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21.01.2000 - 

Home Networking

Was bringt der vernetzte Haushalt?

Im Büro wird unsere Arbeitsweise schon längst vom Computer bestimmt. In naher Zukunft werden elektronische Informationssysteme auch den heimischen Wohnraum in Beschlag nehmen. Hadi Stiel* beschreibt Szenarien für den Einsatz von Informationstechnologie im privaten Umfeld und nennt die Voraussetzungen, die zu deren Realisierung erfüllt sein müssen.

Glaubt man den Visionären und Zukunftsforschern, werden schon bald alle Haushaltsgeräte und -anlagen vernetzt sein. Sie ließen sich dann von jedem Punkt der Erde via Funk, Telefon und Internet überprüfen und bedienen. Vieles wird über die Stimme steuerbar und auch von jedem Ort der Wohnung aus zu erledigen sein. Zusätzlich kommt Intelligenz ins häusliche Leben: Der Herd überwacht die Zubereitung des Essens, der Kühlschrank kontrolliert seinen Inhalt und bestellt online Lebensmittel nach, darüber hinaus macht er Zubereitungsvorschläge und hält Kochrezepte parat. Derartige Erweiterungen sind nicht nur Gedankenspiele technikverliebter Freaks, sondern könnten beispielsweise behinderten oder alten Menschen das Leben erleichtern.

Während die Machbarkeit all dieser Dinge außer Frage steht, stellt die Umsetzung auf breiter Basis noch eine gewaltige Hürde dar. Dazu gehört die notwendige Vernetzung der privaten Haushalte. Damit verschiedenste Apparate und Informationsgeräte miteinander kommunizieren können, bedarf es einer entsprechenden technischen Infrastruktur. Voll vernetzte Haushalte sind bislang äußerst selten, sieht man einmal vom Stromnetz und einigen Mini-LANs ab. Nicht jede Vernetzungsart eignet sich aber gleichermaßen für beliebige Zwecke; aus den verschiedenen Ansätzen ergeben sich daher unterschiedliche Einsatzbedingungen.

Die Industrie hat diese Problematik erkannt - eine Reihe von Herstellern arbeitet an Standards für Hard- und Software, die die Koppelung der Geräte untereinander und deren Kommunikation miteinander ermöglichen sollen.

Derzeit hemmen einige wesentliche Faktoren die Entwicklung in diesem Bereich. So stellen etwa die zu übertragenden Datenmengen beziehungsweise die noch mangelnde Übertragungsgeschwindigkeit nach wie vor das größte Problem für funkbasierende Systeme dar. Fernsehbilder etwa lassen sich so keinesfalls in Echtzeit übertragen. Und wie die zentrale Steuerung der Klimaanlage ihre Bilder auf den Fernsehbildschirm bringt, bleibt vorläufig ebenfalls offen. Dazu kommt die Frage nach der Ergonomie der Bedieneroberfläche: Wenn schon ein großer Teil der Bevölkerung nicht in der Lage ist, einen Videorekorder mit all seinen Leistungsmerkmalen zu nutzen, wie soll der heimische Anwender dann erst mit diesen wesentlich weiter reichenden Möglichkeiten umzugehen lernen?

Eine mögliche Antwort bietet die Integration des Fernsehers als visuelle Kommunikationszentrale: Für die Steuerung der Heizung wird ein einfacher Grundrissplan mit Bezeichnungen der Räume eingeblendet, für die Datenverbindung zur Videokamera am Eingang wird nach wie vor ein Kabel verlegt, auch wenn die Einblendung mittels eines drahtlosen Befehls an den Hausrechner geschieht.

Defizite bremsen die Entwicklung

Bisherige Versuche, Computer und Fernseher zusammenzuführen, sind allerdings als gescheitert zu betrachten, was vorwiegend an der verlangten Einfachheit liegen dürfte (die natürlich auch Kosten sparen hilft). Selbst so genannte Surf-Boxen, die nur das Internet auf den heimischen Bildschirm bringen sollen, weisen noch verschiedene Mängel auf - vom Preis ganz zu schweigen: Für dasselbe Geld ist heute ein ausreichend leistungsfähiger PC beim Fotohändler erhältlich, allerdings ebenfalls ohne Monitor.

Ein weiteres Manko: Der Fernseher steht nur im Wohnzimmer, für die universelle Bedienung verschiedener Apparate ist daher ein mobiles Gerät nötig. Handys oder Personal Digital Assistants (PDAs) wie 3Coms "Palm" sind in der Lage, diese Lücke zu füllen und werden es wohl auch in Zukunft tun. Hier kommuniziert der Benutzer via Funk- oder Infrarottechnik mit der Stereoanlage, dem Lichtschalter oder dem Türöffner.

Denkbar ist daneben die Installation eines zentralen Haushaltsrechners, der hauptsächlich Steuerungsfunktionen wahrnimmt und zusätzliche Möglichkeiten bietet. So könnten sich Videogeräte visuell programmieren lassen, indem man einfach auf den betreffenden Film in einem eingeblendeten elektronischen Programm klickt.

