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Listgenerator kann die Arbeit erleichtern


12.09.1975 - 

Was bringt "Cobol-Report-Writer"?

MÜNCHEN - Bekanntlich wurde 1968 ein Cobol-"Report-Writer"-Modul in den American National Standard (ANS) für Cobol aufgenommen, - und auch 1974 in leicht veränderter Form beibehalten. Dieses Programmier-Hilfsmittel wurde jedoch - zum Erstaunen seiner Verfechter - von den Anwendern zum größten Teil ignoriert, bekrittelt und herabgesetzt.

Zahlreiche Einwände

Gegen den Cobol-Report-Writer hört man dabei eine ganze Reihe von Argumenten:

- der Report-Writer ist nicht effizient,

- der Report-Writer braucht zuviel Kernspeicher,

- der Report-Writer entspricht nicht dem Standard,

- der Report-Writer wird nicht von allen Herstellern unterstützt,

- Der Report-Writer ist den meisten Programmierern zu wenig bekannt, ein richtiger Gebrauch ist deshalb nicht abgesichert.

Zudem hört man gelegentlich: "Ich habe noch nie von einem Cobol-Report-Writer gehört".

Keiner dieser Einwände klingt überzeugend genug, um die allgemeine Abneigung gegen den Gebrauch dieses Cobol-Moduls zu erklären.

Sind andere Generatoren etwa besser?

"Nicht effizient" trifft wohl auf die meisten Listprogramm-Generatoren zu. Ein selbstentworferies Benutzerprogramm kann natürlich von Abkürzungen Gebrauch machen, die für ein Programmpaket zu riskant wären, - trotzdem floriert das Geschäft mit Programmpaketen aller Art besonders wegen ihrer Zuverlässigkeit, Benutzerfreundlichkeit und flexiblen EinsatzmÖglichkeit. "Zuviel Kernspeicher" trifft ebenfalls zu, - müßte wohl aber auch bei den übrigen weitverbreiteten Programmpaketen als Argument gegen ihre Benutzung ins Feld geführt werden. Es ist dabei auch interessant daß keine Benchmarks bekannt sind, die diesen Vorwurf wirklich unterstützen.

"Entspricht nicht dem Standard", - eine interessante Feststellung, weil zum Beispiel das "IBM-Cobol-Manual" den Report-Writer wirklich nicht als eine Erweiterung des ANS-Standards ausweist.

Weite Verbreitung

"Nicht von allen unterstützt" - eine seltsame Argumentation gegen ein Modul, das im allgemein anerkannten Standard aufgenommen ist. Selbst wenn dieses Argument wahr wäre, dann könnte dasselbe wohl von den meisten Listprogrammgeneratoren gesagt werden. Außerdem kann man wohl mit Sicherheit sagen, daß der Cobol-Report-Writer in mehr Installationen eingesetzt wird als die meisten anderen populären Programm-Generatoren.

"Zu wenig bekannt" - eine alte Ausrede, bei der man sich fragen muß, ob es schwieriger ist, einem guten Cobol-Programmierer mehr über seine Programmiersprache beizubringen, als ihn mit einer vollkommen neuen Makro-Sprache mit unfamiliären Befehlen, Formaten und Restriktionen vertraut zu machen.

"Niemals davon gehört" - eine sehr oft gebrauchte und meist sehr ehrliche Feststellung, die eigentlich nur bestätigt, daß der Beteiligte sein Programmierhandbuch nicht gründlich gelesen hat.

IBM-Beispiel studieren

Die Argumente gegen den Cobol-Report-Writer sind sind also durchaus nicht stichhaltig. Trotzdem wird - so jüngst eine langwierige Diskussion in der Computerworld - gefragt, ob der "Report-Writer" überhaupt noch zum Cobol-Standard gehören soll.

Auf der Gegenseite wird berichtet, daß die Anwendung des "Report-Writer", besonders bei komplizierteren Berichtformaten von großem Vorteil ist, gerade dann, wenn eine Korrekturmöglichkeit auch durch weniger erfahrene Programmierer möglich sein soll. Wenn man dem Programmier-Beispiel im "IBM-ANS-Cobol-Handbuch" folgt, sollte das Erlernen leicht möglich sein.

Vorteile bei Komplexität

Dieses Beispiel könnte übrigens auch als Kriterium für die Frage dienen, wo man den "Report-Writer" anwenden sollte. Alles was komplizierter ist als das Beispiel, sollte mit dem "Report-Writer" geschrieben werden. Alles übrige in Cobol mit eigenen Gruppenwechseln, Schaltern usw. Eine Analyse zeigt das bei einem "einfachen" Bericht. Der "Report-Writer" mit 43 Zeilen Code und 50 K war dem Cobol Mit 21 Zeilen Code und 18 K auf einer 370/135 deutlich unterlegen. Bei einem "komplizierten" Bericht brauchte der Report-Writer 88 Codierzeilen und 72 K, während Cobol 186 Zeilen und 74 K erforderte. Daraus kann man schließen, daß sich der Report-Writer bei richtiger Anwendung durchaus gut und gewinnbringend einsetzen läßt.

Alter Aberglaube

Es kann durchaus sein, daß der Cobol-Report-Writer so schlecht ist, wie fast jedermann sagt, der sich mit ihm beschäftigt hat. Jedoch sind bisher wirklich keine Argumente sichtbar geworden, die dies bestätigen. Es erscheint vielmehr daß das Vorurteil gegen den Gebrauch des Report-Writers, wie so vieler anderer Aberglaube in der EDV, auf Mißständen aufgebaut ist, die vor Jahren bestanden.

Wenn das so ist, dann wäre es wohl höchste Zeit, das bereits leicht verstaubte "Standard-Modul" aus dem Schrank zu holen und festzustellen, ob es heute nicht besser zu verwenden ist als bei Geburt im Jahre 1968.

Stellungnahmen und Erfahrungsberichte bitte als Leserbriefe an

die CW-Redaktion.