daran vorerst nichts ändern (siehe auch unsere "Frage der Woche" auf Seite 4). Vielleicht auch nicht, weil sich schon vor dem Vista-Release Gerüchte hielten, dass Windows 7 bis spätestens 2010 erscheinen werde. Microsoft bestätigte diesen Zeitplan später und gab seinen Kunden damit das beste Argument an die Hand, auf Vista ganz zu verzichten. So lange kommen die Nutzer mit Windows XP klar, zumal in Kürze das Service Pack 3 zu erwarten ist, das die Zukunftssicherheit von XP unterstreichen soll.

Wer XP hat, braucht kein Vista

Tatsächlich gibt es keine zwingenden Gründe, jetzt auf Vista umzustellen, wie unsere amerikanischen Kollegen von der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" in einem Praxistest herausgefunden haben. So überzeugt XP auch nach vielen Jahren beim wichtigen Thema Sicherheit eher als sein Nachfolger. Vista bietet mit dem UAC (User Account Control) und dem Internet Explorer Protected Mode zwar zwei Features an, die den Anwender besser vor Angriffen von außen und - mehr noch - vor sich selbst bewahren sollen, die Technologien sind aber nicht neu und bereits seit Windows NT im Einsatz. Bislang werkelten sie lediglich unsichtbar unter der Oberfläche. Aber auch das UAC macht Vista nicht wirklich sicherer - mit dem richtigen Benutzerkonto lässt es sich sogar als neues Hacker-Einfallstor missbrauchen. Andere Vista-Neuerungen wie die aufgemotzte Firewall und die "Address Space Layout Randomization" (ASLR), die Prozesse und Programmbibliotheken ungeordnet im Arbeitsspeicher verteilt und so einen gezielten Angriff erschwert, sind interessant, aber keinesfalls innovativ. Die meisten Unternehmen, die Windows XP einsetzen, haben bereits seit längerem eine Hardware-Firewall oder Drittanbieter-Software für mobile Zugriffe.

Neue Systemverwaltung

Administratoren bekommen mit Vista erstmals von Haus aus die Möglichkeit, USB-Schnittstellen oder einzelne Laufwerke auf Client-Seite zu sperren, damit keine fremden Daten in das Unternehmensnetz eingespeist werden können. Erweiterungen des Active Directorys und des Group Policy Frameworks, die Windows 2000 einst so erfolgreich machten, bieten zusätzliche Vorteile. Auch die neue Image-basierende Installationstechnik, mit der vorkonfigurierte Systeme eins zu eins auf andere Rechner kopiert werden können, gleich welche Hardware in diesen eingebaut ist, macht das aktuelle Windows interessanter als seinen Vorgänger. Wer das System- und Treiber-Management aber nicht als wichtigsten Punkt der hauseigenen IT betrachtet, kommt auch mit XP und einigen Zusatz-Tools an das Leistungsvermögen von Vista heran.

Der Preis der Schönheit

Microsoft schaute sich die beliebten Oberflächen-Erweiterungen (Sidebar-Widgets) bei Apples MacOS ab und baute sein dreidimensionales Bildschirmwunder "Aero". Die neue Benutzerführung ist ausgesprochen ressourcenhungrig. Mancher Anwender musste feststellen, dass sein Rechner vielleicht "Vista-tauglich", aber keinesfalls "Aero-tauglich" war - was Microsoft einige Klagen einbrachte. XP-Veteranen werden etwas Zeit brauchen, um sich zwischen den neuen Features zurechtzufinden. Der Windows-Explorer ist zum Vista-Explorer mutiert - entsprechend ist unter Vista nichts mehr dort, wo es einmal war.

Die Rückkehr des Bluescreens

Dass Vista schön aussieht, hat seinen Preis: In puncto Stabilität und Performance kann die Plattform ihrem Vorgänger noch nicht das Wasser reichen. Microsoft hatte den Bluescreen mit Vista offiziell für tot erklärt - seit das Service Pack 1 draußen ist, taucht er aber plötzlich wieder auf. Windows XP ist seit dem Service Pack 2 wesentlich zuverlässiger, auch im Dauerbetrieb. Die hohen Hardwareanforderungen von Vista rechtfertigen einen schnellen Wechsel noch weniger: Jedes zusätzliche Kilobyte RAM und Megahertz an Prozessorleistung, das nur dafür verwendet wird, die Leistung der Vista-Installation einer früheren XP-Variante anzupassen, können Anwender besser in die Leistung ihrer Geschäftsapplikationen stecken.