Ein solches System könnte auch gleich ein komplettes Filmarchiv mitführen: Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Videos wird ebenfalls via Bildschirm möglich.

Dasselbe gilt für die heimische Stereoanlage: Wenn eine eingelegte CD nicht erkannt wird, fragt der Computer ganz einfach in einer speziellen Datenbank nach und zeigt anschließend Titel und Interpret am Display an, wahlweise auch über den Fernseher. Für besondere Anlässe kann man sich dann gleich sein komplettes Musikprogramm für den CD-Wechsler "zusammenklicken" und legt dann nur noch die entsprechenden Scheiben ein.

Die Kombination verschiedener Techniken kann vielleicht auch die meisten noch offenen Probleme lösen. Ein Headset kommuniziert mit dem Mobiltelefon, das aufgrund der eingebauten Spracherkennung gar nicht mehr aus der Tasche geholt werden muss. In der Firma überträgt das Handy - beziehungsweise das Taschengerät - Gesprächsdaten an die nächste Telefonie-Basisstelle, kostenfrei für den Besitzer des Handys. Zu Hause fungiert es problemlos als Schnurlostelefon.

Diktate gehen an einen zuvor ausgewählten PC und sind unmittelbar nach Beendigung fertig zur Nachbearbeitung. Im Auto wird keine Freisprechanlage mehr benötigt, stattdessen reicht in Verbindung mit Dect beziehungsweise Swap ein einfaches gesprochenes "Garagentor öffnen", um sich im Winter nicht der Kälte draußen aussetzen zu müssen. Das Badezimmer kann vorgewärmt werden, ohne dass man sich vorher aus den Federn begeben müsste.

Dennoch ist es nicht in allen Fällen sinnvoll, elektrische und elektronische Geräte miteinander zu vernetzen. Die Waschmaschine zum Beispiel wird man immer noch händisch füllen und leeren müssen, bestenfalls eine Zustands- oder Fortschrittsanzeige bleibt übrig. Ähnliches gilt für den Kühlschrank: Erst wenn die notwendigen Chips billig genug sind, um die Milchpackung nicht wesentlich zu verteuern, lässt sich ein automatisches Bestellsystem realisieren. Nur werden wir darauf vermutlich noch lange warten müssen. Bessere Chancen dürfte ein Wartungsservice via Internet haben: Das angeschlossene Gerät sendet dann automatisch eine Mitteilung an die Servicemannschaft, sobald ein Teil ausgewechselt werden muss oder eine Wartung ansteht.

Auch Beheizungs- und Klimaanlagen sowie die Beleuchtung sind durchaus zweckmäßig per Computer zu steuern. Selbst eine vollautomatische Kaffeemaschine, die ihre Arbeit auf Zuruf aufnimmt, hat ihre Reize. Als echter Luxus bleibt dann noch das sprach- oder programmgesteuerte Öffnen und Schließen der Vorhänge, Jalousien, Fenster oder der Terrassentür.

Zurzeit aber gibt keiner der erwähnten Standards in irgendeiner Weise vor, wie "intelligentere" Geräte auf höheren Ebenen miteinander kommunizieren sollten. Der Erfolg des Internet hat zumindest insofern eine Vorbildfunktion, als sich auch im Bereich der Heimvernetzung TCP/IP als Protokoll durchsetzen dürfte. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich die Industrie auch bei den Betriebs- und Steuersystemen auf einen Konsens einigt - sonst bleibt die geräteübergreifende Kommunikation bis auf weiteres nur ein frommer Wunsch.

Glossar

Dect: Die Digital Enhanced Cordless Technology ist heutzutage ein (nahezu weltweiter) Standard bei Schnurlostelefonen. Bei durchschnittlich 10 mW Sendeleistung (bis zu 250 mW Spitzenleistung) wird eine Reichweite von bis zu 300 Metern erzielt. Die Bandbreite von 32 Kbit/s (bis zu 64 Kbit/s) reicht gerade für Sprachübertragung und Internet-Surfen sowie die Anbindung von Haushaltsgeräten.

HomePNA: Die Home Phone Network Alliance ist eine Firmenallianz, die Standards für Netzwerke auf Basis vorhandener Telefonleitungen kreiert.

IEEE-802.11: internationale Spezifikation für drahtlose Netzwerke; 1 oder 2 Mbit/s im 900-Megahertz-Band (Infrarot) beziehungsweise im 2,4-Gigahertz-Band (Funk) sind möglich.

IEEE-802.11/HR: erweiterte Spezifikation für bis zu 11 Mbit/s im 2,4-Gigahertz-Band

IEEE-802.11a: bis zu 20 Mbit/s im 5-Gigahertz-Band

Swap: Das Shared Wireless Access Protokoll ist eine Übereinkunft führender Hersteller zur kabellosen Datenübertragung. Hauptziel ist die Anbindung an Telefonleitungen beziehungsweise das Internet.

WLAN: Das Wireless LAN ist ein drahtloses Netz gemäß IEEE-802.11.

*Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.