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24.02.2009

Was CIOs akut beschäftigt

Derzeit liest man überall Abgesänge auf SOA. Sie haben unter dem Namen "Globe" eine Service-orientierte Architektur aufgebaut. Oder haben Sie die etwa auch gestoppt?

Wir haben Globe nie unter das Thema SOA gestellt. SOA ist nur ein Schlagwort, und die Diskussionen um SOA, Cloud Computing etc. sind nichts weiter als eine Verklausulierung von Hypes.

Zudem wäre ein "SOA-Projekt" ein technologiegetriebenes Projekt. Und wir sind uns doch einig, dass nicht die Technik das Business treibt, sondern das Business die IT. Deshalb muss sich ein CIO immer fragen: Wo ist der Nutzen für das Business? Wenn es keinen gibt, braucht es auch keine technische Veränderung.

Das wurde mir übrigens schon in den 90er Jahren klar, als ich – damals noch bei Kaufring – erstmals eine Client-Server-Umgebung aufbaute. Nicht weil ich Lust auf eine neue Technik hatte, sondern weil sich unsere Geschäftsprozesse so verändert hatten, dass sie mit einem zentralen Host nicht mehr abbildbar waren.

Ähnlich verhält es sich jetzt bei Thomas Cook: Unsere Kunden wollten ihre Reisen flexibler zusammenstellen. Also mussten wir unterschiedliche Systeme ohne Medienbrüche miteinander verbinden. Unser Vorstandsvorsitzender nannte das einmal – analog zu den kuppelbaren Schläuchen einer Gartenbewässerung – das "Gardena-System". Man kann das auch SOA nennen.

In der Aussage, eine SOA schaffe nur noch mehr Komplexität, steckt ein bisschen Wahrheit: Ich glaube auch nicht, dass man alle festen Verbindungen lösen und ein System aus entkoppelten Bausteinen schaffen sollte. Das muss aber auch nicht sein. Wenn ich eine Funktion nur an einer Stelle brauche, kann ich sie eins zu eins verbinden. Wichtig ist, dass sich in der Mitte ein Nukleus und kein Monolith befindet und dass die Schnittstellen richtig beschrieben sind. Dann ist die Architektur zukunftstauglich: Neue Funktionen oder Erweiterungen lassen sich rasch integrieren.