Kaum wichtige Neuerungen

Wer auf Vista migrieren möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass längst nicht alle Hardwarekomponenten, die unter XP funktionieren, auch unter Vista laufen. Die Treiberdatenbank ist ausbaufähig und wird auch in einigen Jahren noch nicht den Umfang haben, den ihr XP-Pendant aufweisen kann. Wer auf Vista wechselt, erhält nur wenige Features, für die sich der Umstieg lohnen würde. Das Vista-exklusive Multimedia-Software-Package DirectX 10 ist eine Ausnahme und würde für Spielefreaks sogar einen Systemwechsel rechtfertigen. Doch welches Unternehmen braucht das schon?

Mit der Problematik der fehlenden Hardwarekompatibilität geht das mangelhafte Angebot an Software einher, die Microsofts neue Plattform wirklich ausreizt. Zu Beginn der Werbeaktivitäten für Vista kündigte Microsoft einige fundamentale Techniken an, die zukünftigen Killer-Applikationen entgegenkommen sollten. Einige der geplanten Neuerungen wie das Dateisystem WinFS wurden jedoch nicht aus der Tür gebracht. Andere wie die Präsentations-Programmierschnittstelle Windows Presentation Foundation (WPF) erschienen nur noch als Bestandteil des .NET-Frameworks 3.0 für Windows XP und Server 2003. Mit diesem fehleranfälligen Entwicklerwerkzeug ließen sich aber komplexe Fat-Client-Anwendungen noch nie programmieren. Und siehe da: Bis heute ist keine wirklich taugliche WPF-Applikation auf dem Markt. Das gilt auch sonst für Drittanbieter-Software, die auf der Grundlage von Vista-Entwicklungswerkzeugen erschaffen wurde - einige auf DirectX 10 basierende Spiele einmal ausgenommen.

Entwicklers Liebling

Vista-spezifische Programmierung betrifft bislang meistens nur das Patchen von Sicherheitslücken, die das UAC-Feature verursacht hat. Neue Anwendungen, die derzeit auf den Markt kommen, sind klassische Win32-Applikationen, in C++, den Microsoft Foundation Classes (MFC) oder der Active Template Library (ATL) geschrieben. Diese Werkzeuge funktionieren alle prächtig unter Windows XP. Abgesehen von den Tools, die Vista-spezifische Funktionen wie den neuen Boot-Loader und die Sidebar-Widgets ansprechen sollen, benötigt kein Microsoft-fremder Programmierer ein Vista-System.

Selbst Microsoft veröffentlichte bisher keine Programme, die eine Vista-Installation zwingend voraussetzen. Office 2007 läuft ebenso gut unter XP, Backoffice-Produkte wie Exchange, SQL Server und Sharepoint bieten in ihren Vista-Versionen nur wenige Vorteile gegenüber den XP-Pendants. Für wirklich neue Anwendungen aus dem Hause Microsoft müssen die Anwender mindestens noch bis Windows 7 warten. Weil dessen Freigabe aber bereits in 18 bis 24 Monaten anstehen könnte, sind alle Vista-Gegner sehr gut versichert.

Alle Jahre wieder …

… bringt Microsoft ein neues Windows auf den Markt. Und alle Jahre wieder hat es das System schwer, sich durchzusetzen. Wir haben die Meilensteine der Windows-Entwicklung für Sie zusammengefasst.

  • 1985 Windows 1.0 - erweiterte das kommandozeilenbasierte MS-DOS erstmals um eine grafische Oberfläche. War wie alle frühen Windows-Versionen ein 16-Bit-System.

  • 1993 Windows 3.11 - ermöglichte kollaboratives Arbeiten auf 32-Bit-Basis. Das erste kommerziell erfolgreiche Windows markierte den Anfang vom Ende von MS-DOS.

  • 1993 Windows NT - erstes System speziell für Enterprise-Server, bereits vollständig von MS-DOS losgelöst. Windows erschien erstmals in mehreren Versionen für diverse Arten von Endbenutzern.

  • 1995 Windows 95 - 32-Bit-System, das aber einzelne Hintergrundanwendungen noch im 16-Bit-Modus ausführte. Es legte den Grundstein für die gesamte weitere Entwicklung. Einführung des FAT32Dateisystems.

  • 1999 Windows 98SE - erstes reines 32-Bit-Betriebssystem, das stabil funktionierte.

  • 2000 Windows 2000 - technische Weiterentwicklung von Windows NT 4.0. Der neue Verzeichnisdienst Active Directory erlaubte erstmalig eine zentrale Verwaltung von Ressourcen, Benutzern und Gruppen. Einführung des NTFS-Dateisystems.

  • 2004 Windows XP Service Pack 2 - brachte die bisher stabilste WindowsPerformance, mehr Sicherheit durch Microsoft Forefront und eine verbesserte Unterstüt-zung von Multimedia- und Web-Anwendungen. War als erste Windows-Plattform für Privat- und Unternehmensanwender gleichermaßen interessant.